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Denise Herrmann gewann 2014 Olympia-Bronze mit der Langlauf-Staffel © Getty Images

Das größte deutsche Langlauf-Talent der letzten Jahre tätigt einen überraschenden Schritt und tritt demnächst im Biathlon an. Denise Herrmann spielte laut eigener Aussage schon länger mit diesem Gedanken.

Langläuferin Denise Herrmann wechselt das Metier und wird sich im kommenden Winter als Biathletin versuchen.

Ihr Ziel ist eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang 2018.

Im Alter von 27 Jahren riskiert die Sächsin viel, um 2018 mit den Skijägerinnen nach Südkorea zu reisen.

"Ich trage diese Gedanken schon einige Zeit mit mir", sagte Herrmann.

Erstes Schießtraining schon 2012

Als der Deutsche Skiverband nach dem Rücktritt von Magdalena Neuner 2012 im Lager der Langläuferinnen nach Nachfolgerinnen suchte, absolvierte Herrmann beim damaligen Bundestrainer Ricco Groß einen ersten Schießtest und stellte dabei ihr Talent unter Beweis.

Damals entschied sich die Sächsin jedoch gegen einen Wechsel und feierte 2014 in Sotschi mit Olympia-Bronze in der Staffel ihren bislang größten Erfolg.

Doch auch danach dachte die Oberwiesenthalerin immer wieder darüber nach, es auch mit der Waffe auf dem Rücken zu versuchen. "Der Reiz des Neuen überwiegt. Wenn nicht jetzt, dann gar nicht. Ich wollte mich später mal nicht fragen müssen: Warum hast du es nie probiert?", sagte Herrmann der Tageszeitung Freie Presse.

Zwei Jahre vor den nächsten Winterspielen sei der richtige Zeitpunkt, auch wenn sie scheitern könnte.

Der Deutsche Skiverband (DSV) sagte Herrmann "die hierfür notwendige Unterstützung" zu.

Erfolgsaussichten nicht allzu hoch

Große Erfolge scheinen für die Oberwiesenthalerin jedoch in der neuen Sportart zunächst in weiter Ferne. Im Langlauf konnte sie keinen Weltcup-Sieg feiern, im abgelaufenen Winter konnte sie mit Rang 23 im Gesamtweltcup und Platz zwölf in der Sprintwertung wenig überzeugen.

Ihr Talent stellte sie lediglich auf der kürzesten aller Strecken, dem Sprint unter Beweis. Dort wurde sie 2013/2014 Zweite der Weltcup-Gesamtwertung.

In Oberhof wird sie zunächst mit Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig an ihrer Schießtechnik arbeiten, ehe sie später zu den Lehrgängen mit dem Rest des Teams stößt.

Dort einen Platz für den Weltcup zu bekommen, dürfte eine anspruchsvolle Aufgabe werden, denn die Leistungsdichte bei Überfliegerin Laura Dahlmeier und Co. wird von Jahr zu Jahr größer.

Selbst die sehr starke Läuferin Miriam Gössner musste bei der WM in Oslo im März zuschauen.

"Es ist eine große Herausforderung, das ist mir bewusst, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass ich das mit Fleiß, Mut und Entschlossenheit schaffen kann", sagte Herrmann.

Forsberg und Wilhelm als Vorbilder

Wie schwer der Wechsel zu den Skijägern ist, zeigte sich zuletzt bei Langlauf-Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle, die als 32-Jährige den mutigen Schritt gewagt hatte.

Nach mühevollen zwei Jahren schaffte sie es als 32-Jährige schließlich in die Biathlon-Weltspitze, ehe sie bei Olympia 2014 in Sotschi des Dopings überführt wurde.

Kati Wilhelm gewann in Turin 2006 Olympia-Gold im Massenstart © Getty Images

Positive Beispiele gab es allerdings in den 90ern. Prominenteste Umsteigerin ist die Schwedin Magdalena Forsberg. Sie kam als ehemalige Langläuferin erst mit 26 Jahren in den Weltcup, gewann anschließend sechsmal den Gesamtweltcup und ebenso oft WM-Gold.

Kati Wilhelm kam ebenfalls vom Langlauf und gewann danach mehrfach Olympia und WM-Gold im Biathlon.

Harter Schlag für den Langlauf

Für das gebeutelte deutsche Langlaufteam ist Herrmanns Wechsel jednefalls ein harter Schlag. Der traditionellsten aller Wintersportarten droht in Deutschland der Absturz in die völlige Bedeutungslosigkeit.

Die Frauen verlieren eine ihrer zuverlässigsten Athletinnen, gerade im Sprintbereich kann kaum jemand die Lücke füllen.

"Andererseits freuen wir uns natürlich, dass Denise im Biathlon eine neue Herausforderung sucht und damit dem Deutschen Skiverband weiterhin als Spitzenathletin zur Verfügung steht", sagte DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger.

Läuft alles nach Plan, wird Herrmann im September bei den deutschen Meisterschaften in Oberhof erstmals als Biathletin an den Start gehen. Dass sie sofort im Ende November beginnenden Weltcup startet, ist jedoch äußerst unwahrscheinlich. Wie Sachenbacher-Stehle wird sie sich zunächst im IBU-Cup oder dem Deutschlandpokal beweisen müssen.

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