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Max Kepler schlug gegen die Texas Rangers den ersten Grand Slam seiner Karriere © Getty Images

München - Max Kepler spielt sich mit seinen Home Runs bei den Minnesota Twins ins Rampenlicht und wird als Rookie des Jahres gehandelt. Der Werdegang des Berliners ist außerordentlich.

Max Kepler hat einen Lauf. Der momentan einzige Deutsche in der MLB spielt sich mit Topleistungen bei den Minnesota Twins ins Rampenlicht.

Vor allem die Power-Explosion des Outfielders beeindruckt. In den finalen neun Partien vor dem All-Star Game (ab 1.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) schlug er starke fünf Homeruns und insgesamt 18 Punkte ins Ziel (RBI).

"Er hatte speziell in jungen Jahren nicht viel Spielerfahrung, aber er ist richtig stark mit viel Power, kann im Outfield alles spielen und trifft gegen Links- und Rechtshänder. Wir müssen ihn nur noch etwas weiter polieren", lobt Manager Paul Molitor.

Ins Blickfeld für die Auszeichnung zum Rookie des Jahres in der American League hat sich Kepler bereits gespielt, dabei sind sein Background und Werdegang extrem außergewöhnlich.

Kepler und seine Baseball-Leidenschaft

Als Sohn eines polnischen und einer amerikanischen Balletttänzerin kam er in Berlin schon in der Grundschule und in den Ferien bei Familienbesuchen in den USA mit Baseball in Berührung. Obwohl Kepler auch in Fußball und Tennis  großes Talent bewies, blieb er seiner Baseball-Leidenschaft treu - trotz der nicht gerade idealen Bedingungen.

"Alle haben die Nase gerümpft, wenn ich gesagt habe, ich gehe zum Baseball-Training. Es war nicht leicht, wir haben meistens auf Fußballplätzen gespielt", erinnert sich Kepler bei USA Today. (SERVICE: SPORT1 erklärt Baseball)

Harter Weg in die MLB

Trotzdem wurden die Twins aufmerksam und schlugen im Sommer 2009 mit einem satten Signing Bonus von 775.000 Dollar zu. Nie hatte ein Europäer mehr für seine Unterschrift bei einem MLB-Team kassiert. In den ersten drei Jahren spielte Kepler in der Rookie-Liga und musste sich erst einmal an das Niveau im US-Farmsystem gewöhnen.

"In Deutschland hast du keine Flammenwerfer. Da waren 80 Meilen das Maximum, dann siehst du plötzlich 98 ohne jegliche Kontrolle, da wird dir schon mulmig", sagt Kepler.

Der schlagstarke Linkshänder verbesserte sich in der Knochenmühle der Minor Leagues jedoch von Jahr zu Jahr, feierte im September 2015 sein Debüt in der Major League und gehört seit dem 1. Juni fest zum Kader.

Dass die Truppe von Twins-Legende Molitor im Umbruch steckt, kommt dem 23-Jährigen entgegen. Er hat seinen Platz im Right Field praktisch sicher und findet am Schlag einen immer besseren Rhythmus - diesen Luxus hatte Pionier Donald Lutz (erster Deutscher mit einem Home Run) bei den Cincinnati Reds nie.

Mit seinem ersten Home Run sicherte Kepler den Twins am 12. Juni einen Walk-Off-Sieg gegen Titelkandidat Boston Red Sox, seitdem läuft es richtig gut. Seine Slugging-Quote von .483, die zum Beispiel Home Runs höher bewertet als der bloße Schlagdurchschnitt, gehört zu den Top 30 in der American League.

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Erster Grand Slam der Twins

Anfang des Monats brach er gegen Texas mit gleich sieben RBI den Rookie-Teamrekord und ließ nun im letzten Auftritt vor dem All-Star Game den ersten Grand Slam (Home Run mit voll besetzten Bases für vier Runs) eines Deutschen überhaupt folgen. 

Das hatte in der laufenden Saison noch keiner seiner Teamkollegen geschafft. "Ich habe nichts Besonderes versucht", sagte Kepler im Anschluss: "Ich habe einfach meinen Job gemacht."

Mit seinen Leistungen macht er auch die in der ersten Saisonhälfte eher schwachen Twins besser. Sie gewannen sieben ihrer vergangenen neun Partien - darunter fünf gegen Texas, das beste Team der Liga.

Bis zum All-Star ist es noch ein langer Weg, aber Kepler weckt in Minnesota und zu Hause in Deutschland Hoffnungen auf den ganz großen Durchbruch.

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