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Überschäumende Freude bei Felix Neureuther (l.) und DSV-Chefcoach Mathias Berthold
Überschäumende Freude bei Felix Neureuther (l.) und DSV-Chefcoach Mathias Berthold © dpa

München - Fritz Dopfer und Felix Neureuther erfüllen auf den letzten Drücker die Medaillenvorgabe - und lassen es mit Jan Ullrich krachen. Der DSV-Präsident packt zu früh den Koffer.

Als durch das Ausscheiden von Top-Favorit Marcel Hirscher die zwei deutschen Medaillen im WM-Slalom feststanden, kannte der Jubel bei den Verantwortlichen keine Grenzen mehr.

Christian Neureuther, der Vater von Bronze-Medaillengewinner Felix, und Alpindirektor Wolfgang Maier hatten sogar Tränen in den Augen.  "Ich bin ehrlich tief bewegt", gab Maier zu.

Denkbar schlechte Ausgangslage

Dabei schien nach dem ersten Durchgang bereits alles vorbei zu sein.

Nur Rang sechs und sieben für Fritz Dopfer und Felix Neureuther ließen die Chance, das vor der WM ausgegebene Ziel von drei Medaillen zu erreichen, gegen Null tendieren.

Fritz Dopfer holte mit Silber im Slalom seine erste Einzelmedaille bei einer WM
Fritz Dopfer holte mit Silber im Slalom seine erste Einzelmedaille bei einer WM © Getty Images

Kurz keimte - dank der zwei guten Läufe von Dopfer und Neureuther - noch einmal Hoffnung auf. Diese verschwand aber umgehend, nachdem der fünftplatzierte Jean-Baptiste Grange die Zeiten der Deutschen sofort danach klar unterbot.

"War mir sicher, dass es nicht reicht"

Dann patzt plötzlich ein Kollege nach dem anderen, und so kam es doch noch zum Showdown zwischen Top-Favorit Marcel Hirscher und Neureuther um die letzte WM-Medaille.

"Ich war mir sicher, dass es nicht zu einer Medaille reicht. Da steht der Hirscher oben, und du denkst dir, du wirst Vierter", beschreibt Neureuther seinen Gedanken in diesem Moment.

"Ein cooler Tag - wenn man sich den Rennverlauf anschaut, ein extrem geiles Ergebnis", fasste DSV-Chefcoach Mathias Berthold das Rennen anschließend treffend zusammen. (DATENCENTER: Das Ergebnis des Slaloms bei der WM)

Pechvogel Dopfer schwört sich ein

Besonders wichtig war für die Medaille für den bis dato ewigen Pechvogel Dopfer, der in seiner Karriere im Weltcup fünfmal Zweiter und bei Olympia 2014 zudem Vierter war.

"Bei der Besichtigung vor dem zweiten Lauf bin ich raufgefahren mit dem Lift und habe mir geschworen: Komm, Fritz, dieses Mal: den Fehler machst du nicht, du probierst wirklich, dich am Limit zu bewegen. Das ist mir gelungen", sagte ein ungewohnt emotionaler Dopfer anschließend.

Mit zwei Medaillen im Slalom hatte nach Durchgang eins niemand mehr gerechnet - und nebenbei hatte man damit zudem doch noch im letzten Rennen das Verbandsziel von drei Medallien erfüllt. 

Geschichtsträchtiges WM-Podium

28 Jahre ist es her, als mit Frank Wörndl und Armin Bittner zuletzt wie DSV-Athleten im Slalom gemeinsam auf einem WM-Podest standen.

Voelkl Race Night, Frank Woerndl
Frank Wörndl gewann 1987 WM-Gold im Slalom von Crans-Montana © Getty Images

Wörndl war es dann auch, der die Sorgen des DSV vor dem Rennen laut aussprach. "Stell dir vor, die Herren wären hier ohne Medaille heimgefahren nach all dem, was die in den vergangenen zwei Jahren geleistet haben. Das wäre einfach ungerecht gewesen", sagte Wörndl bei der Feier im Deutschen Haus.  (Reaktionen: "Ihr seid der Wahnsinn")

Berthold droht Neureuther im Scherz

Die Erleichterung war dann auch bei allen zu spüren und so kam es anschließend zu einer sehr feuchtfröhlichen Party, bei der DSV-Präsident Franz Steinle von Neureuther eine Champagner-Dusche verpasst bekam.

Pech für Steinle - er hatte bereits den Koffer gepackt und konnte daher das Hemd nicht mehr wechseln.

Auch Berthold wurde von Neureuther durchnässt, der sich dafür umgehend revanchierte und anschließend sogar scherzhaft drohte: "Der Felix wird zur Strafe nur noch bei FIS-City-Rennen starten." (SERVICE: Alle Rennen, alle Medaillen)

Tisch beim Oktoberfest für Medaillen-Helden

Zahlreiche weitere Stars wie Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich, Ex-Rennläufer Marco Büchel und "Prinz" Hubertus Hohenlohe feierten ebenfalls tatkräftig mit.

Als Präsent gab es für Dopfer und Neureuther neben Medaillen-Torten noch jeweils einen Zehner-Tisch im Hofbräu-Zelt beim kommenden Oktoberfest in München.

Die rauschende Feier gestern wird aber auch dort nur kaum zu überbieten sein.

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