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Stefan Luitz bestritt am 8. Januar 2011 beim Riesenslalom in Adelboden seinen ersten Weltcup

München - Vor dem Saisonstart in Sölden spricht Olympia-Pechvogel Stefan Luitz bei <strong>SPORT1</strong> über die Lehren aus seinem bitteren Einfädler.

Stefan Luitz hatte bis zum 19. Februar 2014 in seiner jungen Karriere schon einiges an Höhen und Tiefen erlebt.

Zwei Sensationsläufe in Val d'Isere, die ihn 2012 und 2013 jeweils auf das Weltcup-Podest katapultierten auf der einen Seite. Einen Kreuzbandriss im Frühjahr 2013 auf der anderen Seite.

Doch der Riesenslalom bei den Olympischen Spielen in Sotschi übertraf alles, was er bisher erlebt hatte ? in positiver wie in negativer Hinsicht.

Luitz gelang im ersten Durchgang der bislang beste Lauf seiner Karriere. Bis zum letzten Tor lag er auf Rang zwei.

Und dann folgte der bislang bitterste Moment seiner Laufbahn. Am allerletzten Tor vor dem Zielstrich fädelte er ein. Aus der Traum von einer Medaille!

"Schwarzer Mittwoch"

Am liebsten wäre der Allgäuer erst einmal im Erdboden versunken.

Luitz Blackout passte ins Bild eines schwarzen Mittwochs, an dem die Athleten des DSV vier erstklassige Medaillenchancen verschenkten.

Vor dem Saisonstart am Sonntag in Sölden spricht Stefan Luitz bei SPORT1 über die Lehren, die er inzwischen gezogen hat, und die anstrengende Vorbereitung. Der 22-Jährige erklärt zudem, was ihm an Teamkollege Felix Neureuther imponiert.

SPORT1: Herr Luitz, wie oft haben Sie in den vergangenen acht Monaten an den letzten Schwung des ersten Riesenslalom-Durchgangs bei Olympia gedacht?

Stefan Luitz: Ich wurde natürlich sehr oft darauf angesprochen. Aber ich habe versucht, das Erlebnis aus dem Kopf zu kriegen. Stattdessen habe ich die gute Fahrt, die es bis dahin ja war, abgespeichert. Das letzte Tor muss man einfach vergessen. In vier Jahren oder auch in diesem Winter bei der WM wird mir das mit Sicherheit nicht nochmal passieren.

SPORT1: Auch DOSB-Präsident Alfons Hörmann war sich damals kurz nach dem Rennen sicher, dass Sie aus diesem Fehler viel lernen werden. Was haben Sie konkret daraus gelernt?

Luitz: Es war tatsächlich so, dass ich gedanklich zu früh im Ziel war, die Konzentration hatte bisschen nachgelassen. Man muss einfach bis über die Ziellinie, bis zum Abschwingen die volle Konzentration bewahren.

SPORT1: Wie haben Sie damals die Reaktionen der Öffentlichkeit empfunden?

Luitz: Ich war vor allem der Pechvogel des Tages. Ich habe aber auch viele positive Reaktionen mitbekommen. Viele haben mir zu dem bis dahin guten Lauf gratuliert.

SPORT1: Sie haben damit auch gezeigt, dass Sie mit den Top-Läufern durchaus mithalten können. Rechnen Sie sich selbst jetzt schon zur Weltspitze?

Luitz: Bis zur absoluten Weltspitze fehlt mir schon noch ein Stück. Aber ich bin auf einem guten Weg. Ich habe schon bisschen was mitgemacht, Höhen und Tiefen, Verletzungen.

SPORT1: Was fehlt dann noch konkret, um zur Weltspitze zu gehören?

Luitz: Die Konstanz vom Anfang des Winters bis zum Ende, so wie es der Felix (Neureuther, Anm.d. Red.) in der vergangenen Saison vorgemacht hat. Bei mir war es in der letzten Saison nach einem starken Beginn so, dass sich doch ein paar Fehler eingeschlichen haben und ein paar Ausscheider. Man muss in jedem Rennen seine Leistung abrufen. Im Training gelingt mir das ja auch.

SPORT1: Wenn man sich den weltbesten Riesenslalomfahrer, Ted Ligety, anschaut, scheint auch das Niveau in der Weltspitze immer höher zu werden. Es wird mit einem irrsinnigen Kraftaufwand gefahren. Wieviel müssen Sie dafür investieren?

Luitz: Viel. Es bleibt nach Ende des Winters nur eine kurze Pause, dann geht?s schon wieder in den Kraftraum und auf die Räder. Wir sind letztlich das ganze Jahr über am Trainieren. Anders geht es nicht. Der Champion wird im Sommer gemacht. Es ist wichtig, dass man konditionell stark ist, damit man die komplette Wintersaison durchhält.

SPORT1: In diesem Winter steht nach der olympischen Saison "nur" eine WM an. Ist das dennoch das Hauptziel, das man anpeilt?

Luitz: Auf jeden Fall. Zunächst konzentriere ich mich jetzt zwar erst einmal auf die ersten Weltcup-Rennen, um ordentlich in die Saison zu kommen. Das Highlight ist dann aber die WM im Februar in Beaver Creek.

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