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Berlin - Nach dem enttäuschenden Aus in der Olympia-Qualifikation kündigt Georg Grozer seinen Abschied aus der Nationalmannschaft an. Ein Hintertürchen lässt er offen.

Das Olympia-Aus ist für die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft eine Zäsur. Keine Trostrunde in Japan, keine Sommerspiele in Rio, keine TV-Präsenz.

Fünf enge und dramatische Sätze lieferte sich seine DVV-Auswahl gegen Polen, am Ende zogen die Gastgeber beim Qualifikations-Turnier in Berlin mit 2:3 (25:20, 22:25, 25:16, 26:28, 14:16) den Kürzeren. Einer der Besten war wieder einmal Star Georg Grozer, der vor allem im dritten Satz aufdreht und einen Angriffsschlag nach dem anderen im Feld der Gäste platzierte.

Als das Scheitern feststand, setzte es den nächsten Tiefschlag für den DVV.

Der 31-jährige Grozer verkündete sein vorläufiges Ende in der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft: "Ich höre jetzt auf, zumindest für die nächsten ein zwei Jahre." Er fügt an: "Die Entscheidung steht schon länger fest. Eigentlich wollte ich nach Olympia in Rio aufhören, doch das hat sich ja jetzt erledigt", sagte Grozer, der sein Geld bei Samsung Bluefangs in Südkorea verdient, zu SPORT1.

Der Knallharte

Damit geht das Gesicht des deutschen Volleyballs.

FIVB World Championship 3rd/4th Playoff
Georg Grozer, hier mit Lukas Kampa (r.) bestritt 152 Länderspiele für Deutschland © Getty Images

2002 kommt der 18 Jahre alte Grozer, damals noch Ungar, nach Deutschland und wechselte zum Moerser SC. Fünf Jahre später - der Zwei-Meter-Riese ist inzwischen eingebürgert - debüttiert der Sohn des früheren ungarischen und deutschen Nationalspielers Georg "Hammerschorsch" Grozer senior ("Der Mann mit dem Zopf") für die DVV-Auswahl. Der war von 2006 bis 2008 auch sein Trainer beim MSC.

Grozer junior steigt schnell zu einem der besten Spieler der Landes auf. Die wuchtigen Schläge des Außenangreifers sind aufgrund der Härte (bis zu 130 Kilometer pro Stunde) kaum zu verteidigen.

Mit dem Wechsel aus dem Ruhrgebiet zum deutschen Rekordmeister und -pokalsieger VfB Friedrichshafen beginnt sich das dann auch in Titeln auszudrücken: 2009 und 2010 Deutscher Meister, dazu der erste Sieg einer deutschen Nationalmannschaft bei der Europaliga.

Erstmals wählen Experten Grozer zu Deutschlands Volleyballer des Jahres. Diese Auszeichnung gewinnt er fortan bis 2014 durchgehend. Das ist beinahe einmalig, wäre da nicht Mr. Volleyball Burkhard Sude, der das von 1980 bis 1984 ebenfalls schaffte.

Auch in Polen und Russland erfolgreich

2010 wagt gebürtige Budapester, dessen Tante, Mutter, Bruder und alle drei Schwestern, ebenfalls hochklassig Volleyball spielen, den Sprung ins Ausland.

Grozer wechselt zu Asseco Resovia Rzeszow und entwickelt sich zum überragenden Spieler im Volleyball-verrückten Polen. Rzeszow wird vor allem dank ihm Meister. Zudem wird er der erste Ausländer der Geschichte der polnischen Liga, der als MVP ausgezeichnet wird. Einstimmig.

2012 erfüllt sich der Vorzeigeprofi (DVV-Physiotherapeut Georg Waller: "Ich hatte noch nie so einen athletischen Körper in meinen Händen") den Traum von Olympia und zieht weiter nach Russland zu Lokomotiv Belgorod. 2013 feiert der Familienvater seine fünfte länderübergreifende Meisterschaft in Folge, dazu wandern zwei russische Pokalsiege in den persönlichen Vitrinenschrank.

Dann kam das Jahr des Grozer und der endgültige Aufstieg zum Weltstar. 2014 hagelt er Triumphe: Pokalsieger, Champions-League-Sieger, Klubweltmeister. Zudem schreibt er unter Bundestrainer Vital Heynen Geschichte.

Bei der WM in Polen führt "Naturgewalt" Grozer, der nun wie sein Vater "Hammerschorsch" genannt wird, die deutsche Nationalmannschaft zu Bronze - es ist die erste Medaille für den DVV.

Mehr Zeit für die Familie

Dann erlebt Grozer, der 2015 zu Daejong Samsung Bluefangs geht, auch Schattenseiten im Volleyball.

Bei der EM im selben Jahr ist schon im Viertelfinale Schluss. Dazu kommen kleinere Formkrisen und nun das Aus bei Olympia, was gleichzeitig seine Nationalmannschaftskarriere beendet. Als Nachfolger bringt er Simon Hirsch (23, Andreoli Latina) ins Gespräch, der beim Qualifikationsturnier schon als Ersatz überzeugte. "Simon hat Potenzial, der kann meine Position einnehmen", erklärt Grozer SPORT1.

Er schob nach: "Die Jungen brauchen jetzt Erfahrung - und die werden sie sammeln."

Grozer wird sich das vor dem Fernseher anschauen. "Ich brauche jetzt eine Pause für meine Familie", sagt Grozer. Familie, das sind die beiden Töchter Leana und Loreen - sowie seine polnische Frau Violetta.

Sie bekommen mehr von ihrem Papa bzw. Ehemann. Der deutsche Volleyball verliert einen seiner Größten.

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