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Dallas Cowboys v Philadelphia Eagles
Tony Romo hat höchstwahrscheinlich sein letztes Spiel für die Dallas Cowboys bestritten © Getty Images

München - Trade, Entlassung, Trade oder doch Entlassung - die Dallas Cowboys drücken sich um die Entscheidung im Fall Tony Romo. Es geht auch um Eitelkeiten des Eigentümers.

Ein solches Ende hätte sich Tony Romo in Dallas wohl nicht träumen lassen.

Über Jahre war er der strahlende Sunnyboy der Football-Hauptstadt der USA, der Quarterback von America's Team und - trotz fehlender Playoff-Sternstunden - Liebling der Cowboys-Fans.

Doch im März 2017 ist er in Dallas zu einer Schachfigur in einem Spiel verkommen, das der gleichnamigen Kult-Seifenoper aus den 80er Jahren zu Ehre gereicht hätte.

Seit dem kometenhaften Aufstieg des jungen Quarterbacks Dak Prescott war klar, dass Romo 2017 nicht mehr mit dem Stern auf dem Helm spielen würde. Eine seinen Verdiensten würdige Trennung hätte der Teamrekordhalter nach Touchdown-Pässen und Passyards dennoch verdient.

Cowboys drücken sich um Romo-Entscheidung

Stattdessen rudern die Cowboys seit Wochen hin und zurück: Trade, kein Trade, Entlassung, doch wieder Trade, aber nicht zu einem Kontrahenten, oder doch Entlassung?

Trotz aller Beteuerungen, man wolle die bestmögliche Situation für den 36-Jährigen finden, entsteht der Eindruck, die Franchise spiele auf Zeit, um entweder verzweifelte Teams wie Houston auszuquetschen, oder zu warten, bis ein potenzieller Super-Bowl-Kontrahent wie Denver sich anders orientiert hat.

Der Strippenzieher im Stile des einstigen TV-Bösewichts J.R. Ewing ist der allmächtige Cowboys-Eigentümer Jerry Jones.

Wirtschaftliche Konkurrenz mit Houston Texans

In der vergangenen Woche hatte Jones seinem einstigen Heilsbringer noch einen Trade zugesichert, ehe die Texans ihren Megaflop Brock Osweiler nach Cleveland verschifften - und damit ein ganz heißer Romo-Anwärter wurden.

Neben der unternehmerischen Erwägung, für Romo noch einen Draftpick herauszuschlagen, spielt bei Jones' Kehrtwende auch seine Eitelkeit eine Rolle.

Nicht auszudenken, würde Romo beim Rivalen seine alte Form finden und damit eine Aufbruchsstimmung in der zweiten texanischen Mega-Metropole auslösen, die natürlich auch für die Cowboys wichtiger Werbe/TV-Markt und starke Fanbasis ist.

Was hat Romo noch drauf?

Natürlich bleiben an Romos Leistungsfähigkeit Zweifel, immerhin hat er seit eineinhalb Jahren kein NFL-Spiel mehr gestartet. Aber interessant ist er für gute Teams, denen ein Top-Quarterback fehlt, allemal.

Vier Pro Bowls und zwischen 2006 und 2014 nie ein schlechteres Quarterback-Rating als 90 - an solche Zahlen kommen andere Spielmacher auf dem sehr dünnen Markt 2017 nicht einmal ansatzweise heran.

Nicht umsonst zahlen die Chicago Bears einem Karriere-Backup Mike Glennon über 40 Millionen und hoffen auf sein Potenzial. Denn in der heutigen NFL läuft ohne guten Quarterback nichts.

Seit der außerirdischen Defense der Baltimore Ravens vor 17 Jahren um Ray Lewis gewann keine Mannschaft ohne einen Spitzen-Passer mehr einen Super Bowl, 2012 war Joe Flacco für jene Ravens zumindest in den Playoffs in Topform.

"Kalter Krieg" droht

Das wissen natürlich auch Jones und das Romo-Camp. Entsprechend pokern beide Seiten und halten sich öffentlich extrem bedeckt. Dennoch gärt es kurz vor der Scheidung der einstigen Traumehe. Romo verabschiedete sich via Twitter bereits von den Fans, schloss aber mit den Worten: "Wir werden sehen, was passiert."

"Tony will immer noch spielen. Es wäre allerdings extrem überraschend, sollten die Cowboys einen Trade-Partner finden. Sie werden ihn entlassen müssen. Die Frage ist nur wann", sagt NFL-Insider Adam Shefter bei ESPN.

Andere gutinformierte Quellen wie Pro Football Talk schreiben sogar von einem "Kalten Krieg", der zwischen Romo und dem fünfmaligen Super-Bowl-Champion ausbrechen könnte.

Wie lang hält Romo noch still?

Die Owner's Meetings in Arizona am Ende des Monats könnten eine Entscheidung bringen. Bis zum Draft Ende April wird Romo vermutlich nicht mehr still halten, sondern öffentlich Druck machen.

Romo würde nach Informationen aus seinem Umfeld offenbar die Broncos bevorzugen, um doch noch einmal eine Chance auf den Super Bowl zu haben.

Es steht noch kein Datum fest, aber Dallas gastiert in der Saison 2017 übrigens auch in Denver. Ein Showdown mit Romo würde die reale Seifenoper krönen.

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