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Georg Grozer (r.) spielt beim russischen Topverein Lokomotiv Belgorod. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder der WM in Polen

Kattowitz - Deutschlands Volleyball-Star Georg Grozer will bei der WM in Polen Edelmetall. Einen dritter Hammerschorsch steht schon bereit.

Von der Weltmeisterschaft berichtet Lars Becker

Erst schmetterte er Deutschland mit seinen krachenden Aufschlägen ins WM-Halbfinale, dann saß er mit Tränen in den Augen auf dem Spielfeld.

Das sind die beiden Gesichter des deutschen Volleyball-Superstars Georg Grozer, der als "Hammerschorsch II." die WM verzückt, und am Samstag die Träume der Volleyball-Dynastie Grozer erfüllen will.

Nicht immer pflegeleicht

Schon sein Vater Georg "Hammerschorsch" Grozer war ein ähnlich gefürchteter Angreifer.

Wegen Differenzen mit dem damaligen Bundestrainer und Disziplinlosigkeiten brachte es der gebürtige Ungar aber nur auf 19 Länderspiele, große Erfolge blieben ihm verwehrt.

Sein Sohn hat aus den Fehlern gelernt und feiert einen großen Titel nach dem anderen. In diesem Jahr gewann er als Star beim russischen Topverein Belogorie Belgorod die europäische Champions League und die Klub-Weltmeisterschaft.

Und jetzt soll es bitteschön eine Medaille bei der Weltmeisterschaft sein.

"Das ist ein großer Traum von mir, und gewöhnlich erfülle ich mir meine Träume ganz gut", sagt Grozer vor dem Halbfinale am Samstag gegen Polen: "Eine Medaille wäre auch ein kleines Dankeschön dafür, dass ich als Ungar in der deutschen Nationalmannschaft spielen darf."

Rückschlag vor Olympia 2008

Genau wie sein Vater kam Georg Grozer Junior aus seiner Geburtsstadt Budapest nach Moers, wurde eingedeutscht und kam ins deutsche Nationalteam.

Der Anfang war nicht einfach, er wurde zum Beispiel kurz vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking als letzter Spieler aus dem deutschen Aufegbot gestrichen.

Inzwischen ist die "Punktmaschine" auch zum emotionalen Leader herangereift und reißt als echter Teamplayer die Mannschaft mit. Er hat es besser gemacht als sein ähnlich talentierter Vater.

"Ich war immer stolz auf meinen Vater, und bin es bis heute. Aber man kann auch nicht sagen, dass er bei seinen Möglichkeiten eine perfekte Karriere hinbekommen hat", sagte Georg Grozer mal in einem Interview: "Wir beide waren zwar oft getrennt, aber er hat mir beigebracht, dass ich aus seinen Fehlern lerne. Wir haben viel über die Olympischen Spiele und Benehmen auf und abseits des Feldes geredet. Es war nicht einfach, so einen erfolgreichen Vater zu haben, und ich wollte ihn immer toppen. Jetzt habe ich Papa überboten. Ich habe es geschafft, mir einen eigenen Namen zu erarbeiten."

"Einer drei besten Volleyballer der Welt"

Grundstein dafür ist laut Bundestrainer Vital Heynen sein "unglaublicher Wille".

So ist Georg Grozer nicht nur nach Meinung von Verbandschef Thomas Krohne zu "einem der drei besten Volleyballer der Welt herangereift".

Beim 3:0 gegen den Iran überragte Grozer mit 23 Punkten und drehte mit einer unglaublichen Aufschlagserie vom 9:12 zum 18:12 den entscheidenden dritten Satz. Als der Halbfinal-Einzug dann feststand dachte der deutsche Superangreifer aber sofort wieder an seine Familie.

"Ich muss Tickets für die Finalspiele besorgen. Ich hoffe aber, dass zumindest meine Frau und meine beiden Töchter dabei sein können. Wenn sie dabei sind, muss ich einfach gut spielen", so Grozer.

Der kleine Bruder in den Startlöchern

Er ist schon in der Vereinssaison von seinen Liebsten getrennt - sie bleiben daheim in Deutschland, wenn er in Russland viel Geld verdient.

Der Hüne mit dem mächtigen Schlagarm ist trotzdem oft in Gedanken beim Grozer-Clan.

"Mein kleiner Bruder zum Beispiel soll auch mal für die deutsche Nationalmannschaft spielen und dann sollen die Bedingungen noch besser als jetzt sein. Deshalb will ich die WM-Medaille auch für ihn gewinnen", so Grozer.

Schließlich soll die berühmte Volleyball-Dynastie weiterbestehen, denn "Hammerschorsch II." plant schon seinen Abgang.

"Ich habe meiner Frau und den Kindern versprochen, dass nach den Olympischen Spielen 2016 Schluss mit meiner Karriere im Nationalteam ist", so Grozer.

Zuvor will er sich jedoch den großen Traum von einer WM-Medaille erfüllen.

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