Video

München - Statt zum großen NFL-Star führte Aaron Hernandez' Weg direkt ins Gefängnis. Das gescheiterte Mega-Talent ist der prominenteste Fall einer kriminellen College-Generation.

Aaron Hernandez war eines der vielversprechendsten Talente in der NFL, ihm stand eine blühende Zukunft bevor.

In seiner Rookie-Saison 2010 schaffte der Tight End auf Anhieb den Sprung in die Startformation der New England Patriots um Star-Quarterback Tom Brady, trieb sich mit seinem Rookie-Kollegen Rob Gronkowski gegenseitig zu Höchstleistungen, erreichte mit den Pats ein Jahr später den Super Bowl und wurde für den Pro Bowl nominiert.

Eine Bilderbuchkarriere im Raketentempo für den College-Star der Florida Gators - jedoch nur auf dem Footballfeld. Daneben hatte Hernandez schon damals längst die Kontrolle über sein Leben verloren.

Hernandez tief im Drogensumpf

Bereits zu College-Zeiten in Gainesville steckte Hernandez ganz tief im Drogensumpf und schloss vermeintliche Freundschaften, die ihn wohl endgültig vom richtigen Weg abbrachten.

Hernandez war nicht der einzige hochveranlagte Footballspieler, der sich an der University of Florida Ärger mit der Justiz einhandelte. Ganz im Gegenteil: Während die Gators in der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts sportlich alles dominierten, wurden ihre Spieler zu Stammgästen auf der Anklagebank.

Konkret: 41 Spieler, die zwischen 2005 und 2010 unter dem damaligen Coach Urban Meyer - heute Ohio State - unter anderem zwei Conference Championships und zwei Nationale Meisterschaften feierten, landeten während ihrer Zeit am College oder später im Gefängnis.

Cam Newton flog bei Florida raus

Das wohl bekannteste straffällige Super-Talent: Carolinas heutiger MVP-Quarterback Cam Newton. Im Jahr 2008 wurde er beschuldigt, den Laptop einer Kommilitonin gestohlen und diesen beim Eintreffen der Polizei aus dem Fenster geworfen zu haben.

Newton wurde damals von der Uni geworfen und musste ans eher bedeutungslose Blinn College in Texas wechseln, während sich seine ehemaligen Teamkollegen um Quarterback Tim Tebow die Meisterschaft sicherten.

Aber auch Hernandez, im Gators-Starensemble von 2008 absoluter Leistungsträger, war schon damals auffällig. 2007 vernahm ihn die Polizei wegen einer Schießerei, wenig später lieferte er sich eine Schlägerei in einem Restaurant. Seine Drogenprobleme wurden erst später bekannt.

Lebenslange Haft wegen Mordes

Doch bei solchen Delikten sollte es nicht bleiben. Während es für Hernandez in der NFL steil bergauf ging und er bei den Patriots eine Vertragsverlängerung über 40 Millionnen Dollar unterschrieb, erreichte auch seine kriminelle Karriere ihren grauenhaften "Höhepunkt".

AFC Championship - Baltimore Ravens v New England Patriots
Noch im AFC Championship Game 2013 zählte Aaron Hernandez zu den Leistungsträgern bei den New England Patriots - da soll er schon einen Doppelmord begangen haben © Getty Images

Im Sommer 2013 wurde der Shooting Star wegen Mordverdachts an einem entfernten Bekannten festgenommen. Der semi-professionelle Football-Spieler Odin Lloyd war mit der Schwester von Hernandez' heutiger Verlobter zusammen.

Obwohl Hernandez selbst die Vorwürfe bestritt und auf unschuldig plädierte, sah die Jury seine Schuld als erwiesen an. Das Urteil: Lebenslange Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Haftentlassung.

Doch damit nicht genug: Schon ein Jahr zuvor soll Hernandez einen Doppelmord begangen haben. Der Prozess dazu läuft aktuell und bringt reihenweise weitere dunkle Geheimnisse aus Hernandez' Vergangenheit ans Licht.

Nächster Prozess sorgt für Entsetzen

Als Kronzeugen hat die Staatsanwaltschaft Hernandez' ehemaligen Drogendealer aufgerufen, der den früheren Football-Star gleich doppelt beschuldigt. Der Dealer, einst Hernandez' bester Freund, bezeugte nicht nur den Doppelmord im Jahr 2012. Er erklärte auch erstmals öffentlich, dass Hernandez ihm Monate später nach einer Partynacht in den Kopf schoss und schwer verletzt zurück ließ.

Nur weil ihn Feldarbeiter fanden, überlebte der Zeuge, der aktuell selbst eine Haftstrafe wegen einer Schießerei absitzt, verlor aber ein Auge - und verzichtete nur auf eine Anzeige, weil er Selbstjustiz üben wollte. Noch in dieser Woche stehen die Schlussplädoyers an, die Beweislast ist überwältigend. Nur weil er in Massachusetts vor Gericht steht, muss Hernandez nicht mit der Todesstrafe rechnen.

Unvorstellbare und erschreckende Details aus einem gescheiterten Leben, das einst so vielversprechend schien.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel