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Miriam Gössner hadert mit ihrer Schießleistung © dpa picture alliance

Miriam Gössner kommt diesen Winter einfach nicht in Form. Auch bei der Verfolgung in Ruhpolding macht ihr das Schießen Probleme. Die WM rückt dadurch in weite Ferne.

Lächeln sieht man Frohnatur Miriam Gössner nach Rennen schon lange nicht mehr. Auch am Sonntag in Ruhpolding verließ sie abgekämpft und mit traurigem Blick den Zielraum.

Erneut war sie bei den Rennen in Oberbayern von den Spitzenplätzen weit entfernt. Im Sprint am Samstag landete sie auf Rang 53, in der Verfolgung kam sie als 47. ins Ziel. 

Beide Male wurde ihr vor allem das Schießen zum Verhängnis. Am Samstag patzte sie drei Mal beim stehenden Anschlag, am Sonntag musste sie insgesamt sechs Mal in die Strafrunde.

"Ich habe wieder zu viele Fehler geschossen", lautete dann hinterher auch ihr Fazit.

Pokljuka als einziges Erfolgsrlebnis

Ein einziges Mal in diesem Winter war ihr eine gute Performance am Schießstand gelungen.

Im Dezember in Pokljuka schaffte es Gössner immerhin auf den zehnten Rang und erfüllte zumindest die halbe WM-Norm. Doch an diese Leistung konnte sie seitdem nicht mehr anknüpfen, die Tendenz ist sogar eher rückläufig.

Und so sieht es ganz danach aus, dass die WM in Hochfilzen (ab 8. Februar) ohne sie stattfinden wird. Nur in der kommenden Woche in Antholz hat die 26-Jährige noch die Möglichkeit, sich fürs WM-Team zu empfehlen.

"WM sehr unwahrscheinlich"

Doch nicht einmal die sonst so optimistische Gössner macht sich noch große Hoffnungen: "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich im Sprint bei der WM laufen darf", ordnete sie ihre Leistungen realistisch ein.

Ohne einen WM-Einsatz im Sprint kann sie bei den Titelkämpfen auch in der Verfolgung nicht starten. Das schießlastige Einzelrennen macht für Gössner ohnehin wenig Sinn. Und im Massenstart ist das Teilnehmerfeld begrenzt, nur die 25 Besten des Weltcups dürfen dort antreten. Gössner ist derzeit 40. im Gesamt-Weltcup.

Neuner leidet mit

Fünf Teamkolleginnen stehen in dieser Wertung vor ihr. Das heißt auch: Selbst wenn Gössner noch die WM-Norm schaffen würde, wäre für sie kein Platz im Team.

Denn bei Weltmeisterschaften gibt es pro Nation nur vier Startplätze. Die Stärke des deutschen Frauen-Teams, die ja vor allem für das Staffelrennen bei der WM Hoffnung macht, ist für Gössner ein Nachteil.

Auch ihre frühere Teamkollegin Magdalena Neuner leidet mit der Garmischerin. "Zur Zeit ist es schon hart. Wenn man nicht hundertprozentig seine Leistung bringt, dann reicht es nicht", sagte die Rekordweltmeisterin in Ruhpolding im Gespräch mit SPORT1.

Wilhelm übt Kritik

Gössner selbst wirkt ratlos: "Ich fühle mich eigentlich wohl beim Schießen. Ich weiß nicht, was ich groß anders machen kann." Veränderungen im Bewegungsablauf, im Schießrhythmus oder an der Waffe schließt sie aus: "Ich kann jetzt nicht wieder alles umschmeißen."

Vor der Saison hatte sich Gössner einen kürzeren Schaft ans Gewehr machen lassen. Für Biathletinnen, die jahrelang Automatismen einüben, ist das eine große Umstellung.

Olympiasiegerin Kati Wilhelm kritisierte diese Aktion vor dem Saisonbeginn bei SPORT1: "Gleich ein ganzer Schaft ist schon eine große Veränderung und sie experimentiert jetzt schon lange herum."

Sinnfrage stellt sich

Bundestrainer Gerald Hönig versprach zwar, man werde Gössner nicht fallen lassen. Doch in seinem WM-Team für Hochfilzen wird für sie wohl kein Platz sein. Schon im Vorjahr blieb ihr in Oslo nur die Zuschauerrolle.

Gössner selbst sagt zwar: "Ich werde weiterkämpfen." Aber nach zwei verpassten Titelkämpfen in Folge wird sich die Freundin von Felix Neureuther spätestens nach Saisonende die Frage stellen müssen, wie lange es sich noch lohnt, zu kämpfen.

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