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© Getty Images

München - Björn Werner spricht vor dem Auftakt bei SPORT1 über den Super Bowl, die deutsche Welle im US-Sport und Luck im DFB-Trikot.

Umschulung auf eine neue Position, Verletzung in der Saison - und doch war die erste NFL-Saison des Björn Werner ein voller Erfolg.

Der 24-Jährige lieferte in seiner Rookie-Saison 13 Spiele für die Indianapolis Colts ab und schlug sich als Neu-Linebacker mit 2,5 Sacks gar nicht mal so schlecht.

Mehr Verantwortung im zweiten Jahr

In seinem zweiten Jahr wird Werner nun deutlich mehr Verantwortung übernehmen müssen.

Mentor Robert Mathis fehlt die ersten vier Spiele aufgrund eines Dopingvergehens und befördert Werner in die Startformation.

Im SPORT1-Interview spricht Werner über den Super Bowl, die deutsche Welle im US-Sport, die Rolle als Dirk Nowitzki der NFL, den Auftaktkracher und Fußball-Gucken mit Andrew Luck.

SPORT1: Herr Werner, die lange Vorbereitung ist geschafft. Wie groß ist die Vorfreude auf die neue Saison?

Björn Werner: Die ist sehr groß! Trainingscamp und Preseason sind ein harter Kampf. Jetzt ist jedes Spiel wichtig. Das Fieber ist endlich wieder da, ohne Football war es richtig langweilig.

SPORT1: Sind Sie im zweiten Jahre jetzt lockerer oder ist die Anspannung größer, weil Sie Robert Mathis als Starter ersetzen müssen?

Werner: Es ging viel, viel leichter - vor allem mental. Du weißt jetzt, wie alles abläuft. Robert war schon im letzten Jahr ein Mentor für mich. Er spielt seit zwölf Jahren in der NFL, ich erst seit sieben Jahren Football. Das hilft unglaublich. Ich versuche, alles aufzusaugen.

SPORT1: Ihre Spezialität ist die Jagd auf den Quarterback, aber die Coaches wollten sehen, dass Sie sich gegen den Lauf und beim Tackling verbessern. Wie sehen Sie ihre Fortschritte?

Werner: Es läuft. Ich habe hart gearbeitet und hatte eine gute Vorbereitung. Das alles muss ich aber zeigen, wenn es darauf ankommt. Am Ende des Tages muss ich den Coaches die Entscheidung leicht machen. Sie müssen ein gutes Gefühl haben, wenn sie mich auf das Feld schicken. Ich darf nicht das schwächste Glied der Kette sein.

SPORT1: Markus Kuhn hat bei SPORT1 gesagt, er hat zehn Pfund zugelegt. Damit fühlt er sich als Defensive Tackle noch dynamisch genug. Haben Sie für sich die richtige Balance als NFL-Linebacker gefunden?

Werner: Bei mir war es andersherum. Ich habe ein paar Pfund abgenommen, um jetzt auch mehr Spielzüge ohne Pause durchzustehen. Ich fühle mich jetzt viel explosiver. Das Ziel ist, von Jahr zu Jahr besser zu werden. Ich glaube, das ist mir gelungen. In der Preseason habe ich gemerkt, dass ich jetzt jedes Tempo mitgehen kann.

SPORT1: In der Preseason hatte Kuhn im deutschen Duell die Nase vorn. Am 9. Spieltag kommt es Monday Night zum Wiedersehen. Haben Sie beim Spiel kurz gesprochen?

Werner: Ja, es ist immer schön zu sehen, dass sich die anderen Deutschen auch gut machen. Markus ist ein super Typ. Über die Jahre sind wir richtig gute Freunde geworden. Wir haben ja schon am College jedes Jahr gegeneinander gespielt. Sie haben jetzt gewonnen, aber in der regulären Saison gibt es die Revanche (lacht).

SPORT1: Es gibt mit Kasim Edebali nun vier Deutsche in der NFL, Dennis Schröder und Dirk Nowitzki in der NBA, Donald Lutz in der MLB und mit Leon Draisaitl stößt ein Supertalent in die NHL vor. Ist US-Sport in Deutschland so angesagt wie nie zuvor?

Werner: Ich glaube schon. Es kommen immer mehr Deutsche rüber. Das wird in den nächsten zehn Jahren Normalität werden. Dann wird es in jeder Liga eine Handvoll Jungs geben. Ich hoffe, dass Football auch in Deutschland größer wird und die großen Talente, die da sind, besser gefördert werden und an die Colleges kommen.

SPORT1: In der NFL fokussiert sich viel auf Sie, weil kein Deutscher je höher gedraftet wurde. Können Sie der "Football-Nowitzki" werden und einen ähnlichen Hype auslösen? Ist das ein Ziel?

Werner: Natürlich! Das kannst du aber nicht planen. Dirk Nowitzki hat eine spektakuläre NBA-Karriere hingelegt, ist einer der besten Spieler aller Zeiten. Der Rest kommt dann von allein. Ich habe meine Pläne, muss aber erst einmal eine super Karriere hinlegen.

SPORT1: Dazu gehört Teamerfolg. Viele Experten sehen die Colts als größten Konkurrenten der Denver Broncos in der AFC. Ist die Zeit reif für den Super Bowl?

Werner: Auf jeden Fall. Wir alle glauben daran. Die Playoffs sind nicht mehr gut genug. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir es packen.

SPORT1: Am Sonntag geht es gleich nach Denver. Ist es nur eines von 16 Spielen oder besonders wichtig?

Werner: Es ist das nächste Spiel und deshalb wichtig. Sunday Night Football gegen die Broncos wird gleich ein super Knaller. Wenn du der Beste sein willst, musst du die Besten schlagen.

SPORT1: Es wird natürlich wieder das große Duell Andrew Luck gegen Peyton Manning. Sie kennen Luck sehr gut. Wie geht er mit dem ständigen Vergleich um?

Werner: Würdest du ihn kennen, würdest du denken, der Typ spürt so etwas gar nicht. Für uns als Teamkollegen ist es unglaublich, wie locker er mit diesem gewaltigen Druck umgeht. Ihm ist das alles egal, er zeigt keine Schwächen. Er will nur sein Team zum Sieg führen - das macht ihn so besonders.

SPORT1: Luck ist ein großer Fußball-Fan. Gab es nach der WM Trash Talk?

Werner: Ein bisschen (lacht). Das erste Spiel gegen Portugal haben wir zusammengeschaut, da hatte er noch ein Deutschland-Trikot an. Dann war er natürlich für die USA, aber als sie raus waren, hat er gesagt, Deutschland ist sein zweites Team.

SPORT1: Im Fokus steht auch Neuling Johnny Manziel. Michael Sam hat nach einem Sack in der Preseason seine "Money Geste" gezeigt. Sie spielen im Dezember gegen die Browns. Haben Sie schon geübt?

Werner: Nein, das ist nicht so mein Ding. Johnny Manziel ist für mich ein Quarterback wie jeder andere. Wenn er bis dahin Starter wird, könnte es lustig werden. Jetzt zählen erst einmal die Broncos, frag mich im Dezember noch einmal.

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