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Denise Herrmann landete auf Rang 23
Denise Herrmann kam mit der deutschen Staffel nur auf Platz sechs © Getty Images

Falun - Bei der Nordischen Ski-WM sind die DSV-Langläuferinnen über 4x5 km chancenlos. Gold geht an Norwegen, um den zweiten Platz entbrennt ein enges Finish.

Schlussläuferin Nicole Fessel kämpfte wie eine Löwin, an der Strecke litt Doppel-Olympiasiegerin Claudia Nystad tatenlos mit, doch ein Bronze-Wunder wie noch bei Olympia war weit entfernt:

Die deutsche Skilanglauf-Staffel hat bei der WM in Falun das Podest klar verfehlt und die letzte große Medaillenchance verspielt. Bei Norwegens Sieg reichte es für den DSV-Vierer nur zu Platz sechs.

Wieder eine WM ohne Edelmetall?

"Wir haben alles versucht, ich habe noch einmal Platz vier angegriffen. Am Ende fehlte die Kraft. Schade, aber so ist es halt", sagte Fessel. Damit droht den deutschen Langläufern die zweite WM ohne Edelmetall in Serie, in der Männer-Staffel am Freitag sind Chancen der DSV-Starter ebenso gering wie in den langen Klassik-Rennen am Wochenende.

Die junge Victoria Carl sowie die arrivierten Sotschi-Olympiadritten Stefanie Böhler, Denise Herrmann und Fessel lagen nach 4x5 km 1:54,5 Minuten hinter Norwegen um die neue Rekordweltmeisterin Marit Björgen.

Von Beginn an Pech

Gastgeber und Olympiasieger Schweden (+29,2 Sekunden) holte sich vor Finnland (+30,9) Silber. Zu Bronze fehlten dem deutschen Team, das bereits durch die zweimal gestürzte Startläuferin Carl hoffnungslos zurückgefallen war, gewaltige 1:24, 6 Minuten.  

"Eine Staffel gewinnt zusammen und verliert zusammen", sagte Bundestrainer Frank Ullrich: "Das ist kein Hals- und Beinbruch. Wir müssen uns nun Gedanken machen, wie wir in den kommenden Jahren einen kontinuierlichen Leistungsaufbau realisieren können."

"Kein Vorwurf an Victoria"

Böhler nahm Nesthäkchen Carl in Schutz: "Kein Vorwurf an Victoria. Sie ist blutjung, wurde hier ins Fegefeuer geschmissen. Es hat heute insgesamt nicht sein sollen. Es fehlt derzeit an allem ein bisschen, auch am Glück."

Cross Country: Women's Relay - FIS Nordic World Ski Championships
Victoria Carl (r.) übergibt in Falun an Stefanie Böhler © Getty Images

Die zweifache Junioren-Weltmeisterin Carl, mit 19 Jahren die mit Abstand jüngste im Team, war für die formschwache Nystad ins Team gerückt. Die 37-Jährige, 2003 in Val di Fiemme mit der deutschen Staffel Weltmeisterin, hatte ihren Startplatz kurzfristig zur Verfügung gestellt.

Carl lief zunächst ein beherztes Rennen, musste aber auf ihrer zweiten Runde deutlich abreißen lassen. Beim ersten Wechsel auf Böhler lag die Thüringerin fast eine Minute hinter Platz drei.

"Ich war sehr nervös und habe vor dem Start extrem gezittert", sagte Carl: "Am Anfang habe ich mitgehalten, aber die Tempoverschärfung konnte ich nicht mitgehen. So schnell bin ich noch nicht."

Norwegen dominiert, Böhler kämpft

Während an der Spitze die Norwegerin Therese Johaug, Weltmeisterin im Skiathlon, und Schwedens Publikumsliebling Charlotte Kalla, Siegerin über 10 km, das Rennen bestimmten, bemühte sich Böhler verzweifelt um Anschluss. Einen Tag vor ihrem 34. Geburtstag stand sie aber auf verlorenem Posten, wechselte als Siebte rund 1:30 Minuten hinter Platz drei.

Herrmann bemühte sich um Schadensbegrenzung, Fessel lief sogar noch einmal an Platz vier heran. Die Entscheidung um Gold fiel, als Schwedens dritte Läuferin Maria Rydqvist stürzte, die Norwegerin Astrid Uhrenholdt Jacobsen davonzog - Superstar Björgen brachte den Vorsprung locker ins Ziel.

Wachablösung

Björgen, die in Falun schon den Sprint gewonnen hatte, löste die russische Langläuferin Jelena Wälbe als erfolgreichsten Teilnehmer bei nordischen Weltmeisterschaften ab. Wälbe hatte von 1989 bis 1997 ebenfalls 14 Titel geholt, allerdings insgesamt weniger Medaille als Björgen (17:20).

Zum dritten Mal in Folge verpasste die deutsche Frauen-Staffel eine WM-Medaille deutlich. 2011 in Olso (Platz fünf) fehlten 42 Sekunden zu Bronze, 2013 in Val di Fiemme (Platz sieben) 1:22 Minuten. Der dritte Rang in Sotschi war auch auf die Material-Pannen der Norwegerinnen zurückzuführen - die Weltspitze ist derzeit doch ein ganzes Stück weg.

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