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Markus Wasmeier über Marcel Hirscher und die Drohne
Markus Wasmeier ist Olympiasieger im Riesenslalom und Super-G © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images

München - Ski-Experte Markus Wasmeier schildert bei SPORT1, wie schlimm der Absturz der Drohne für Marcel Hirscher hätte enden können. Der FIS wirft er schwere Versäumnisse vor.

Man möchte sich lieber nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn Marcel Hirscher beim Flutlichtslalom von Madonna di Campiglio im oberen Streckenabschnitt um Sekundenbruchteile langsamer unterwegs gewesen wäre.

So verfehlte die herabstürzende, etwa 15 Kilogramm schwere Kamera-Drohne den zweitplatzierten Österreicher um gut einen Meter, krachte in seinem Rücken auf den harten Schnee und zerbrach in unzählige Einzelteile.

Hirschers Karriere in Gefahr

"Mit der Wucht, mit der sie heruntergefallen ist, hätte sie ihm alles zertrümmern können. Seine Karriere hätte zu Ende sein können. Sein Leben hätte gefährdet werden können", mutmaßt Markus Wasmeier im Gespräch mit SPORT1.

Der Ausfall von Felix Neureuther und der überragende Sieg des Norwegers Henrik Kristoffersen wurden überschattet von einem unfassbaren Zwischenfall: Der Bediener einer Drohne, die eine Fernsehkamera transportierte, hatte offensichtlich die Kontrolle über das Flugobjekt verloren. Eventuell spielten ihm auch technische Mängel einen Streich.

Ungeachtet der Ursachen sieht sich der Weltverband FIS mit einem neuerlichen Sicherheitsskandal konfrontiert. "Unvorstellbar. Man kennt das Problem der Drohnen. Die FIS ist der Ausrichter, der die volle Verantwortung hat. Sie besitzt die Möglichkeit, Drohnen an allen Weltcuporten zu verbieten. Sie ist dafür zuständig, ständig zu kontrollieren", wirft Wasmeier den Verantwortlichen Unzulänglichkeiten vor.

Der Weltmeister und Doppel-Olympiasieger sei "entsetzt", wie man den Einsatz von derartigen Übertragungstechniken zulassen könne: "Der Athlet war in Gefahr. Es könnte aber auch genauso ein Zuschauer, Trainer oder anderer Anwesender betroffen gewesen sein."

Wasmeier kritisiert FIS

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© Getty Images

Anders als beispielsweise in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist es in Italien nicht verboten, Drohnen bei Großevents über eine Menschenmenge fliegen zu lassen. Dies ließen die Vorschriften der FIS ohnehin nicht zu. Bei der Überquerung der Strecke wurden die Vorgaben des Weltverbands jedoch missachtet.

"Wir haben ausgemacht, dass die Drohne in einem Korridor neben der Strecke fliegt. Im zweiten Lauf ist sie aber immer weiter reingeflogen. Wir haben das nicht kontrolliert. Das wird sicher Konsequenzen geben. Wir sind an einer Katastrophe vorbeigeschrammt", gab Renndirektor Markus Waldner Versäumnisse zu.

Laut Wasmeier dürften die angekündigten Konsequenzen wie folgt aussehen: "Sie (die FIS, Anm. d. Red.) wird sich wahrscheinlich denjenigen zur Verantwortung ziehen, der die Drohne geflogen ist. Der arme Kerl hat aber auch nur das gemacht, was von ihm verlangt wurde. Das ist lächerlich."

Der 52-Jährige fordert stattdessen, die Fehler bei sich zu suchen. "Die FIS muss sich an die eigene Nase fassen. Die Sicherheitsthemen sind Dinge, die möglichst schnell angepackt werden müssen. Es ist unglaublich, dass die FIS Rennen veranstaltet, wo für die Sicherheit der Athleten nicht ausreichend gesorgt ist", ärgert sich Wasmeier.

Verantwortliche entschuldigen sich

In einer offiziellen Stellungnahme entschuldigten sich sowohl die FIS als auch der Rechteinhaber Infront Sports für den Vorfall. Man wolle die Geschehnisse genau untersuchen und entsprechende Maßnahmen in die Wege leiten.

"Die FIS und ihre Partner verwenden neue Technologien, um den Erlebnischarakter für die Fans zu steigern. Ein Unfall wie der Absturz der Drohne darf aber nicht noch einmal passieren", schrieb der Weltverband auf seiner Internetseite.

Ein Vertreter des Deutschen Ski-Verbands (DSV) stellte bei SPORT1 klar, dass man sich in Deutschland klar gegen den Einsatz von Drohnen bei der TV-Übertragung alpiner Skirennen positioniere. Dennoch werde bei Wintersportproduktionen abseits des professionellen Rennsports regelmäßig auf die Technik zurückgegriffen.

"Ich bin des Öfteren mit Filmern unterwegs. Wenn dort Drohnen zum Einsatz kommen, ist alles abgesperrt und es wird penibel für die Sicherheit gesorgt", stellt auch Wasmeier aber klar.

Dass in Zukunft noch einmal Drohnen bei Weltcup-Rennen zum Einsatz kommen, schließt der ehemalige Läufer aus: "Definitiv nicht". Alle Beteiligten, vor allem Hirscher ("FIS, bitte macht euren Job!"), würden es willkommen heißen.

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