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Fed-Cup-Spielerin Angelique Kerber ist derzeit die Nummer zehn der Welt

Singapur - Angelique Kerber fährt nur als Ersatz zum WTA-Finale. Den Rückschlag möchte sie nutzen - als Vorbereitung auf den Griff nach dem Fed Cup.

Mittendrin! Und doch nicht dabei? Angelique Kerber, Deutschlands beste Tennisspielerin, steckt im Gefühlschaos.

"Ich freue mich. Aber ich weiß, dass manches für mich ein bisschen bitter werden wird", sagte die 26-Jährige vor ihrem Abflug nach Singapur.

Dort steigt das diesjährige WTA-Finale. Die acht Besten ermitteln die Weltmeisterin. Es geht um Ehre, Prestige und satte 6,5 Millionen Euro Preisgeld. Und Kerber? Sie ist nicht dabei. Und irgendwie doch.

Als Ersatzspielerin nämlich. Es ist ein Rückschlag in ihrer Karriere. Einer, den sie kleinzureden versucht. Sie möchte ihn nutzen. Um sich fitzuhalten, für ihren ganz persönlichen Höhepunkt in diesem Jahr.

Hauchdünn verpasst

Zweimal war sie zuletzt bei den WTA Championships dabei. Doch diesmal reichte es nicht. Hauchdünn.

Neunte ist sie in der Jahreswertung, nicht zu verwechseln mit der Weltrangliste, in der sie derzeit Platz zehn innehat (DATENCENTER: WTA-Weltrangliste).

Und so wird sie diesmal nicht dabei sein bei der stets pompös aufgezogene Auslosung - im glamourösen Abendkleid, vor unzähligen Fotografen, in Siegerinnenpose.

Diese hatte sie 2012 und 2013 im obligatorischen Gruppenfoto zum Besten gegeben. "Ich bin schon noch enttäuscht, dass ich in diesem Jahr die direkte Qualifikation nicht geschafft habe", meinte die Linkshänderin. "Aber es ist auch eine gute Motivation, um zu sagen: Nächstes Jahr will ich wieder richtig dabei sein."

Kerbers Motto: Besser als nichts!

Pool im 57. Stock

Völlig im Abseits wird sie auch diesmal nicht stehen. Zusammen mit ihrer Mutter Beata und Trainer Benny Ebrahimzadeh wohnt Kerber im Luxushotel Marina Bay Sands - wie auch Titelverteidigerin Serena Williams.

Doch, wer denkt, dass sie sich dort im Wartestand nur der imposanten Poollandschaft im 57. Stock und dem zweifelsohne atemraubenden Panoramablick über den pulsierenden Stadtstaat hingeben wird, sieht sich getäuscht.

Sie steht auf Abruf bereit. Für einen Einsatz, der so unwahrscheinlich gar nicht ist. Spielerinnen wie die viermalige Gewinnerin und Topfavoritin Serena Williams, die Kanadierin Eugenie Bouchard oder die Serbin Ana Ivanovic plagten sich zuletzt mit Verletzungen herum.

"Ich glaube, die Chance auf einen Einsatz ist für mich relativ hoch", meinte Kerber, die von ihren bisherigen sechs WTA-Final-Matches eines gewann - 2013 gegen die Polin Agnieszka Radwanska.

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Hatz über die Kontinente

Ausruhen? Zurücklehnen? Däumchendrehen? Fehlanzeige! Ob sie nun zum Einsatz kommt oder nicht. Kerber wird sich fit halten.

Warum? Weil sie sich für ihren persönlichen Höhepunkt des Tennisjahrs in Form bringen möchte: das Fed-Cup-Finale gegen Tschechien am 8. und 9. November in Prag.

Nach der knapp vierwöchigen Asien-Tour, insgesamt 69 Einzelmatches 2014 und der Hatz über die Kontinente waren ihre Akkus zuletzt leer.

Sie wirkte ausgepumpt. Dazu kam eine Magen-Darm-Grippe. Sie zog die Reißleine und gönnte sich eine Auszeit. Eine kurze freilich.

Kontrahentin Eugenie Bouchard über den Dächern Singapurs:

Vier Finalniederlagen

"Ich brauche immer mal wieder dieses komplette Abschalten vom Alltag", schilderte sie.

Zusammen mit Freunden verbrachte sie ein paar Tage in den polnischen Bergen und ließ sich von der Natur faszinieren: "Einmal bin ich morgens um fünf aufgestanden und mit Taschenlampe auf den Gipfel gewandert, um den Sonnenaufgang zu sehen."

Jetzt wirkt sie wieder ausgeglichen. Auch, wenn sie die vier Finalniederlagen in dieser Saison noch beschäftigen - drei davon gegen schlechter platzierte Konkurrentinnen.

Besonders ihr Aufschlag bleibt ein Schwachpunkt und gibt weiter Anlass zur Selbstkritik. "Ich glaube trotzdem, dass die beste Phase noch vor mir liegt", meinte sie vor dem Trip nach Singapur.

Durch die Hintertür?

Es ist ihr Trainingslager. Für das große Ziel. "Das wäre der Wahnsinn, ein Highlight meiner Karriere", sagte sie zu einem möglichen Finalsieg im Fed Cup.

Es wäre der erste einer deutschen Mannschaft seit 22 Jahren. Der ist dieser Tage nur realistisch mit einer Angelique Kerber in Topform.

Denn die andere Hoffnungsträgerin, Andrea Petkovic, plagt sich mit privaten und gesundheitlichen Problemen herum (BERICHT: Tränendrama um Andrea Petkovic).

Sie wird sich an Kerber aufrichten müssen. Und wer weiß, vielleicht holt diese sich das dafür nötige Selbstvertrauen ja noch in Singapur - durch die Hintertür.

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