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Ole Einar Bjoerndalen (M.) setzte sich in Östersund vor Simon Schempp (l.) und Alexei Wolkow durch
Ole Einar Bjoerndalen (M.) setzte sich in Östersund vor Simon Schempp (l.) und Alexei Wolkow durch © Getty Images

Ole Einar Björndalen gewinnt mit 41 Jahren den Weltcup in Östersund. Die Konkurrenz verneigt sich, will aber nicht zum Nachahmer werden. Björndalen selbst adelt einen Deutschen.

Als Ole Einar Björndalen schon vor der Jahrtausendwende von Sieg zu Sieg eilte, saß Simon Schempp noch als kleiner Knirps vor dem Fernseher. "Er war ein Grund für mich, überhaupt mit Biathlon anzufangen", sagte Schempp nach seinem starken zweiten Platz hinter Björndalen im Einzel von Östersund: "Er ist für uns alle ein Vorbild."

Björndalen, mittlerweile 41 Jahre alt, feierte im Klassiker in Schweden seinen 95. Weltcupsieg. 23 Jahre nach seinem Weltcup-Debüt kann der norwegische Volksheld noch immer siegen, blieb sogar erstmals seit mehr als zehn Jahren in einem Einzel über 20 km ohne Schießfehler.

Björndalen adelt Schempp

"Ich dachte nicht, dass ich gewinnen kann", sagte Björndalen, der in der Vorbereitung von Verletzungen zurückgeworfen wurde.

Sein Geheimnis? "Das gibt es nicht. Ich trainiere hart und habe eine starke Motivation", sagte der Mann, der mit acht Olympiasiegen, 19 WM-Titeln und sechs Gesamtweltcupsiegen das Maß aller Dinge bei den Skijägern ist. "Er ist einfach Mister Biathlon", sagte Schempp ehrfürchtig: "Er ist nicht umsonst der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten."

Und eben jener Ausnahmekönner, wegen seines unbändigen Erfolgshungers unter anderem auch "der Kannibale" genannt, lobte Schempp in den höchsten Tönen. "Er ist dieses Jahr ganz sicher der stärkste Athlet", sagte Björndalen über den 14 Jahre jüngeren Uhinger: "Er war schon im letzten Jahr sehr stark und wird wahrscheinlich den Gesamtweltcup gewinnen."

Björndalen selbst ist zumindest dazu nicht mehr im Stande, sein Fokus liegt klar auf der WM in der Heimat. Am legendären Holmenkollen in Oslo will er sich im März von der großen Bühne verabschieden - am liebsten mit weiteren Medaillen. "Ich werde alles tun, um in absoluter Topform zu sein", sagte er in perfektem Deutsch.

Hygiene-Tick

Auch nach unzähligen Rennen und Kilometern in den Beinen wirkt der Altmeister ehrgeizig wie am ersten Tag. Seit seinem ersten Weltcupsieg im Januar 1996 in Antholz - Schempp war da gerade sieben Jahre alt - habe sich nicht viel verändert. "Nur das Alter. Ich habe etwas mehr Erfahrung, aber die Motivation ist noch die gleiche", sagte der erfolgreichste Winter-Olympionike.

Für seine Erfolge betreibt "der Außerirdische" einen enormen Aufwand. In einem mobilen Fitness-Truck schuftet er so oft es geht, verzichtet auf Alkohol und hat sich über die Jahre zum Hygienefanatiker entwickelt. Reiste er früher mit einem Staubsauger umher, werden die Hotelböden jetzt meist mit Plastikfolie abgedeckt. Björndalen tut alles für den Erfolg, auch wenn andere ihn deswegen für verrückt halten.

Seine Konkurrenten zogen in Schweden allesamt den Hut.

Mit knapp 42 Jahren - Björndalen feiert am 27. Januar Geburtstag - will aber kaum selbst noch jemand im Weltcup-Zirkus dabei sein. "Eines weiß ich mit Sicherheit: Mit 41 Jahren tue ich mir das nicht mehr an", sagte Ex-Weltmeister Arnd Peiffer mit einem Lachen.

Doppel-Weltmeister Erik Lesser meinte: "Ich kann mir das nicht vorstellen. Ich habe ja jetzt mit 27 Jahren schon Gebrechen."

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