München - Kobe Bryant überholt Michael Jordan in der ewigen Scorerliste. Trotzdem bleibt das Idol in vielen Punkten unerreichbar.

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Motivation kann durch viele Faktoren geweckt werden.

Der eigene Erfolg, Geld und natürlich die Meriten anderer Sportler.

Bei Ausnahmeathleten ist es wahrscheinlich eine Kombination aus allen drei Punkten.

Denn nur so ist wohl der unbändige Drang zur Höchstleistungen, der unnachgiebige Eifer im Training und der gnadenlose Fokus auf den Job zu erklären.

Kobe Bryant ist so ein Vertreter dieser Spezies, Michael Jordan war es - und ist es beim Golfen ziemlich sicher immer noch (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Der Lakers-Superstar und die Legende der Chicago Bulls werden seit 19 Jahren verglichen, seit Kobe Bryant zum ersten Mal in seinem Leben ein NBA-Parkett betrat.

Duell der Alpha-Tiere

Bislang hatte "His Airness" Jordan im Duell der Alpha-Tiere in allen wichtigen Kategorien die Nase vorne: Mehr Punkte erzielt, mehr Titel gewonnen, mehr MVP-Titel und natürlich eine College-Meisterschaft.

Zumindest in einem Punkt tritt Kobe jetzt aus Jordans Schatten, in dem er Zeit seiner Karriere nie stehen wollte, es dennoch aber immer tat - und bis heute als Treibstoff für seinen Motor dient.

Gegen Minnesota erzielte Bryant 26 Punkte und überholte mit nun 32.310 Zählern MJ (32.291) auf Platz drei der ewigen Scorer-Liste der NBA.

James gratuliert

"Ich fühle mich sehr geehrt, immer noch auf dem Feld zu stehen", sagte Bryant dazu: "Ich liebe meinen Job, aber es hat sich keinen Tag in meinem Leben nach Arbeit angefühlt."

Nach dem entscheidenden Freiwurf zum 32.292 Punkt der Karriere hagelte es natürlich Glückwünsche ohne Ende - LeBron James, Seahawks-Quarterback Russell Wilson und viele weitere Sportgrößen gratulierten (Alles zur NBA auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr "Inside US Sports").

Auch ein Ex-Laker nahm das Smartphone zur Hand und schickte via Twitter einen Gruß an Kobe.

"Das bedeutet mir am allermeisten. Der Respekt der ehemaligen Spieler, ein Teil dieser Bruderschaft zu sein", freute sich die "Black Mamba" über Johnsons Einordnung, Bryant sei einer der fünf oder sechs besten Spieler, die jemals ein Lakers-Trikot getragen haben 

Apropos Ehemalige, auch "MJ" gab ein Statement zu Kobes Rekord ab.

Trocken, nicht zu herzlich – ein klassischer Jordan eben.

Für einen Mann, der bei seiner Dankesrede in der Hall of Fame alle ehemaligen Kontrahenten und unliebsamen Ex-Trainer in Grund und Boden schimpfte, hatten diese Zeilen sogar fast etwas Zärtliches.

Denn bei aller Rivalität war Jordan auch so etwas wie ein Mentor für Kobe, der sich nicht nur den Arbeitseifer von MJ abgeschaut hat.

Bewegungsabläufe Jordans einstudiert

Viele Bewegungen auf dem Feld sehen bei beiden Stars sehr ähnlich aus, die Anforderungen an die Kollegen sind und waren gnadenlos, die Wutausbrüche legendär.

Das erste echte Duell sollte es bei Bryants erstem All-Star-Game 1998 in New York geben.

Als jüngster All-Star aller Zeiten forderte der Lakers-Grünschnabel den damals fünfmaligen NBA-Champion heraus und bekam eine Lehrstunde.

Jordan, der mit 23 Punkten, acht Assists und sechs Rebounds MVP wurde, erinnert sich gerne an dieses Spiel: "Er hat sehr früh im Spiel los gelegt. Er hat attackiert. Ich hätte es genauso gemacht, wenn mein Gegner irgendeine Schwäche gezeigt hätte."

Jordan, der Einschüchterer

Dieses Feuer, diese Gnadenlosigkeit sorgte schnell für eine Vertrautheit, die nur wenigen Menschen im Umfeld Jordans zu teil wurden.

"Als ich in die Liga kam, hatten alle Angst vor MJ. Und ich meine wirkliche Todesangst", erinnert sich Kobe: "Ich hatte dieses Gefühl nie. Mich motivierte seine Art. Wir waren vom gleichen Schlag. Wir forderten alles und jeden heraus."

Bryant in seinem 19. Profijahr, Jordan seit 2003 im Ruhestand und doch stellt sich immer noch die alte Frage: Ist Kobe endlich aus Jordans Schatten getreten?

Wie schon in den Jahren zuvor muss die Antwort weiterhin mit Nein beantwortet werden.

Denn Punkterekorde hin oder her, das ultimative Maß sind Meisterschaften.

Jordan holte sechs Titel mit den Chicago Bulls - und er gewann sie als Anführer des Teams.

Jackson hat das letzte Wort

Kobe kommt zum einen nur auf fünf Ringe, und zum anderen sicherte er sich drei davon als "Sidekick" von Shaquille O'Neal.

Hinzu kommt, dass Jordan seine 32.291 Punkte in nur 13 Jahren ablieferte, fünf MVP-Titel mehr vorweisen kann und zehn statt zwei Scoring-Titel abräumte.

Letztlich ist es immer schwer, zwei solche Ausnahmeathleten aus zwei unterschiedlichen NBA-Epochen zu vergleichen und ein faires Urteil zu treffen.

Und vielleicht sollte man deshalb einem Mann das letzte Wort überlassen, der beide Spieler wahrscheinlich besser kennt, als jeder andere: Phil Jackson.

Mit elf Meisterschaften der erfolgreichste Trainer der NBA, fällte der "Herr der Ringe" ein deutliches Urteil.

"Jordan war der bessere Anführer, ein härterer und beängstigenderer Verteidiger und er verpokerte sich im Vergleich zu Bryant nie."

Nie um ein klares Wort verlegen, räumt Jackson aber auch ein: "Jordan hat gesagt, dass Kobe der einzige Spieler ist, den man mit ihm vergleichen kann - und ich muss im zustimmen."

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