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Offenbach und München - Andrea Petkovic ist trotz zahlreicher Rückschläge zurück in der Weltspitze. Auch neben dem Platz glänzt das Tennisass. Zwei Vertraute erklären das Erfolgsrezept der "Die SPORT1"-Gewinnerin.

Es war ein Bild, das in Erinnerung blieb. 15. Oktober 2014, WTA-Turnier in Luxemburg: Andrea Petkovic sitzt in Tränen aufgelöst bei der Pressekonferenz. Kurz zuvor hat sie ihr Erstrundenmatch gegen die Französin Pauline Parmentier verloren.

Tränen bei Andrea Petkovic auf der Pressekonferenz beim WTA-Turnier in Luxemburg 2014
Andrea Petkovic nach ihrer Erstrundenniederlage beim Turnier in Luxemburg 2014 © imago

Es ist Petkovic' zweite Auftaktniederlage in Folge, die achte insgesamt im Jahr 2014. "Ich bin momentan nicht in irgendeiner Verfassung, Tennis zu spielen", erklärt Petkovic.

Zweieinhalb Wochen später. Sofia, Bulgarien. Mit einem strahlenden Lächeln stemmt Andrea Petkovic die riesige Siegertrophäe in die Luft. Es ist ihr dritter Turniererfolg im Jahr 2014, nach den Titeln in Charleston und Bad Gastein. Mit dem deutschen Team erreicht Petkovic zudem das Fed-Cup-Finale.

"Das ist denke ich eindeutig das beste Jahr meiner Karriere gewesen", sagt Petkovic einige Monate später im Gespräch mit SPORT1. Und die schweren Momente?

Klar seien die zahlreichen Erstrundenniederlagen "vielleicht nicht so toll" gewesen, erklärt die 27-Jährige, aber: "Ich habe drei Titel geholt, war das erste Mal im Halbfinale eines Grand Slams (bei den French Open, Anm. d. Red.). Das zählt für mich mehr."

Petkovic gewinnt "Die SPORT1" vor Höfl-Riesch

Und genauso sehen es auch die deutschen Sportfans. Mit 24 Prozent der Stimmen wählten die User von SPORT1.de Petkovic zu ihrer Sportlerin des Jahres - noch vor Ski-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch.

"Ich hätte das nie gedacht", sagt Petkovic bei der Preisübergabe in Offenbach: "Ich hätte für Maria Höfl-Riesch gestimmt. Aber anscheinend haben die Fans gedacht, ich hätte es auch ein bisschen verdient."

An dieser Stelle muss Jonathan Heimes widersprechen. "Richtig verdient" findet Petkovic' Kumpel die Auszeichnung - und "Johnny", wie Heimes genannt wird, muss es wissen. Seit fast 15 Jahren ist er mit Petkovic befreundet. Damals spielten beide beim selben Tennisklub in Darmstadt. Petkovic stand in den Startlöchern für eine Weltkarriere, auch Johnny war ein begnadeter Tennisspieler, Hessenmeister in seiner Altersklasse.

Aber während die zwei Jahre ältere Petkovic in der Folge auf den großen Tennisplätzen dieser Welt um Titel und Trophäen fightet, hat es Heimes mit einem deutlich schwereren Kampf zu tun. Mit gerade einmal 14 wurde bei Johnny Krebs diagnostiziert. Mehrere Operationen an Kopf und Rücken folgten, dazu unzählige Chemotherapien.

"Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich erreicht habe", sagt Petkovic einmal, "aber was Johnny geleistet hat, wiegt um vieles mehr. Er hat viel, viel mehr erreicht als ich."

150.000 Euro für DUMUSSTKÄMPFEN

Wohl auch deshalb setzt sich der Tennis-Star so für Heimes und andere Kinder mit ähnlichem Schicksal ein. Gemeinsam starten die beiden die Aktion "DUMUSSTKÄMPFEN. Es ist noch nichts verloren". Der Erlös kommt der Hilfe für krebskranke Kinder in Frankfurt zugute, rund 150.000 Euro haben Petkovic und Heimes vor allem mit dem Verkauf von Armbändern schon gesammelt.

Andrea Petkovic und Jonathan Heimes im September 2014 © Getty Images

"Für mich ist das sehr, sehr inspirierend und es holt mich auch immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück", sagt Petkovic im Gespräch mit SPORT1 über das Schicksal ihres Freundes, "vor allem, wenn man nach Niederlagen ein bisschen niedergeschlagen ist und dann merkt, dass es im Leben ganz andere Dinge gibt, die viel wichtiger sind."

Auch Petkovic selbst hat schon erlebt, wie schnell es mit dem großen Erfolg zu Ende gehen kann. Nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2011 mit drei Finalteilnahmen und einem Turniersieg stand die Darmstädterin am Ende des Jahres auf Platz zehn der Weltrangliste. Ein Jahr später war Petkovic nach langwierigen Verletzungen an Rücken, Knöchel und Knie auf Position 143 abgerutscht.

Waske erinnert sich an schwere Zeiten

Immer wieder kämpfte sie sich zurück, immer wieder folgten neue Rückschläge. Klar, dass da Zweifel aufkamen.

"Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Andrea hier stand und mich gefragt hat: Schaffe ich das alles? Kann ich das wirklich noch nach den ganzen Verletzungen? Bin ich noch gut genug?", erinnert sich ihr Trainer Alexander Waske bei SPORT1.

Petkovic war gut genug. Ende 2014 stand Weltranglistenplatz 14 zu Buche, einige Wochen später war Petkovic als Neunte zurück unter den Top Ten der Tenniswelt.

"Ich bin sehr stolz auf sie, dass sie wieder unter den besten Zehn steht", lobt Waske seinen Schützling, "aber wir sind uns einig, dass die Neun zum Schluss ihrer Karriere nicht als bestes Ranking dastehen soll. Da soll jetzt noch was draufgepackt werden."

Der erste Turniersieg im Jahr 2015 ist schon wieder eingetütet, Mitte Februar triumphierte Petkovic in Antwerpen. Aber auch vier Auftaktniederlagen stehen schon wieder zu Buche, darunter beim ersten Grand Slam des Jahres in Melbourne.

Zweifel kommen bei Trainer Waske dennoch nicht auf. Wenn der Ex-Profi über das Training mit Petkovic spricht, gerät er ins Schwärmen. Es sei "ein Riesenspaß" mit ihr zu arbeiten. "Das kann sie einfach sehr gut: Zwischendurch auf die Bank setzen, mal einen Witz erzählen. Aber wenn sie auf dem Platz steht, dann ist sie da."

Es ist diese Mischung aus menschlicher Größe und sportlicher Klasse, die Petkovic so beliebt macht. "Auf jeden Fall", ist sich Jonathan Heimes sicher, habe ihre Persönlichkeit zur Wahl für "Die SPORT1" beigetragen.

"Das spielt eine ganz große Rolle, dass sie so authentisch und fröhlich rüberkommt", sagt Heimes im Gespräch mit SPORT1 - und erklärt in fünf Worten Petkovic' Erfolgsrezept: "Sympathisch, nett, klug, hübsch, erfolgreich. So soll es sein." Und so soll Andrea Petkovic in Zukunft wieder für Bilder sorgen, die positiv in Erinnerung bleiben.

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