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Ireen Wüst-Eisschnelllauf
Ireen Wüst kritisiert die politische Situation in Russland © Getty

In den Niederlanden, der mit Abstand größten und wichtigsten Nation im Eisschnelllauf, ziehen immer mehr Sportler und Trainer einen Boykott der EM in Tscheljabinsk (10. und 11. Januar) in Erwägung.

"Vom Gefühl her ist es nicht richtig, meinen EM-Titel in Russland zu verteidigen", sagte Ireen Wüst, die erfolgreichste Eisschnellläuferin der vergangenen Jahre: "Darum schließe ich auch nichts aus."

"Politisch gesehen stimmt in dem Land natürlich nicht viel", sagt Wüst, "und ich denke auch, dass viele Niederländer jemanden kennen, der von der Flugzeugkatastrophe der MH17 betroffen ist." Von den 298 Todesopfern, die der weltweit geächtete Abschuss des Passagierflugzeugs über der Ukraine im Juli gefordert hat, stammten 192 aus den Niederlanden.

Die Maschine der Malaysian Airlines war über dem umkämpften Gebiet in der Ostukraine abgeschossen worden, möglicherweise von prorussischen Separatisten.

Bewiesen ist diese These jedoch nicht. Die Rolle Russlands im Ukraine-Konflikt wird aber kritisch gesehen.

Unumstrittener Superstar der Niederländer ist Sven Kramer, und auch der sechsmalige Europameister lehnt den EM-Austragungsort ab.

"Ich bestimme nicht, wo Wettkämpfe ausgetragen werden. Das macht die ISU. Aber ich finde, dass die ISU das Problem um die EM lösen muss."

Der Status quo mache für ihn eine Teilnahme "unglaublich schwierig", sagte Kramer der Tageszeitung "De Telegraaf".

Der niederländische Eissportverband KNSB, der bis zu sechs EM-Startplätze hat, will Sportlern und Trainern die freie Wahl lassen, der EM fernzubleiben oder beizuwohnen.

"Das respektieren wir. Ich bin glücklich mit dem Signal aus der Eisschnelllaufwelt", sagte KNSB-Sportdirektor Arie Koops.

Noch im Februar hatten die Oranje-Stars bei der russischen Olympia-Show in Sotschi acht Gold-, sieben Silber- und acht Bronzemedaillen abgeräumt - und damit mehr Edelmetall als das komplette deutsche Olympiateam.

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