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Angelique Kerber steht im Achtelfinale von Wimbledon
Angelique Kerber steht im Achtelfinale von Wimbledon © Getty Images

Angelique Kerber kämpft sich nach Satzrückstand gegen Shelby Rogers zurück in die Partie und erreicht doch noch das Achtelfinale.

Der nächste sportliche Tiefpunkt rückte bedrohlich nahe, da packte Angelique Kerber der Mut der Verzweiflung.

4:6, 2:4 und 30:40 lag die Weltranglistenerste gegen Shelby Rogers zurück. Das Aus in der ersten Wimbledon-Woche und der Sturz vom Tennis-Thron standen kurz bevor. Doch in diesem Moment setzte Kerber zur Wende an und triumphierte schließlich mit 4:6, 7:6 (7:2), 6:4.

"Der Punkt, der das endgültig Match gedreht hat", kam für Kerber ein Spiel später. Sie befreite sich wie in besten Tagen aus der Defensive, erlief einen Stopp und hatte plötzlich einen Breakball. "Der Schlüssel war, dass ich nach jedem Ball gerannt bin und nie aufgegeben habe", sagte sie erleichtert. 

"Letzte Überzeugung fehlt"

Ist dies nun der Wendepunkt nach einem halben Jahr im Sinkflug? "Vielleicht", sagte Kerber, "wir werden sehen. Auf jeden Fall war das ein wirklich wichtiger Sieg." Auch Bundestrainerin Barbara Rittner atmete nach dem Krimi über 2:17 Stunden auf. "Das war ein Sieg mit Herz und Leidenschaft, auch wenn ab und zu noch die letzte Überzeugung gefehlt hat", sagte die Fed-Cup-Chefin.

Zum dritten Mal in fünf Tagen zitterte Kerber, zum dritten Mal behielt sie die Nerven. Doch von Mal zu Mal wurde es knapper, und ob Garbine Muguruza die kampfstarke Kerber am Montag auch entkommen lässt, ist mehr als fraglich.

"Angstgegnerin" Muguruza wartet

Gegen die Spanierin, die 2015 im All England Club im Finale stand, hat Kerber zuletzt vier Mal verloren. Darunter vor zwei Jahren in der dritten Runde von Wimbledon. Muguruza hat ihre drei Partien ohne Satzverlust gewonnen, sie strotzt vor dem Selbstvertrauen, das Kerber fehlt. Es ist nicht mehr als eine vage Hoffnung, dass die 29-Jährige durch den Arbeitssieg gegen die Weltranglisten-70. Rogers die "Handbremse im Kopf" gelöst hat, wie es sich Bundestrainerin Barbara Rittner wünscht.

Immerhin war gegen Rogers, die in den letzten Jahren in Wimbledon gegen Sabine Lisicki und Andrea Petkovic jeweils in der ersten Runde klare Niederlagen kassiert hatte, ein Fortschritt zu erkennen. Die weinerliche Kerber der ersten zwei Matches wandelte sich zur Kämpferin. Taktisch traf sie zwar eine Menge Fehlentscheidungen, brachte die nicht austrainierte Rogers zu selten in Bewegung, ließ sich aber nie abschütteln und brachte schließlich nervenstark ihren Aufschlag zum Sieg durch.

Kerber beweist erneut Willensstärke

Mit dem Rücken zur Wand hatte Kerber in der Vergangenheit oft ihre besten Matches absolviert, im letzten Jahr schaffte sie es mehr und mehr, ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. So triumphierte sie bei den Grand-Slam-Turnieren in Melbourne und New York, lieferte im Rasenmekka an der Londoner Church Road der großen Serena Williams ein Match auf Augenhöhe und gewann in Rio die olympische Silbermedaille.

Von solchen Erfolgen ist sie in dieser Saison weit entfernt, aber immerhin hat sie auf dem "Heiligen Rasen" von Wimbledon nun drei Matches nacheinander für sich entschieden. Das war ihr zuletzt beim kleinen Turnier im mexikanischen Monterrey vor drei Monaten gelungen. Es war Kerbers bislang einziger Finaleinzug im Jahr 2017.

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