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Dirk Nowitzki
Der Kinofilm "Nowitzki. Der perfekte Wurf" kommt am 18. September in die deutschen Kinos. © Sport1

Am 18. September läuft "Nowitzki. Der perfekte Wurf" in den deutschen Kinos an. SPORT1 blickt schon vorab auf den Streifen.

Von Holger Luhmann

Es gibt eine Szene, da wird Dirk Nowitzki auf die Daseinsform eines Strichmännchens auf einem Bildschirm reduziert.

Holger Geschwindner, Nowitzkis Entdecker, Trainer und Mentor, bastelt am Computer mit Hilfe von Winkeln und balistischen Berechnungen am perfekten Wurf.

Die Sequenz gibt dem Kinofilm "Nowitzki. Der perfekte Wurf" seinem Namen.

Geschwindner, der Kapitän der deutschen Olympia-Basketballer 1972 in München, der Physiker und ehemalige Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts, ist der Theoretiker.

Fesselnde Collage

Nowitzki ist es, der dem Strichmännchen auf dem Bildschirm Leben einhaucht. Mit seinen sportlichen Leistungen. Aber vor allem als Mensch.

Und es ist die Stärke des Films, die Kunst von Regisseur Sebastian Dehnhardt, diesem fleischgewordenen, 2,13 Meter großen Strichmännchen Nowitzki ein bisschen in die Seele blicken zu können.

"Nowitzki. Der perfekte Wurf" ist nicht einfach nur die Geschichte des erstaunlichen Aufstiegs von einer Schulturnhalle in der süddeutschen Provinz bis an die Weltspitze des Basketballs. Der Film erlaubt einen Blick hinter die Fassade des ausgeleuchteten Superstars.

Dehnhardt, der bereits "Klitschko" in die Kinos brachte und für "Das Wunder von Bern - Die wahre Geschichte" mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, setzt auf eine Collage.

Nowitzkis Familie und Ehefrau Jessica kommt ebenso zu Wort wie Mavericks-Eigentümer Mark Cuban oder Rivale Kobe Bryant. Und natürlich Nowitzki selbst. Dazwischen gibt es Szenen aus der NBA, die Kamera wie hautnah mit auf dem Feld, die Härte, die Emotionen und die Magie des Spiels einfangend.

Dieser Mix funktioniert. Er fesselt.

Obama tadelt den "schrägen" Sänger

Wenn Geschwinder Nowitzki zu Jazz-Klängen trainieren lässt, weil er Parallelen zwischen der Musik und Baskeball sieht.

Wenn die Mitspieler den ehrgeizigen Nowitzki als "Turnhallen-Ratte" bezeichnen.

Wenn Dirks Mutter, einst selbst erfolgreiche Basketballerin erzählt, wie ihr Dirk nach dem Wechsel nach Dallas auf sich alleine gestellt war und er sie zum Einkaufen noch heute um Geld fragt.

Wenn Nowitzkis Vater, früher Handballer, erzählt, er sei stolz auf seinen Sohn - "als Mensch, nicht als Basketballer".

Wenn Altkanzler Helmut Schmidt ihm den Rat gibt, er solle doch daran denken, nebenbei ein bisschen zu studieren.

Oder US-Präsident Barack Obama ihn nach dem NBA-Titel 2011 tadelt, seine Vorführung von "We are the champions" sei das “Schrägste, was je geht” gewesen.

Zwei Jahre Dreharbeiten

Zwei Jahre hat Dehnhardt mit seinem Team gedreht. Immer nah dran. Und doch nicht aufdringlich.

"Sie haben es geschafft, dass ich die Kamera teilweise vergessen habe", hat Nowitzki zuletzt auf einem Pressetermin in Frankfurt erzählt.

Das ist eines der Erfolgsgeheimnisse des Films.

Sonst hätte sich der große Blonde mit dem perfekten Wurf nicht so öffnen können.

Premiere in Köln

Dass überhaupt eine Dokumentation über ihn gedreht wurde, findet Nowitzki gewöhnungsbedürftig. "Ich bin relativ gut darin, einen Ball in ein Körbchen zu werfen. Aber sonst finde ich mein Leben nicht sonderlich interessant."

Interessant genug für die Zuschauer ist der Film allemal.

Nowitzki wird ihn sich erst bei der Premiere am 16. September in Köln - zwei Tage vor dem bundesweiten Kinostart - anschauen. "Zusammen mit den Fans", wie er sagt. Er finde es schon schwierig genug, einen Film über sich und seine Karriere anzuschauen. Das müsse er sich nicht zweimal antun.

Doch es lohnt sich.

Abseits des Glamours

Irgendwann mitten im Film schlendert Nowitzki durch die Katakomben der Mavericks-Geschäftsstelle.

Wie in einer großen Halle mit Trennwänden sitzen dort die Mitarbeiter des Klubs, die guten Seelen.

Vom Glamour der Sporttempel ist an diesem Ort nichts zu spüren. Aber hier schlägt das Herz.

Nowitzki begrüßt zwei Mädchen.

"Lernt ihr auch fleißig für die Schule?", fragt er.

Die Mädchen kichern verlegen. Er nimmt sie auf den Schoß und lässt einen Schnappschuss machen.

Man merkt: In diesem Moment fühlt sich Nowitzki wohl. Er ist eins mit sich selbst. Und der Zuschauer ist ihm nah.

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