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Bill Belichick (h.) setzt seit Jahren seinen Personal-Masterplan perfekt um und hält so das Team um Quarterback Tom Brady an der Spitze © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ Getty Images

München - Champion New England ist wieder cleverer, munitioniert fast zum Nulltarif auf und holt neue Waffen für Tom Brady. Die Liga staunt. SPORT1 erklärt den Masterplan.

Die Reichen werden noch reicher.

Die New England Patriots haben in der Free Agency der NFL losgelegt wie die Feuerwehr und damit im Rest der Liga für reichlich Aufregung gesorgt.

Denn dem Super-Bowl-Champ ist es nicht nur gelungen, sein Team entscheidend zu verstärken – für die hochkarätigen Neuzugänge musste die Franchise von Star-Quarterback Tom Brady auch kaum Talent abgeben. Die Marschroute in Foxboro ist klar: All-In für die letzten Jahre von Brady!

Der Architekt ist Bill Belichick, der als Coach NFL-untypisch auch das letzte Wort bei allen Personalien hat. Vor allem wie die wieder einmal clevereren Patriots es geschafft haben, hochkarätig nachzuladen, dürfte den Rest der NFL ärgern.

Neuer Top-Receiver für Tom Brady                                        

So musste New England im Trade für Receiver Brandin Cooks im Endeffekt lediglich seinen Erstrundenpick im kommenden Draft abgeben. Ein weiteres Auswahlrecht wanderte durch den Tausch mit den Saints nur um 15 Positionen nach hinten (Pick 118 statt 103).

Relativ wenig für einen Top-Receiver, der 2015 und 2016 insgesamt 17 Touchdowns gefangen hat und jeweils über 1.100 Yards verbuchte.

In diesem Zeitraum haben außer Cooks nur zwei Receiver über 1.000 Yards, 75 gefangene Pässe und acht Touchdowns verbucht: Odell Beckham jr. und Antonio Brown. Beide standen im Pro Bowl, Cooks noch nie. Mit seinem Speed verleiht er den Pats neben Julian Edelman und Rob Gronkowski eine weitere Dimension.

Um Brady das bestmögliche Waffenarsenal für seine letzten Jahre bereit zu stellen, brechen die Patriots sogar ihre eigenen ungeschriebenen Regeln.

Noch nie hat New England in der Belichick-Ära einen Erstrundenpick für einen Spieler geopfert - in Cooks investierte der Champion ihn gern.

Patriots ersetzen Bennett mit Allen

Auch auf der Tight-End-Position haben die Patriots blitzschnell einen potenten Ersatzmann für Martellus Bennett gefunden.

Für den zu den Green Bay Packers abgewanderten "Martellus Rex" soll künftig Dwayne Allen zusammen mit Gronkowski das zweiköpfige Monster bilden.

Allen steht bei Coach Belichick seit langem hoch im Kurs und kommt ebenfalls zum Schnäppchenpreis. Für den Tight End, der letzte Saison sechs Touchdowns gefangen hat, mussten die Patriots lediglich einen Viertrundenpick abgeben und erhielten im Gegenzug sogar noch Indianas Wahlrecht in Runde sechs.

Verstärkung auch in der Defensive

Doch auch in der Verteidigung haben die Patriots zugeschlagen.

Kony Ealy aus der gefürchteten Defense der Carolina Panthers eiste New England mit einem weiteren Draftpick-Tausch (2. Runde für 3. Runde) los. Der einstige Zweitrundenpick verbuchte letzte Saison fünf Quarterback-Sacks und fängt beim Champion den Abgang von Jabaal Sheard ab.

Top-Cornerback Stephon Gilmore wurde mit einem satten Angebot aus Buffalo weggelockt. Bei New England kassiert er über die kommenden fünf Jahre stolze 65 Millionen Dollar. Dadurch kann auch der Abgang Logan Ryans nach Tennessee verkraftet werden. Allerdings ist Gilmores Deal sehr teamfreundlich und kann nach zwei Jahren ohne größere Kosten aufgelöst werden. So bleiben die Pats extrem flexibel unter der Gehaltsobergrenze.

Der Belichick-Masterplan

Trotz der smarten Moves bleiben in New England noch zwei große Fragezeichen – die Super-Bowl-Helden Dont'a Hightower und Malcolm Butler.

Hightower (wichtiger Fumble beim Mega-Comeback im Februar) ist Free Agent und wird von den New York Jets heftig umworben. Bei Butler (Interception zum Titel gegen die Seahawks 2015), der nur Restricted Free Agent ist, haben die Pats die Zügel in der Hand.

Teil des Belichick-Masterplans war aber auch immer, Leistungsträger vor einem großen Zahltag ziehen zu lassen. Statt für zuvor erbrachte Leistungen auf Jahre zu zahlen, wird aus den eigenen Reihen oder mit Deals wie 2017 nachgeladen. Das ist der größte Unterschied zu den Mitbewerbern, die (alternde) Stars überbezahlen, nicht so gut draften oder Talente nicht gut genug entwickeln.

Zukunft? Wird später geregelt

Mit Bradys Ersatzmann Jimmy Garoppolo haben die Patriots sogar noch ein Ass im Ärmel: Auf dem dünnen Quarterback-Markt könnte der 25-Jährige noch einen weiteren Leistungsträger im Tausch einbringen.

Klar ist in jedem Fall: Solange Brady in New England die Bälle wirft, sind die Patriots komplett im "Win-now"-Modus. Die Zukunft? Wird später geregelt.

Die neu aquirierten Cooks und Ealy werden schon nächstes Jahr Free Agents, die Stars und Leistungsträger Edelman, Rob Ninkovich, Dion Lewis und James White ebenso.

Auf die Verantwortlichen kommt dann erneut eine geschäftige Offseason zu, aber das ist ja ihre Spezialität.

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