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TEN-SPO-SHARAPOVA
Maria Scharapowa vor der Presse in Los Angeles. © Getty Images

Ein lettischer Hersteller gibt pikante Details zur Verwendung des Medikaments preis. Hat sich Maria Scharapowa verplappert? Scharapowas Anwalt reagiert.

Neue Details im Dopingfall Maria Scharapowa: Die Arznei Meldonium, mit der Scharapowa bei den Australian Open positiv getestet worden war, wurde ursprünglich für das Militär hergestellt.

Das Mittel wurde im ersten Afghanistan-Krieg in den 1980ern Soldaten zur Steigerung der Ausdauer verabreicht.

Das hat der Erfinder des Medikaments, Ivars Kalvins, einer lettischen Zeitung mitgeteilt.

In der heutigen Zeit wird Meldonium im Regelfall nur für vier bis sechs Wochen zur akuten Behandlung verschrieben. Das gab der lettische Hersteller bekannt.

"Die Behandlung kann zwei oder drei Mal im Jahr angewandt werden", ließ der Hersteller mitteilen. Allerdings sei die Arznei nur in "Ausnahmefällen" für eine längere Anwendung und nicht über mehrere Jahre vorgesehen.

Scharapowa hatte zuvor auf der Pressekonferenz gesagt, sie habe das Medikament über zehn Jahre aufgrund von Anzeichen einer Diabetes genommen. Die Wirkung ist in jedem Fall leistungssteigernd.

Anwalt spricht von Missverständnis

Hat sich die Russin also verplappert?

Ihr Anwalt konkretisierte nun, dass sie "nicht gesagt habe, dass sie es zehn Jahre lang jeden Tag genommen hat - denn das stimmt nicht." Sie habe es immer nur auf Anweisung des Arztes genommen.

Gewisse Widersprüche bleiben bestehen. Mehrere russische Sportler waren zuletzt positiv auf die Substanz getesten worden.

Run auf Meldonium im Internet

Unterdessen löste der Fall Scharapowa einen wahren Run auf das Mittel Meldonium aus. Eine russische Webseite, die Nahrungsergänzungsmittel vertreibt, berichtete auf Anfrage der BBC, nach dem Geständnis des Tennis-Superstars seien innerhalb von 24 Stunden 150 Packungen des meldoniumhaltigen Präparats Mildronat verkauft worden - im Vergleich zu 850 im gesamten vergangenen Jahr.

Der Preis sei nun nahezu verdoppelt worden, erklärte ein Sprecher von RUPharma, sogar ein zusätzlicher Mitarbeiter werde eingestellt: "Wir nennen Mildronat hier schon scherzhaft Scharaponat."

Meist wollten die neuen Kunden das Präparat für sportliche, nicht für medizinische Zwecke einsetzen. Mildronat wird häufig bei Erkrankungen des Herzkreislaufsystems verschrieben, es hat stärkende Wirkung und verbessert den Stoffwechsel. Es ermöglicht höhere Belastungen und eine schnellere Regeneration.

Scharapowa muss für ihr Vergehen auf jeden Fall mit einer Strafe rechnen. Was genau auf sie zukommt, steht im Moment aber noch nicht fest. Eine Sperre von zwei Jahren ist möglich.

 Am Dienstag legten mehrere Sponsoren ihren Vertrag mit Scharapowa auf Eis. Weitere Enthüllungen wie diese dürften der Russin nicht helfen.

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