Aus Berlin berichtet Michael Spandern

Berlin - Auch wenn es die erste eines NBA-Teams gegen einen Bundesligisten war: eine Niederlage in einem Vorbereitungsspiel nimmt Tony Parker das Lächeln nicht.

"Gefreut wie ein Kind" habe er sich, nach einem Sommer ohne Basketball endlich wieder zu spielen. Doch als er in die Analyse des 93:94 (Bericht) ging, das seine San Antonio Spurs bei ALBA Berlin kassiert hatten, stieß Europas just gekürtem Spieler des Jahres 2013 die Schlemmer-Lust der NBA-Champions doch übel auf:

"Wir haben großartige Restaurants besucht und haben gefeiert. Offensichtlich war das nicht die beste Vorbereitung", merkte Parker an, während sein Coach Gregg Popovich in der Pressekonferenz noch Essen und Wein in Berlin lobte (

).

"In den Hintern getreten"

Popovich, in der vergangenen Saison abermals zum Trainer des Jahres gewählt, gilt als kulinarisch bewandert. Und ist mit seinen 65 Jahren, 18 davon bei den Spurs, auch erfahren genug, im ersten Spiel nach San Antonios Meisterstück gegen die Miami Heat im Juni keine spielerischen Delikatessen zu erwarten.

Dennoch ärgerte er sich bereits während der Partie über den unkonzentrierten Auftritt der Spurs, der Sekunden vor Schluss in Tim Duncans Fehlpass und Jamel McLeans umjubelten Siegtreffer für Berlin mündete.

"Sie haben alles gegeben. Wir wollten gewinnen, aber sie haben uns in den Hintern getreten", sagte Popovich (Hier können Sie den kompletten Krimi im Re-Live sehen).

Marathon für Duncan und Parker

Tatsächlich hatte er seine Stars keineswegs geschont, Finals-MVP Kawhi Leonard über 29 Minuten aufs Parkett geschickt, Parker fast 35 und den 38-Jährigen Duncan mit 32:40 so lange, dass dieser ungefragt erklärte: "Ich liebe es, viel zu spielen, wieder in einen Rhythmus und in Form zu kommen."

Allerdings wirkten die Spurs zeitweise, als seien sie zwischen Hauptspeise und Dessert zum Sporteln hochgescheucht worden.

"Wir sind erst vor drei Tagen wieder eingestiegen, alle sind noch ein wenig müde, haben Jetlag", entschuldigte Parker die Vorstellung.

Parker patzt von der Freiwurflinie

Er selbst legte mit 28 Punkten noch die mit Abstand beste Performance der Texaner hin. Dann aber verließen ihn 14 Sekunden vor Schluss die Nerven, als er zwei Freiwürfe verfehlte.

Er wisse auch nicht, wann ihm das zuletzt passiert sei, antwortete der Spielmacher SPORT1. "Bis dahin hatte ich elf von elf getroffen. So etwas passiert, das ist Basketball. Die Basketball-Götter waren für Berlin." An Lady Gaga, die das Spektakel in der ersten Reihe verfolgte, habe es nicht gelegen.

Duncan freut sich für ALBA 

Grämen aber wollte auch er sich nicht: "Deswegen habe ich keine schlaflosen Nächte. Wir müssen weiter hart arbeiten, bis zum 28. Oktober, wenn es dann zählt."

Zum ersten Spiel der regulären Saison treten Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks in San Antonio an. "Bis dahin liegt noch ein weiter Weg vor uns", meint Parker.

Weitaus kürzer fasste sich Duncan: "Ein Turnover von uns und ein guter Wurf von ihnen. Nicht viel mehr", resümierte der 14-malige All-Star das Spielende gewohnt lakonisch. "Für ALBA war es ein guter Sieg, ich freue mich für sie."

"Wir geben niemals auf"

Das taten die Albatrosse, obgleich um Bodenhaftung bemüht, schon selbst. "Zu krass", war der erste Kommentar von Kapitän Alex King. "Natürlich ist ein Traum in Erfüllung gegangen."

Dass sich ALBA nach einem 6:22-Rückstand doch noch in die Partie biss, "zeigt unseren Charakter. Wir sind eine Mannschaft, die immer weiterkämpft. Egal wie es steht, wir geben niemals auf", betonte King gegenüber SPORT1.

Auch Akeem Vargas verkörperte die Intensität, mit der ALBA den Spurs letztlich beikam. Gleich bei seiner ersten Aktion brachte er Manu Ginobili mit einem leichten Schubser aus der Balance. Den Olympiasieger von 2004 und zweimaligen NBA All-Star, der einst sein Idol war.

Kein Trikottausch mit Ginobili

"Jeder weiß, dass ich ein aggressiver Spieler bin. Das ist meine Art, zu spielen, egal, wer mein Gegner ist, auch wenn es Manu Ginobili ist", sagte er SPORT1.

Der Trikottausch scheiterte jedoch aus anderem Grund: "Ich habe mich direkt nach dem Spiel nicht getraut, zu fragen", gestand der deutsche Nationalspieler. "Ich hatte gehofft, ihn noch einmal in den Katakomben zu treffen."

Bonn und Ulm für Obradovic wichtiger

Die aber jetteten rasch weiter nach Istanbul, wo es am Samstag gegen Fenerbahce Ülker geht und dem Vernehmen nach auch gutes Essen gibt.

Und die Albatrosse? "Wir müssen auf dem Boden bleiben und die Leistung am Freitag [in Bonn] und Sonntag [gegen Ulm] wiederholen", forderte Head Coach Sasa Obradovic. "Tatsächlich ist das für uns wichtiger."

Mit seinem Trainerstab, so berichtete es Vargas aus der Kabine, wollte er den historischen Sieg jedoch auskosten. "Lasst uns einen Drink nehmen - aber nur die Coaches."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel