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Joe DiMaggio Baseball MLB Porträt

München - Joe DiMaggio gewann mit den New York Yankees neunmal die World Series. Auf dem Feld war er ein Superstar, privat ein Gentleman.

Anfang der Siebziger des vergangenen Jahrhunderts begegneten sich Joe DiMaggio und Paul Simon in einem italienischen Restaurant in Brooklyn.

Simon stand gerade mit seinem kongenialen Partner Art Garfunkel und dem Welthit "Mrs. Robinson" an der Spitze der Charts. "Where have you gone Joe DiMaggio" heißt es darin - wo bist du geblieben? "Warum sucht ihr mich", fragte "Joltin' Joe, "ihr könnt mich doch jeden Tag in der Kaffeewerbung sehen."

Paul Simon erinnerte sich an diese kleine Episode, als er nach DiMaggios Tod am 8. März 1999 eine Würdigung in der "New York Times" schrieb.

Er habe dem berühmtesten Baseballspieler seiner Zeit gerne den tieferen Sinn der Worte erklärt (MLB-Saison LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Ehrlichkeit, Respekt und Treue

"Amerika hat damals nicht die Person Joe DiMaggio gesucht, sondern die Werte, die er verkörperte", schrieb Simon: "Ehrlichkeit, Respekt, Treue - er war der perfekte Gentleman, im Sport und im Leben."

Dieses Leben begann am 25. November 1914 im kalifornischen Martinez, dort kam Giuseppe Paolo DiMaggio als achtes Kind sizilianischer Immigranten zur Welt.

Sein Vater war Fischer in der fünften Generation, doch Giuseppe junior hantierte lieber mit Ball und Schläger als mit dem Fangnetz. Als er 16 Jahre alt war, verließ er die Schule, um sich ganz auf den Sport zu konzentrieren.

DiMaggio Bruder Vince spielte damals bei den San Francisco Seals in der unterklassigen Pacific Coast League, und als deren Shortstop mitten in der Saison ausfiel, wusste Vince sofort Rat.

Legende startet in New York

Giuseppe DiMaggio, der längst Joe hieß und den nicht mehr viel mit der Tradition der Fischer-Familie verband, kam als Ersatz ins Team der Seals - und von dort aus im Jahr 1936 auf direktem Weg zu den New York Yankees in die Major League Baseball.

Dort, in der brodelnden Boomtown am Atlantik, begründete er mit dem berühmten weißen "NY" auf dem dunkelblauen Basecap seine Legende, wie es vor ihm Babe Ruth und Lou Gehrig und nach ihm Mickey Mantle taten.

DiMaggio, der "Yankee Clipper", dessen ungewöhnliche Haltung am Schlag auffiel, erzielte im Jahr 1941 in 56 Spielen in Folge einen Hit - eine bis heute einmalige Serie, der niemand auch nur ansatzweise nahe kam.

1943 unterbrach der Zweite Weltkrieg seine Karriere, die er ab 1946 bei den Yankees fortsetzte. 1949 unterschrieb DiMaggio als erster Profisportler der Geschichte einen mit jährlich 100.000 Dollar dotierten Vertrag.

Als die Presse anfing, seine schwächer werdenden Leistungen zu kritisieren, übergab er im Dezember 1951 seine Position im Center Field an den 20-jährigen Mickey Mantle.

Hollywood-Göttin trifft Baseballstar

Der Liebe seines Lebens begegnete Joe DiMaggio ein Jahr nach seinem Rücktritt. Hollywood-Göttin Marilyn Monroe und der introvertierte, publikumsscheue Sportler traten nach einer 18-monatigen Beziehung im Januar 1954 vor den Traualtar.

Für beide war es die zweite Ehe - und sie dauerte kein ganzes Jahr. Mitten während der Dreharbeiten zu "Das verflixte 7. Jahr" zerbrach ihr ohnehin stets fragiles Glück.

Die berühmte Szene, in der Marilyn Monroes Rock über einem U-Bahn-Schacht hochgewirbelt wird, brachte DiMaggio so in Rage, dass die Monroe schließlich genervt die Scheidung einreichte.

Zweite Heirat wohl geplant

Schmutzige Wäsche wurde nicht gewaschen. DiMaggio schwieg, er blieb Hollywoods ungekrönter Königin ein treuer Freund - und zerbrach fast an ihrem Tod im August 1962.

Freunde behaupteten, beide seien damals dicht davor gewesen, sich ein zweites Mal das Ja-Wort zu geben. Bis zu seinem eigenen Tod schickte DiMaggio, der 1999 mit 84 Jahren an Lungenkrebs starb, regelmäßig rote Rosen an das Grab der Monroe, er heiratete nicht wieder.

Niemals habe er über seine Beziehung zu Marilyn gesprochen, schrieb Paul Simon in seinem Nachruf auf DiMaggio: "In allem, was er tat, umgab ihn die Macht des Schweigens."

Die schöne neue Welt hätte der 100-jährige Joe DiMaggio schon lange nicht mehr verstanden.

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