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New York City - Angelique Kerber macht einen Kindheitstraum wahr. Der deutsche Tennisstar zieht ins Finale der US Open ein und erklimmt dank Schützenhilfe die Spitze der Weltrangliste.

Angelique Kerber (28) hat bei den US Open in New York ihr drittes Grand-Slam-Finale der Saison erreicht und übernimmt ab Montag zudem die Führung in der Weltrangliste.

Die Kielerin gewann ihr Halbfinale gegen Caroline Wozniacki aus Dänemark 6:4, 6:3, zuvor hatte sie von der Niederlage ihrer großen Rivalin Serena Williams (USA) profitiert. Die 22-malige Grand-Slam-Siegerin unterlag der Tschechin Karolina Pliskova 2:6, 6:7 (5:7) und muss ihren Platz an der Spitze räumen.

Kerber auf den Spuren von Steffi Graf

Beflügelt von der Aussicht, die zweite Deutsche nach Steffi Graf auf Platz eins der Weltrangliste zu werden, fertigte die Kielerin danach Wozniacki ab. "Das ist unglaublich, es ist ein großartiger Tag", sagte Kerber: "Ich bin hier zum ersten Mal im Endspiel, das bedeutet mir so viel. Und ich bin die Nummer eins, das ist überwältigend."

Die 28-Jährige war vor ihrer Partie, dem 13. Aufeinandertreffen mit der früheren Nummer eins Wozniacki, deutlich darum bemüht, das bestimmende Thema des Abends auszublenden. Nichts sollte sie von ihrer Mission, dem Einzug in ihr drittes Grand-Slam-Finale der Saison, abbringen. "Ich will jetzt nur an mein Match denken, danach sehen wir weiter", sagte Kerber im Interview mit ESPN vor der Partie.

Das funktionierte besonders zu Beginn herausragend. Mit 4:0 ging Kerber nach wenigen Minuten in Führung, Wozniacki war so verzweifelt, dass sie Kontakt mit Vater Piotr auf der Tribüne aufnahm und für die unerlaubten Tipps eine Verwarnung erhielt.

Allerdings halfen sie der zweimaligen Finalistin (2009, 2014) aus Dänemark, den 20.000 Zuschauern bot sich zum Ende des ersten Durchgangs ein Match auf Augenhöhe, in dem Kerber jedoch die wichtigen Punkte erzielte.

Viertes großes Endspiel 2016

Mit ihrer Konstanz, der mentalen Stärke und dem Selbstvertrauen, das sie nach dem Durchbruch in Melbourne, dem Finale in Wimbledon und Olympiasilber in Rio gesammelt hat, ließ sich Kerber die frühe Führung im zweiten Satz nicht mehr nehmen. Nach 1:28 Stunden verwandelte sie ihren ersten Matchball.

Kerber tritt damit erneut in die Fußstapfen ihres Idols Graf, sowohl mit dem Einzug ins US-Open-Finale, als auch mit dem Sprung auf Platz eins. Dort hatte Graf zuletzt im März 1997 gestanden. "Ich denke sie wird stolz auf mich sein", meinte Kerber auf die Frage nach Graf bei ESPN.

Kerber wird mit 28 Jahren und 239 Tagen die älteste Debütantin auf dem Tennis-Thron und die 22. Weltranglistenerste seit Einführung des computerbasierten Rankings am 3. November 1975 werden. 

Im Finale am Samstag (16.00 Uhr OZ/22.00 Uhr MESZ im LIVETICKER) greift Kerber nach ihrem zweiten Grand-Slam-Titel.

Finalgegnerin nicht Williams

Sie trifft zur Überraschung der meisten Experten und zum Entsetzen der Tennis-Fans in New York nicht auf Williams, sondern auf die Tschechin Karolina Pliskova. Die 22-malige Majorsiegerin aus den USA unterlag 2:6, 6:7 (5:7) und erklärte später, sie hätten Knieprobleme beeinträchtigt. "Ich war nicht bei 100 Prozent, aber Karolina verdient den Sieg", sagte die 34-Jährige.

Gegen die 1,86 m große und aufschlagstarke Tschechin hat Kerber noch eine Rechnung zu begleichen. Vor drei Wochen beim Vorbereitungsturnier in Cincinnati/Ohio verlor sie gegen Pliskova im Finale und verpasste den vorzeitigen Sprung auf Rang eins.

Nach ihrem Siegeszug in Flushing Meadows und dem wahr gewordenen Traum von Platz eins dürfte sie diesmal nicht so leicht zu stoppen sein.

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