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Simon Schempp gewann in Ruhpolding und Antholz drei Einzelrennen in Folge
Simon Schempp gewann in Ruhpolding und Antholz drei Einzelrennen in Folge © getty

Simon Schempp ist in der Form seines Lebens. Im SPORT1-Interview spricht er über die Gründe, blickt auf die WM voraus und erklärt, welche Schwäche er ausgemerzt hat.

Für Simon Schempp war der Januar 2015 der bislang schönste Monat seines Sportlerlebens.

Zuerst gewann er vor der eigenen Haustür nach einem Zielsprint-Krimi den Verfolgungswettkampf in Ruhpolding. Eine Woche später legte er mit zwei Siegen in Sprint und Verfolgung von Antholz nach.

Zugleich bescherte der 26-Jährige den deutschen Biathleten erstmals nach genau zwölf Monaten wieder Einzelsiege.

Ab Freitag (15.00 Uhr im LIVETICKER) stehen für Schempp im tschechischen Nove Mesto wieder die nächsten Weltcuprennen auf dem Programm. Dabei wird er sich mit dem Franzosen Martin Fourcade um die Führung im Gesamt-Weltcup duellieren (DATENCENTER).

Zuvor erklärt er im SPORT1-Interview seine derzeitige Topform und welche Schwäche er ausgemerzt hat. 

SPORT1: Herr Schempp, darf man Sie als derzeit weltbester Biathlet bezeichnen?

Schempp: Ach nein, das bin ich doch nicht.

SPORT1: Na ja, immerhin haben Sie die letzten drei Einzelwettbewerbe alle gewonnen.

Schempp: Okay, wenn man auf die Weltcup-Punkte schaut, dann war ich in den letzten Wochen der Beste. Es lief wirklich sehr gut bei mir, ich habe am Schießstand viel getroffen. Ich bin natürlich sehr glücklich über diese Erfolge.

SPORT1: Wie ist Ihre Erfolgsserie zu erklären? Sind Sie mental so stark wie nie oder ist es die körperliche Verfassung?

Schempp: Ich denke beides. Die Grundvoraussetzung ist immer, dass man körperlich richtig gut in Schuss ist. Es ist nicht alles Kopfsache, die konditionelle Verfassung muss auch stimmen. Und das hat bei mir in den beiden Wochen im Januar gepasst. Es läuft sich natürlich auch leichter, wenn man weiß, dass man gut in Form ist. Dann ist man auch mental besser drauf.

SPORT1: Jetzt stellt sich nur die Frage, ob Sie diese Form auch bis zur WM in Kontiolahti Anfang März halten können?

Schempp: Das wird man dann sehen (lacht). Nein, grundsätzlich lag und liegt mein Augenmerk die ganze Zeit darauf, dass ich möglichst konstant durch die Saison kommen möchte. Ich habe in der Trainingsarbeit viel Wert auf gute Grundlagen gelegt. Daher glaube ich, dass ich die Form auch bis zur WM halten kann.

Arnd Peiffer und Simon Schempp jubeln in Ruhpolding
Arnd Peiffer und Simon Schempp jubeln in Ruhpolding © Getty Images

SPORT1: Sie haben zuletzt zwei Zielsprints Mann gegen Mann für sich entschieden. Zuvor galt das als eine Schwäche von Ihnen. Kann man Zielsprints trainieren?

Schempp: Sprints an sich kann man schon trainieren, ich habe auch definitiv an meiner Spurtschnelligkeit gearbeitet.  Nur eine Wettkampfsituation lässt sich nicht imitieren. Das ist schon noch mal was anderes.

SPORT1: Nicht nur bei Ihnen läuft es gut, auch die deutschen Damen verzeichnen Erfolgserlebnisse und standen zuletzt auch in Einzelbewerben auf dem Podest. Kam Olympia in Sotschi einfach ein Jahr zu früh für das deutsche Team?

Schempp: Ich persönlich war im letzten Jahr auch relativ gut in Schuss, zum Zeitpunkt der Olympischen Spiele war ich Dritter im Gesamt-Weltcup. Ich war auch recht knapp an einer Medaille dran. Bei Olympia muss dann einfach alles passen und ich hatte leider einen Fehlschuss zu viel. Ich denke aber auch, dass ich mich in diesem Jahr nochmal verbessert habe. Und es kommen ja auch nochmal Olympische Spiele.

SPORT1: Stimmt, mit 26 sind Sie ja noch im besten Alter. Nochmal allgemein zum Team: pushen sich Männer und Frauen gegenseitig, treibt man sich durch die Erfolge gegenseitig an?

Schempp: Grundsätzlich herrscht ein sehr gutes Mannschaftsklima bei uns, auch zwischen Männern und Frauen. Das ist auf jeden Fall entscheidend, damit man mit einer positiven Stimmung zu den Wettkämpfen fährt. Man ist den Winter über vier Monate am Stück zusammen, da ist es definitiv von Vorteil, wenn das Mannschaftsklima passt.

SPORT1: Einige hatten in der letzten Zeit die deutschen Biathleten schon etwas abgeschrieben, weil die Erfolge ausblieben. Geben die jüngsten Ergebnisse deshalb auch etwas Genugtuung?

Schempp: Es haben mittlerweile viele Nationen zu uns Deutschen aufgeschlossen. Deshalb ist die Dichte in der Spitze einfach eine andere als in früheren Jahren, und so ist es nicht mehr so einfach, vorne reinzulaufen. Das wird gerne vergessen. Heutzutage ist man ganz schnell 20. oder 30., ohne dass man richtig schlecht war.

SPORT1: Jetzt geht es nach Tschechien, nach Nove Mesto. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit diesem Wettkampfort?

Schempp: Ich war schon zweimal in Nove Mesto. Bei der WM war eine exzellente Stimmung im Stadion, ich war damals selbst überrascht, dass so viele Leute im Stadion waren. Aber das tschechische Biathlon hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Es wird auf jeden Fall wieder ordentlich was los sein. 

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