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Moritz Böhringer, Björn Werner und Sebastian Vollmer (v.l.) starten in die neue NFL-Saison © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/Imago/Getty Images

München - Die NFL-Teams starten in die heiße Phase der Vorbereitung auf die kommende Saison. SPORT1 checkt die Chancen der sechs Deutschen auf einen Platz im Kader.

Endlich wieder Football.

Die NFL-Teams starten in dieser Woche in die Vorbereitung auf die neue Saison, die am 9. September beginnt (DATEN: Der NFL-Spielplan). Das heißt auch, für die sechs Deutschen wird es nun ernst.

Wohl nur Ex-Super-Bowl-Champion Sebastian Vollmer und Kasim Edebali haben ihren Platz sicher, das Quartett Markus Kuhn, Björn Werner, Mark Nzeocha und Rookie Moritz Böhringer muss um Kaderplatz und Job kämpfen.

SPORT1 bewertet die Situation der deutschen Profis.

- Sebastian Vollmer (Offensive Tackle, New England Patriots)

© Getty Images

Ausgangslage:

Die Patriots scheiterten nicht zuletzt wegen großer Probleme mit der Offensive Line im AFC-Finale am späteren Meister Denver. Vollmer musste auf der ungewohnten linken Seite aushelfen und tat sich schwer. 2016 kehrt der inzwischen 31-Jährige auf seine angestammte rechte Seite zurück, darf aber in den ersten vier Spielen nicht den gesperrten Superstar Tom Brady beschützen. Auch für Vollmer persönlich ist es ein wichtiges Jahr: nach der Saison endet sein Vertrag.

Konkurrenz:

Ebenso wie Left Tackle Nate Solder ist Vollmer als Starter unumstritten. Die Backups Marcus Cannon, LaAdrian Waddle oder Cameron Fleming sind keine Gefahr. Vor allem Cannon konnte seine Chance 2015 nicht nutzen.

SPORT1-Einschätzung:

Vollmer ist ein ganz wichtiges Puzzleteil, wenn die Pats wieder in den Super Bowl wollen. Der Leistungsträger wird zu Beginn ohne Brady noch wichtiger.

- Markus Kuhn (Defensive Tackle, New England Patriots)

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Ausgangslage:

Nach vier Jahren und dem historischen ersten deutschen NFL-Touchdown im Trikot der New York Giants unterschrieb Kuhn im April bei den Patriots. Im Dezember beendete eine Knieverletzung seine Saison 2015, in New England muss sich der frühere Siebtrunden-Draftpick einen Kaderplatz erkämpfen.

Konkurrenz:

Auch bei den Giants attestierte ihm kaum jemand eine realistische Chance auf einen der 53 Plätze im Aufgebot, aber bereits in Woche 6 seines Rookie-Jahres startete er. Bei den Pats muss sich der 30-Jährige aber auf einen beinharten Kampf einstellen. Die Starter Malcom Brown und Alan Branch sind fix, ebenso wie Neuzugang-Schwergewicht Terrance Knighton. Dahinter muss sich Kuhn als Spezialist für Lauf-Verteidigung gegen Rookie Vincent Valentine, Joe Vellano und Anthony Johnson durchsetzen - allesamt jünger.

SPORT1-Einschätzung:

Es wird eine ganz schwere Aufgabe für Kuhn. Drittrunden-Draftpick Valentine dürfte einen Bonus haben, ihn muss der Deutsche deutlich in den Schatten stellen.

-  Björn Werner (Defensive End, Jacksonville Jaguars)

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Ausgangslage:

Für den ersten deutschen Erstrunden-Draftpick ging es bei den Colts in den vergangenen Jahren steil bergab, kaum Druck auf den Quarterback und viele verpasste Tackles degradierten ihn 2015 zum an Spieltagen meist inaktiven Zaungast. Die Entlassung war die logische Folge. In Jacksonville versucht er in einem anderen Defensivsystem einen Neustart mit einem Einjahresvertrag.

