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Grenzgänger im Triathlon - genügt bald auch Jan Frodeno die Ironman-Distanz nicht mehr?
Grenzgänger im Triathlon - genügt bald auch Jan Frodeno die Ironman-Distanz nicht mehr? © SPORT1-Grafik Philipp Heinemann / Imago, Youtube und facebook.com/savagemantri

Jan Frodeno, erneut Sieger auf Hawaii, ist der Ironman schlechthin. Doch die Ultra-Harten geben sich das Zigfache. Faris Al-Sultan erklärt bei SPORT1 den Unterschied.

Die Weltbestzeit im Juli pulverisiert, die WM erneut gewonnen: Jan Frodeno ist nach seinem geschichtsträchtigen zweiten Triumph auf Hawaii der Ironman schlechthin.

Acht Jahre nach seinem Olympiasieg in Peking und rund zwei Jahre nach seinem ersten Triathlon über die Langdistanz von 3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und einem Marathonlauf (42,195 km) gehen Frodeno vermeintlich die Herausforderungen aus.

Nach dem Acht-Stunden-Martyrium auf Kailua - dem härtesten aller Ironmen - hatte der 35-Jährige bekannt: "Das war die absolute Hölle. Ich habe noch nie so sehr gelitten."

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Doch wenn Frodeno sich seine malträtierten Muskeln massieren lässt, haben die Härtesten ihrer Zunft noch den Großteil ihrer Schwimmstrecke vor sich - weil sie sich die zigfache Distanz antun.

Täglich Ironman, einen Monat lang 

Der Ironman ist nur die Einstiegsdroge in den Ultra-Wahnsinn, der nach oben kaum Grenzen kennt: Double-, Triple- oder Quadruple-Ironman. Oder gleich das Zehn-, Zwanzig- oder Dreißigfache.

Erstmals 2013 traten 21 Verwegene zum Triple Deca Ultratriathlon in Solferino/Italien an, acht standen den Wahnsinn durch. Der Schnellste, Jozsef Rokob aus Ungarn, war 365 Stunden und 33 Minuten unterwegs - also mehr als zwölf Stunden Wettkampf täglich, einen Monat lang.

Auch Steve Harvey, der fünf Monate zuvor mit einem Kühlschrank-Dummy auf dem Rücken einen Halbmarathon gelaufen war, hielt bis zum Ende durch. Genau wie Wayne Kurtz aus Pittsburgh, eigentlich Buchautor. Seine Qualen und Unverdrossenheit sind in einem Video auf Youtube dokumentiert.

Die deutsche Ikone Benöhr

Mehr Tradition hat der Zehnfach-Ultratriathlon - 38,65 km Schwimmen, 1802,5 km auf dem Rad und 422 km Laufen. 1992 feierte der Wettbewerb Premiere im mexikanischen Monterrey. Die Distanzen waren am Stück zu absolvieren. Wann Zeit zu schlafen ist und ob überhaupt, entschied jeder Triathlet für sich.

Den Rekord bei den Männern stellte fünf Jahre später Fabrice Lucas auf: 192:08:26 Stunden - das sind etwas mehr als acht Tage. Getoppt wurde der Franzose seither nur von einer Frau, Astrid Benöhr, die 1999 sagenhafte 187:18:37 Stunden brauchte.

Astrid Benöhr stellte 1999 in Luckau im Alter von 41 Jahren den Weltrekord im Deca-Ultratriathlon auf - ohne MitstreiterIn
Astrid Benöhr stellte 1999 in Luckau im Alter von 41 Jahren den Weltrekord im Deca-Ultratriathlon auf - ohne MitstreiterIn © Imago

Inzwischen sind die Deka-Rekordzeiten niedriger, schließlich ist auch hier nun täglich ein Ironman zu absolvieren - danach wird gestoppt und regeneriert.

Benöhr, Ausdauer-Ikone aus dem Bergischen Land, hält aber noch die Bestzeiten über die zweifache, dreifache, vierfache und fünffache Ultra-Distanz und gewann zwischen 1992 und 2006 den Triple Ultra Triathlon in Lensahn 13 (!) Mal.

Al-Sultan: "Da gibt's nichts zu erben"

Sollten Frodeno diese Herausforderungen reizen, wäre er allerdings nicht der erste deutsche Hawaii-Sieger, der die neuen Extreme sucht.

Faris Al-Sultan, Ironman-Champ von 2005, probierte sich schon bei der Cross-Triathlon-WM aus und zuletzt beim Ötillö in Schweden, wo er rund neuneinhalb Stunden für 65 km Laufen und 10 km Schwimmen brauchte.

Der ehemalige Hawaii-Sieger Faris Al-Sultan ist inzwischen als Triathlon-Trainer erfolgreich
Der ehemalige Hawaii-Sieger Faris Al-Sultan ist inzwischen als Triathlon-Trainer erfolgreich © Getty Images

Inzwischen ist er Trainer und verbuchte mit Platz 3 seines Schützlings Patrick Lange auf Hawaii einen bemerkenswerten Erfolg. Doch er glaubt nicht, dass Frodeno auf die noch längeren Strecken wechselt.

"Das geht weg mehr Richtung Abenteuer und ist mit dem Profi-Dasein unvereinbar", sagte der 38-Jährige SPORT1. "Da gibt's nichts zu erben." Und selbst wenn Frodeno nicht mehr auf jeden Euro schielen muss: "Es geht auch darum zu merken, wie viel ich wert bin."

Auch seien die Anforderungen an Mehrfach-Ultras deutlich anders: "Ab 20 Stunden fängt eine ganz andere Kategorie an. Das spielt sich nur noch im Kopf ab, und die Geschwindigkeit rückt vollkommen in den Hintergrund."

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