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Derrick Rose war 2008 der First Pick der NBA

München - Nach zwei verlorenen Jahren will der Superstar seine Bulls zum Spielverderber für LeBron James aufbauen. Zweifel bleiben.

Diesen Luxus hat nicht jeder.

Nach nur zehn NBA-Spielen in zwei Jahren durfte Derrick Rose die WM in Spanien als sein persönliches Luxus-Rehaprogramm nutzen und sich auch noch eine Goldmedaille abholen.

Verantwortliche und Fans der Chicago Bulls waren begeistert vom Aufblitzen der alten Dynamik und gleichzeitig angespannt, weil kaum Fortschritte beim Wurf oder seinen Entscheidungen auf dem Court zu sehen waren.

Natürlich braucht der ehemalige MVP noch Zeit, die Bulls werden in der umgekrempelten Eastern Conference aber nur so weit kommen, wie Rose sie führt. (Alles zur NBA auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr "Inside US Sports")

"Ich glaube fest daran, dass es mein Schicksal ist, dieses Team ganz nach oben zu führen. Dafür arbeite ich jeden Tag. Das lange Warten hat mich nur noch zielstrebiger gemacht", verspricht Rose.

Der mittlerweile 26-Jährige will sich nach zwei schweren Knieverletzungen wieder ins Rampenlicht kämpfen und sein Schicksal als Michael Jordans Erbe beim sechsmaligen Champion erfüllen.

Rückblende ins Jahr 2008: Chicago ist nach dem Draft des Lokalhelden wieder im Basketball-Fieber, wie seit Jordans zweitem Rücktritt nicht mehr. Drei Jahre später ist D-Rose der jüngste MVP der Historie.

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"Ein solcher Spieler kommt nur alle 20 Jahre in die Liga", sagte damals Lakers-Legende Magic Johnson. Einen solch dynamischen Point Guard hatte es vielleicht nie zuvor gegeben.

Mit dem jungen Kern um Rose, Joakim Noah oder Taj Gibson erschien die Zukunft in der "Windy City" im strahlenden Sonnenschein - bis zu jenem verflixten Tag im April 2012.

Rose riss sich im ersten Playoffspiel gegen Philadelphia das Kreuzband. Es folgten eine lange Leidenszeit, das Gezerre um sein Comeback und die Meniskusverletzung in der vergangenen Saison.

"Das lässt sich nicht mehr ändern. Derrick ist sicher ein anderer, reiferer Mensch geworden. Auch als Spieler muss er sich nun weiterentwickeln. Er nimmt diese Herausforderung an", sagt Coach Tom Thibodeau.

"Thibs" ist einer der wenigen Menschen, die der fast medienscheue, introvertierte Superstar wirklich an sich heran lässt. Folgerichtig war er auch in Spanien im Trainerstab dabei, nicht zuletzt um seinem Schlüsselspieler tagtäglich zur Seite zu stehen.

Sie arbeiten daran, aus Rose einen Spielmacher auf All-Star-Niveau zu machen, der nicht nur seine alten Scorer-Moves einbringt, sondern auch den Rest des Teams besser macht. Zudem sieht sein Distanzwurf in der Trainingshalle deutlich verbessert aus. Umsetzen muss es Rose nun im Spiel.

"Ich habe viel am Dreier gearbeitet. In der Vorbereitung läuft es ganz gut. Ich denke, ich kann mich als Spieler noch einmal neu erfinden", verspricht der Rookie des Jahres 2009.

Wenn das klappt, zählen die Bulls im Osten zu den Finals-Anwärtern. Denn die Neuzugänge Pau Gasol, der den ungeliebten, verdammt teuren und oft ineffizienten Carlos Boozer ersetzt, und Nikola Mirotic versprechen eine Qualitätssteigerung.

Mirotic kommt als Euro-Star von Real Madrid in die NBA und ergänzt eine talentierte Truppe mit Noah, Gibson sowie Jimmy Butler oder dem neuen Ersatzspielmacher Aaron Brooks.

Mit Mirotic (2013/14: 46 Prozent Dreierquote) und Mike Dunleavy gibt es nun zwei gute Schützen, die Defense unter Thibodeau dürfte solide bleiben - Rose bleibt als X-Faktor dennoch der Schlüssel.

Das Beben, das die Rückkehr des LeBron James nach Cleveland ausgelöst hat, macht die zudem mit Kevin Love verstärkten Cavaliers zum Favoriten und die Miami Heat zu einem nicht mehr als soliden Playoff-Anwärter.

Außerdem werden die Indiana Pacers an Paul Georges Horror-Beinbruch zu knabbern haben. Die Washington Wizards sind talentiert, aber noch zu jung. Brooklyn und die New York Knicks sind chaotische Anhäufungen von einst großen Namen mit vielen Fragezeichen.

Chicago hat die besten Chancen, James' fünfte Finalteilnahme in Folge zu verhindern. Dafür muss Rose aus seinem Fragezeichen ein Ausrufezeichen machen - dann würde er tatsächlich sein Schicksal erfüllen.

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