Konkurrenz:

Das Risiko für die Jags ist gering, die Kontrahenten zahlreich. Falls es Werner in den Kader schafft, kassiert er einen Bonus von 80.000 Dollar. Auf Linebacker tendieren seine Chancen mit Myles Jack, Telvin Smith, Dan Skuta, Hayes Pullard oder Jordan Tripp gegen Null. Er braucht Verletzungen von Defensive Ends wie Chris Smith, Jared Odrick oder Ryan Davis, um es zu schaffen.

SPORT1-Einschätzung:

Es wäre eine Überraschung, würde Werner am 1. Spieltag für Jacksonville auflaufen.

-  Kasim Edebali (Defensive End, New Orleans Saints)

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Ausgangslage:

Der 26-jährige Hamburger hat sich 2014 seinen Platz im Team der Saints erkämpft, obwohl er nicht gedraftet worden war. Die Coaches schätzen seine Explosivität bei der Jagd auf Quarterbacks. In der vergangenen Saison steigerte er sich auf fünf Sacks und bekam immer mehr Spielzeit bei Passsituationen des Gegners.

Konkurrenz:

Edebali ist im Kader gesetzt, auf der sogenannten Weak Side kämpft er um den Starterposten als bester Quarterback-Jäger. Die Verletzung von Hau'oli Kikaha spielt ihm dabei in die Hände. In der Vorbereitung muss er sich "nur" gegen die jungen Obum Gwacham, D.J. Pettway  und Davis Tull durchsetzen.

SPORT1-Einschätzung:

Es ist eine große Chance für den Deutschen, sich als NFL-Starter zu etablieren. Die Kontrahenten sind überschaubar. Edebali winkt der Durchbruch.

- Mark Nzeocha (Outside Linebacker, Dallas Cowboys)

© dpa Picture-Alliance

Ausgangslage:

Im vergangenen Jahr wurde Mark Nzeocha trotz eines am College in Wyoming erlittenen Kreuzbandrisses von den Cowboys in der siebten Runde verpflichtet. Der 26-Jährige mit nigerianischen Wurzeln musste bis zum November auf sein NFL-Debüt warten, bekam aber immerhin noch zwei Einsätze.

Konkurrenz:

Dallas wird sechs bis sieben Linebacker behalten. Die Starter Sean Lee, Anthony Hitchens und Andrew Gachkar sind klar. Die Zehn-Spiele-Sperre für Rolando McClain öffnet Nzeocha die Tür. Top-Pick Jaylon Smith ist nicht einsatzfähig. Der Deutsche wird sich mit Kyle Wilber, Damien Wilson und einigen Jungen duellieren.

SPORT1-Einschätzung:

Aufgrund seiner athletischen Fähigkeiten und Vielseitigkeit stehen die Chancen für Nzeocha gut - wenn er in der Preseason zeigt, dass er ein Gewinn für die Special Teams ist.

- Moritz Böhringer (Wide Receiver, Minnesota Vikings)

© Imago

Ausgangslage:

Der Draft-Hype um den ersten deutschen Receiver war nicht nur in Deutschland gigantisch. Die NFL hat den 22-Jährigen ordentlich gepusht. Jetzt muss der Über-Athlet bei den Vikings zeigen, was er football-technisch drauf hat. Die Einheiten werden viel härter als das Rookie-Camp, bei dem Böhringer auch körperlich schon an seine Grenzen kam.

Konkurrenz:

Die Vikings werden voraussichtlich sechs Receiver in den Kader nehmen. Gesetzt sind Top-Draftpick Laquon Treadwell, Starter Stefon Diggs, Jairus Wright und Cordarrelle Patterson. "MoBo" müsste schon Adam Thielen oder Charles Johnson ausstechen.

SPORT1-Einschätzung:

Auf den 53er-Kader hat der Rookie keine Chance. Im besten Fall schafft Böhringer den Sprung auf die sogenannte Practice Squad und darf dann die gesamte Saison mit dem Team trainieren.

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