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München - Marcel Reif kritisiert die Entwicklung auf dem Transfermarkt und die aus seiner Sicht obszönen Ablösesummen. Bundestrainer Joachim Löw sieht er in der Messi-Falle.

Hallo Fußball-Freunde,

ein Problem im Fußball sind derzeit die Ablösesummen auf dem Transfermarkt. Dieser Markt gibt offenbar her, dass ein kleiner Pimpf wie Paul Pogba, der noch nichts gewonnen hat, 105 Millionen Euro wert ist. Leroy Sane ist 50 Millionen wert und hat noch keine 50 Bundesliga-Spiele gemacht.

Diese Entwicklung ist leider normal. Für Kasperlspieler werden Summen hingelegt, das ist Wahnsinn. Das ist den normalen Menschen sehr, sehr schwer zu vermitteln.

Aber: Dass Pogba 105 Millionen gekostet hat, ist völlig transparent. Dass der Berater prozentual das abkassiert, was der Markt hergibt, ist ebenfalls transparent. Die Summen kann ich nicht am Berater festmachen.

Es ist nicht schmutzig, aber obszön, vor allem für den normalen Fußballfan. Die Identifikation mit dem Verein, mit den einzelnen Spielern findet nicht mehr statt. Ich glaube, in diesem Bereich bekommt der Fußball ein Problem.

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Mario Gomez ist nach seiner Zeit in der Türkei und in Italien zurück in der Bundesliga (für sieben Millionen Euro zum VfL Wolfsburg, Anm. d. R.). Dass Gomez nochmal in den Kader der Nationalmannschaft zurückkehrt, hätte ich nicht gedacht. Aber man hat bei der Europameisterschaft gesehen: Keiner hat uns im Halbfinale mehr gefehlt als Gomez.

Auf die ganzen falschen Neuner, das ganze Tiki-Taka und diesen Selbstzweck-Fußball hat Bundestrainer Joachim Löw zu spät reagiert. Vielleicht entwickelt sich der Fußball wieder zurück hin zu mehr Stoßstürmern, denn das Runde muss ins Eckige.

Die Fußballwelt ist irgendwann mal in die Messi-Falle getappt: Das Bällchen lief und lief, bis Lionel Messi das Tor macht. Messi ist aber nicht reproduzierbar. Es geht jetzt um das Wiederentdecken des taktischen Kniffs mit einem Stoßstürmer, denn ein Spieler wie Gomez war jahrelang verpönt. 

Der Job von Joachim Löw muss es auch sein, neue Hierarchien aufzubauen, die jungen Spieler ranzuführen und auch einzusetzen. In so einer WM-Qualifikation kannst du diese Dinge schon probieren.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit dieser Saison begleitet Marcel Reif als Experte den Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

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