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Rom - Die Schmetterlinge verzichten auf einen Papstbesuch und trainieren lieber. Der Fokus liegt nach dem Fehlstart auf Argentinien.

Von Lars Becker

Wer seine erste Medaille bei einer Weltmeisterschaft gewinnen will, muss Prioritäten setzen.

Deshalb verzichtete das deutsche Frauen-Nationalteam nach dem Fehlstart gegen die Dominikanische Republik (Die Partie im TICKER zum Nachlesen) in die Titelkämpfe in Rom auf das Angebot einer Gruppenaudienz bei Papst Franziskus und stand schon um 9 Uhr morgens wieder in der Trainingshalle.

Alle Teams hatten die Chance auf einen Besuch im Vatikan und die argentinische Mannschaft wollte dafür sogar das Training vor dem Duell gegen Deutschland am Dienstag (ab 16.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) sausen lassen.

Das kann man gut verstehen, schließlich ist der heilige Vater ein Landsmann von ihnen.

Spiel zwischen Kreis- und Weltklasse

Göttlichen Beistand hätten die deutschen "Schmetterlinge" in ihrem Auftaktspiel auch gut gebrauchen können, denn spielerisch lief es für den Weltranglisten-Neunten gegen die einen Platz tiefer eingestuften Gegner alles andere als rund.

Das 2:3 (25:22, 21:25, 21:25, 26:24, 13:15) war eine Achterbahnfahrt zwischen Kreisklasse und Weltklasse. Beim 18:23 im vierten Satz sah das Team schon wie der sichere Verlierer aus, schaffte mit unbändigem Kampfgeist jedoch den Satzausgleich.

Beim 9:5 im fünften Durchgang schien der Sieg nahe, dann jedoch kosteten zu viele Fehler den Erfolg.

"Wir haben alle gehofft, dass wir mit einem Sieg in die WM starten. Wir hatten auch die Möglichkeit, dieses Spiel zu gewinnen. Die haben wir leider nicht genutzt", kommentierte Zuspielerin Mareen Apitz: "Die Stabilität ist das Wichtigste in unserem Spiel, die hat einfach gefehlt. Und wenn wir es nicht schaffen, unser Spiel durchzuziehen, dann können wir nicht gewinnen."

Probleme im Angriff

Schon zum Auftakt offenbarte sich das große Problem im deutschen Spiel: Die Angriffsschwäche. Margareta Kozuch holte zwar 16 Punkte, aber sie ist noch nicht in der Form, in der sie Deutschland im Vorjahr zu Silber bei der Heim-Europameisterschaft geführt hat.

Die blonde Hauptangreiferin hatte vor den Titelkämpfen wegen einer rätselhaften Viruserkrankung, die sich bei einem Rucksackurlaub eingefangen hatte, mehrere Kilogramm abgenommen.

Bethania de la Cruz de Pena machte auf der Gegenseite 23 Punkte für die Dominikanische Republik und entschied damit letztendlich das Spiel.

"Wir haben halt keinen Georg Grozer, der Spiele allein entscheiden kann. Wir müssen über das Team kommen", hatte Bundestrainer Giovanni Guidetti mit Blick auf den sensationellen Bronzegewinn der deutschen Volleyball-Männer erklärt: "Wenn wir schlecht spielen, können wir gegen jedes Team verlieren. Wenn wir gut spielen, können wir gegen jedes Team gewinnen."

Druck aufs Team steigt

Mit der Auftaktniederlage steigt auch der Druck auf die Schmetterlinge. Einen weiteren Ausrutsscher kann sich das Team nicht mehr leisten. Im Doppelpack gegen die Außenseiter Argentinien und Tunesien (Do., ab 10.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) sind Siege Pflicht, um erst einmal den Sprung in die zweite Runde zu sichern.

Um sich dann eine gute Ausgangsposition für den weiteren Turnierverlauf zu verschaffen, müssten auch Gastgeber Italien (Sa., ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) und Kroatien (So., ab 17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) besiegt werden.

Vier Teams aus der Sechsergruppe von Rom erreichen die zweite Runde und die Zähler aus der Vorrunde gegen die anderen Qualifikanten werden mitgenommen.

Als Trost bleibt nach der Niederlage gegen die Dominikanische Republik, das durch das 2:3 wenigstens ein Zähler gewonnen wurde.

Niederlage als gutes Omen

Die WM ist mit fast drei Wochen extrem lang, auch andere Teams werden Schwächen zeigen. Am Auftakttag verlor zum Beispiel auch der Olympiadritte Japan ? ein möglicher deutscher Gegner in der zweiten Runde ? sensationell mit 2:3 gegen Aserbaidschan.

Und vielleicht ist die Niederlage zum Auftakt ja auch ein gutes Omen: Die deutschen Männer waren mit einem 0:3 gegen Brasilien in die WM gestartet.

Danach folgte eine Serie von sechs Siegen in Folge und am vergangenen Sonntag mit Bronze die erste Medaille für die deutschen Männer seit 44 Jahren.

Ein deutsches Frauenteam hat überhaupt noch nie Edelmetall in der WM-Geschichte gewonnen. Guidetti war mit dem klaren Ziel angetreten, das zu ändern: "Wir wollen das Unmögliche schaffen - eine WM-Medaille für die Männer und die Frauen im gleichen Jahr."

Das ist auch nach dem Fehlstart weiter möglich, auch wenn eine deutliche spielerische Steigerung her muss.

Marcos Kwiek, Trainer der Dominikanischen Republik, brachte die Situation auf den Punkt: "Deutschland kämpft immer bis zum letzten Punkt, da weißt du nie, wie es endet."

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