vergrößernverkleinern

Rang neun der Schmetterlinge sorgt für Ratlosigkeit. Trainer Giovanni Guidetti stellt vor dem Gipfel mit dem DVV Bedingungen.

Video

Von der Volleyball-WM berichtet Lars Becker

Triest - Die Schmetterlinge haben sich mit einem enttäuschenden neunten Platz im Gepäck über Venedig auf in Richtung Heimat gemacht.

Zu dieser Zeit war Bundestrainer Giovanni Guidetti längst daheim in Modena bei seiner Ehefrau Bahar Toksoy, die mit der türkischen Nationalmannschaft ebenfalls vorzeitig bei der Volleyball-WM ausgeschieden war.

Ob der seit über acht Jahren amtierende Guidetti überhaupt noch einmal zur deutschen Auswahl zurückkehren wird, entscheidet sich am Samstag in München.

Gespräch mit DVV-Boss Krohne

Dann trifft sich Guidetti mit Verbandschef Thomas Krohne, der den Chefcoach gebeten hatte, bis zu diesem Gespräch keine Entscheidung zu treffen. Medienunternehmer Krohne wird bis dahin natürlich ein Stimmungsbild aus der Mannschaft einholen.

Beide Parteien haben sich bislang offiziell für den Verbleib eines der weltbesten Trainer ausgesprochen.

"Wir wollen bei der EM 2015 und bei den Olympischen Spielen 2016 wieder die DVV-Frauen von 2013 sehen: emotional, aggressiv und erfolgreich. Und, ganz klar und ohne Wenn und Aber: natürlich mit Giovanni Guidetti", hatte Krohne verkünden lassen. Und Spielführerin Margareta Kozuch ließ ausrichten, dass "die Mannschaft und ich zu 100 Prozent hinter Giovanni" stehen.

Guidetti: Schluss mit Kuschelkurs

Das war allerdings vor der Ankündigung des Italieners, dass im Falle seines Verbleibs einige Veränderungen in der Auswahl geben wird. Es soll Schluss mit der Kuschelatmosphäre in der Auswahl sein - oder er packt seine Sachen.

Die Schmetterlinge waren mit dem Ziel angetreten, die erste deutsche WM-Medaille der Geschichte zu holen, doch am Ende gab es nach vier Siegen in neun Spielen nur einen enttäuschenden neunten Platz.

"Jetzt müssen der Kapitän und der Präsident entscheiden, was das Beste für den deutschen Volleyball ist. Wenn Verband und Mannschaft zusammen entscheiden, dass ein neuer Trainer her soll, dann will ich keinen Euro aus meinem Vertrag mehr. Ich habe noch einen Vertrag bis 2016, aber wenn der Verband den auflösen will, dann akzeptiere ich das", erklärt Guidetti.

Kritik an erfahrenen Spielerinnen

Eine große Geste von Guidetti, der sich als emotionaler "Volleyball-Trapattoni" spätestens mit der Silbermedaille bei der Heim-Europameisterschaft im Vorjahr in die Herzen der Fans gespielt hat.

Auch bei dieser WM vermittelte der Italiener Feuer und Leidenschaft an der Seitenlinie - allerdings wirkte der Auftritt seiner Mannschaft bei dieser WM nicht ansatzweise so willensstark. Besonders die routinierten Spielerinnen wie Maren Brinker, Heike Beier, Kathleen Weiß oder Margareta Kozuch konnten nicht durchweg überzeugen.

"Von den erfahrenen Spielerinnen brauche ich viel mehr Hunger. Wir müssen viel besser und viel aggressiver Volleyball spielen", meinte der Chefcoach.

Personelle und mentale Probleme

Viele kleine Mosaiksteine trugen zum frustrierenden Endergebnis bei: Gegenüber der erfolgreichen Europameisterschaft fehlten Saskia Hippe und Corinna Ssuschke-Voigt im Nationalteam. Hauptangreiferin Kozuch war nach einer aus einem Rucksackurlaub stammenden Viruserkrankung und zwei operativen Eingriffen nicht hundertprozentig fit.

Stamm-Mittelblockerin Stefanie Karg knickte im Spiel gegen Tunesien um und fiel für die WM aus. Heike Beier nannte zudem mentale Gründe für das schwache Abschneiden: "Wir haben es leider nicht geschafft, die Taktik der letztjährigen EM anzuwenden, bei der wir nur von Spiel zu Spiel schauen wollten."

Eine echte Begründung, warum die Mannschaft so inkonstant spielte, ist das allerdings nicht.

Guidetti träumt von Olympia

Dass bei den beiden abschließenden 3:0-Siegen gegen Belgien und Aserbaidschan die 18 Jahre Wiebke Silge im Stammteam agierte, war schon ein Blick in die Zukunft des deutschen Frauenvolleyballs.

Zumindest, falls Guidetti bleibt: "Natürlich würde ich weitermachen, mein Traum ist es, Deutschland zu Olympia zu bringen. Aber wir sind die Nummer 9 der Welt. Ich mag diese Nummer nicht, da kommst du nicht zu Olympia. Da gewinnst du keine Medaillen bei großen Turnieren."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel