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Bruce Lewenson ist Besitzer der Atlanta Hawks © Imago

München - Nach der Sterling-Posse gesteht auch Hawks-Besitzer Levenson rassistische Denkweisen. Die Probleme der Liga werden deutlich.

Das Thema Diskriminierung lässt die NBA nicht los.

Nachdem die Posse um den ehemaligen Besitzer der Los Angeles Clippers, Donald Sterling, kürzlich beendet werden konnte (BERICHT: Sterling verzichtet auf Klage), muss die beste Basketball-Liga der Welt nun den nächsten Rassismus-Skandal verkraften.

Bruce Levenson, der Eigner der Atlanta Hawks, hat sich selbst bei der Liga angezeigt.

"Beleidigende Mail"

Ursache ist eine E-Mail, die Levenson vor zwei Jahren verfasst hat.

Dort beschäftigte er sich mit den geringen Zuschauerzahlen der Hawks und sprach sich für eine vielfältigere Fan-Base aus, die sich aus mehr Weißen aus den Vororten zusammensetzen sollte.

Verkauf nach zehn Jahren

Diese E-Mail sei "unangebracht und beleidigend" gewesen, gestand Levenson nun in einem offiziellen Statement. Deshalb habe er sich entschlossen, das Team für das auch der Deutsche Dennis Schröder aufläuft, nach zehn Jahren zu verkaufen.

"Indem ich klischeebehaftete Annahmen über ihre Interessen (z.B. Hip Hop vs. Country, schwarze vs. weiße Cheerleader etc.) gemacht und ihre gegenseitige Wahrnehmung (heißt: Weiße Fans könnten von unseren schwarzen Fans eingeschüchtert sein) stereotypisiert habe, habe ich unsere Fans trivialisiert", erklärte Levenson.

Schwarze machen Weißen Angst

Seiner Meinung nach seien knapp 70 Prozent der Zuschauer bei den Heimspielen der Hawks Afro-Amerikaner, was die Weißen davon abhalte in die Philips Arena zu kommen.

"Meine Theorie ist, dass die vielen Schwarzen unter den Zuschauern den Weißen Angst machen. Gleichzeitig gibt es aber nicht genug wohlhabende schwarze Fans um genügend Saisonkarten abzusetzen", schrieb Levenson damals.

Selbst Kiss-Cam zu schwarz

"Versteht mich nicht falsch. Es ist in der Arena nie etwas Bedrohliches passiert, aber ich glaube, dass sich die weißen Südstaatler in einem Stadion oder einer Bar nicht wohlfühlen, wenn sie in der Minderheit sind", fügte er hinzu.

Dementsprechend habe er die Verantwortlichen angewiesen, weiße Cheerleader ins Team zu holen und die Musik so anzupassen, dass sie sich "ein 40-jähriger Weißer" wohlfühlt: "Ich habe sogar darüber gemeckert, dass die Kiss-Cam zu schwarz war".

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Doppelmoral bei Levenson

Inzwischen scheint Levenson seine Worte zu bedauern, er selbst hat die Reißleine gezogen. Warum diese Erkenntnis allerdings erst zwei Jahre reifen musste ist unklar, ein Zusammenhang mit den Enthüllungen um Sterling aber durchaus wahrscheinlich.

Im Skandal um den Finanzmagnaten, der wegen rassistischer Aussagen gedrängt worden war, die Los Angeles Clippers zu verkaufen, hatte sich Levenson noch öffentlich auf die Seite der Liga gestellt ("Die NBA sollte bei Rassismus eine Null-Toleranz-Linie fahren").

Nun hat er aber offenbar selber Kalte Füße bekommen und versucht, mit dem Vorstoß zu verhindern, dass ihn seine Vergangenheit einholt.

Erste Reaktion der NBA

"Ich finde es sehr löblich, dass sich Mr. Levenson selbst bei der Liga angezeigt hat, dass er mit der Liga und den unabhängigen Ermittlern vollständig kooperiert und dass er die Interessen der Hawks, der Community von Atlanta und der NBA an erste Stelle gestellt hat", sagte NBA-Commisioner David Silver in einem ersten Statement.

Geschäftsmänner an der Spitze

Doch welche Interessen haben die Teams tatsächlich? Nicht wenige Eigentümer verstehen sich wie Levenson in erster Linie als Geschäftsmänner und verfolgen vor allem auch finanzielle Interessen.

Vier der Haupteigentümer kommen aus dem IT-Bereich, drei weitere aus dem Sektor des Investment-Banking. Berufe in denen Afro-Amerikaner in den USA traditionell nur wenig zu finden sind.

Bedenkt man dazu, dass derzeit 15 Haupt- und Mitbesitzer der 30 Franchises 65 Jahre oder älter sind und damit mit Rassentrennung quasi groß geworden sind, wird deutlich, wie schwer es für einen Afro-Amerikaner ist in diesem "eiltären" Kreis Fuß zu fassen.

Jordan einziger Afroamerikaner

Derzeit ist NBA-Legende Michael Jordan der einzige afro-amerikanische Teambesitzer, seinen Respekt hat er sich nahezu komplett durch sportliche Leistungen erarbeitet.

Dazu kommen der Russe Michail Prochorow (Brooklyn Nets) und der gebürtige Inder Vivek Renadive (Sacramento Kings), die den internationalen Aspekt der Team-Owner abdecken.

Dabei sieht es auf dem Spielfeld ganz anders aus. 75 Prozent der Spieler sind schwarz und auch in Sachen Headcoaches ist die NBA im Vergleich mit den anderen großen US-Ligen MLB, NFL und NHL Vorreiter.

Weitere Skandale möglich

Dennoch hat die Liga ganz offensichtlich ein Problem. Nicht auf dem Feld, sondern in den Front Offices der Teams.

Möglicherweise war die Affäre um Sterling nur die Spitze des Eisbergs, weitere Skandale sind nicht auszuschließen.

Silver mit neuem Kurs

Das liegt auch an Commisioner Silver, der offenbar einen deutlich härteren Kurs gegenüber den Teambesitzern fährt, als sein Vorgänger David Stern.

Stern, der 30 Jahre lang die Geschicke der NBA leitete und erst im Februar sein Amt niedergelegt hatte, stand eher auf der Seite der Bosse. Wenn er mit einer Partei im Clinch lag, dann zumeist, wie in den Lockout-Jahren 1998/99 und 2011/2012, mit den Spielern.

Auch als Clippers-Boss Sterling vor einigen Jahren schon mit abfälligen Aussagen gegenüber lateinamerikanischen Mietern seiner Appartments auffiel, hielt sich Stern merklich zurück.

Fortbildungen für die Teambesitzer

Dass soll nun unter Silver anders werden.

Im Zuge der neuesten Enthüllungen erklärte er daher noch einmal, dass "die NBA seit langem eine Anti-Belästigungs- und Anti-Diskriminierungs-Politik eingeführt" hat, um "respektvolle und vielfältige Arbeitsplätze zu fördern.

Zu Beginn des Sommers hat die Liga ihre Bemühungen noch einmal verstärkt, indem sie für alle Liga- und Teamangestellten verpflichtende, jährliche Fortbildungen zu dieser Thematik eingeführt hat."

Offenbar sind diese auch zwingend notwendig.

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