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Riechedly Bazoer wechselte von Ajax Amsterdam zum VfL Wolfsburg
Riechedly Bazoer wechselte von Ajax Amsterdam zum VfL Wolfsburg © SPORT1-Grafik: Marc Tirl / Getty Images

München - Riechedly Bazoer war auch bei Barca und bei Guardiolas ManCity im Gespräch. Stattdessen hat nun der VfL Wolfsburg einen Jungstar mit einem gewissen Etwas.

Riechedly Bazoer kennt seinen Wert in der Welt des Fußballs genau.

Als sich vor einem Jahr unter die 53.000 Zuschauer der Amsterdamer Arena auch Scouts des FC Barcelona mischten, verkündete der junge Mittelfeldspieler von Ajax Amsterdam das stolz: "Ich werde kein Geheimnis daraus machen. Ich weiß, dass sie meine Spiele anschauen und mich beobachten", sagte der inzwischen 20-Jährige, als er von seinem Berater erfuhr, wer ihn da einer genauen Prüfung unterzogen hatte.

Es waren die Scouts seines Traumvereins - und es war nicht die einzige Großmacht aus Europa, die an ihm interessiert war. Auch Pep Guardiola wollte den Mittelfeldspieler angeblich zu einem Wechsel zu Manchester City verführen.

Im März soll Bazoer ein Thema beim Treffen zwischen Guardiola und Manchester Citys Sportdirektor Txiki Begiristain in Amsterdam gewesen sein.

Mutter spielt wichtige Rolle

Nun ist der schlaksige Rechtsfuß aber ins deutlich weniger glamouröse Wolfsburg gewechselt, nicht zu den schillernden Katalanen und auch nicht zum Taktikfanatiker, den sie Pep nennen.

Für geschätzte zwölf Millionen Euro hat er sich dem VfL bis 2021 angeschlossen - und schnürt am Dienstag im Trainingslager in La Manga (Spanien) erstmals seine Schuhe für den abstiegsbedrohten Bundesligisten.

Eine merkwürdige Entscheidung von Bazoer, auf den ersten Blick. Der zentrale Mittelfeldspieler geht in seiner Karriere ungewöhnliche Wege, seine Mutter ist dabei das GPS.

Als Bazoer 16 Jahre alt war, wäre er beinahe schon bei Manchester City gelandet. Nur der Einspruch seiner Mutter verhinderte damals seine Unterschrift. Sie meinte, ihr Sohn sei zu jung, er solle lieber noch ein bisschen in den Niederlanden bleiben.

Wie groß der Einfluss seiner Mutter ist, zeigt, dass sie den Charme von Patrick Vieira überbot - dem Vorbild ihres Sohnes.

"Spieler wie Patrick Vieira und Sergio Agüero kamen zu mir, um sich mit mir zu unterhalten - und ich sprach auch mit dem damaligen Trainer Roberto Mancini. Stars, die ich nur von der Playstation kannte, sprachen plötzlich mit mir", sagte Bazoer der niederländischen Zeitung Voetbal International einmal.

Gutes Abschiedsgeschenk von Allofs?

Bazoer nach Wolfsburg zu lotsen war eine der letzen Amtshandlungen von Manager Klaus Allofs vor seiner Entlassung gewesen. Welche Art von Spieler hat Allofs da also als Abschiedsgeschenk hinterlassen?

Der Mittelfeldspieler ist ein exzellenter Passgeber, der intelligent die Bewegungen des Gegners antizipiert - eben wie sein Vorbild Vieira.

"Der Tiki-Taka-Stil liegt mir", sagte der 20-Jährige, als er einmal auf das Interesse des FC Barcelona angesprochen wurde. Jetzt will der Mann mit dem Offensivdrang eine Idee von Tiki-Taka nach Wolfsburg bringen.

Die Motivation für die Defensive kommt ihm bei seiner Leidenschaft für schöne Pässe und Distanzschüsse zeitweise abhanden, Grätschen wenige Millimeter über der Grasnarbe sind nicht nach seinem Gusto.

Einst aus Eindhoven geflohen

Dass Abräumen nicht seine Lieblingsbeschäftigung ist, zeigt die Geschichte, wie er zu Ajax kam: In der Jugend der PSV Eindhoven wurde es ihm in der Verteidigung irgendwann zu öde. Er wollte offensiver ran, doch sein damaliger Trainer sah den 1,84-Meter-Mann hinten zentral. Die Folge: Bazoer floh nach Amsterdam.

Dort unterstützten die Verantwortlichen seinen Wunsch - speziell Oranje-Legende Dennis Bergkamp. "Ich trainiere in diesem Bereich viel mit Dennis. Es geht darum, zu wissen, wo ich stehen muss, zu fühlen, wo der Ball hinkommt", sagte Bazoer damals.

Doch nun kommt auch die Flucht aus Amsterdam. Der Grund? Der Trainer.

Zu alter Stärke in Wolfsburg?

Mit Ajax-Chefcoach Peter Bosz überwarf sich das Talent angeblich wegen des Einstiegs ins Training nach einer Verletzung. Ende Oktober hat Bazoer sein letztes Spiel gemacht - elf Minuten gegen Feyenoord.

In Wolfsburg wird der Niederländer mit französischer Herzlichkeit empfangen werden. "Ich kenne Riechedly Bazoer gut und bin von seinen Qualitäten absolut überzeugt", schwärmte VfL-Trainer Valerien Ismael: "Er passt hervorragend in die Mannschaft und kann mithelfen, den VfL wieder in die Erfolgsspur zu bringen."

Ob Bazoer die angeschlagenen Wolfsburger tatsächlich mit seinen Pässen wieder zum Erfolg lenken kann? Die Scouts von Barca und Co. dürften es sich angucken.

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