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Langlauf-Bundestrainer Frank Ullrich bei der Tour de Ski in Oberstdorf
Das deutsche Langlaufteam von Bundestrainer Frank Ullrich blieb bei der WM in Falun ohne Medaille © Getty Images

Als Reaktion auf das schwache Abschneiden bei der WM will Langlauf-Bundestrainer Ullrich offenbar sein Amt niederlegen. Scharfe Kritik übt der 57-Jährige an seinem Vorgänger.

Langlauf-Bundestrainer Frank Ullrich hat nach dem schwachen Abschneiden seiner Athleten bei der WM in Falun seinen Rücktritt angeboten und seinen Vorgänger Jochen Behle scharf attackiert.

"Ich habe kein Problem damit, wenn der Verband sagt: Du bist nicht mehr der Richtige. Dann würde ich meinen Posten zur Verfügung stellen", sagte Ullrich der Tageszeitung Neues Deutschland (Dienstagausgabe).

 In Schweden waren die deutschen Langläufer zum zweiten Mal in Folge ohne WM-Medaille geblieben.

Auf die Kritik Behles (Bundestrainer von 2002 bis 2012), sein Training sei zu lasch und sein Anspruchsdenken zu niedrig, antwortete Ullrich extrem bissig. "Ich würde die Athleten nie öffentlich unter Druck setzen und dann schlachten, so wie es Jochen Behle früher gemacht hat. Es sind ja damals nicht umsonst viele Athleten zum Sportdirektor gefahren, weil sie nicht mehr mit ihm weiterarbeiten wollten", sagte er.

Wäre die Kritik von jemandem gekommen, "der 20 Jahre lang direkt am Sportler Erfahrung gesammelt hat, würde ich es annehmen", sagte Ullrich. "Aber Jochen Behle war Bundestrainer und hat sich selbst dargestellt. Die Arbeit machten die Heimtrainer von Tobias Angerer, Axel Teichmann oder Rene Sommerfeldt." Daher sei Behles Kritik für ihn irrelevant.

Behle (54) verwies in seiner Antwort auf die Erfolge seiner Amtszeit.

"Ich war stets ein Typ, der Dinge klar anspricht. Ich gehe nicht immer nur mit den Athleten konform, so wie Ullrich das jetzt macht. Wozu das führt, hat man ja am Ergebnis in Falun gesehen - das spricht für sich. Ich war erfolgreich", sagte er.

Ullrich (57), 1980 Sprint-Olympiasieger im Biathlon, erklärte, er habe trotz allem weiter Spaß an seiner Arbeit.

"Ich möchte Athleten durch schwierige Phasen begleiten, wie wir jetzt gerade eine haben. Der Mensch reift durch Niederlagen", sagte er.

Der Deutsche Ski-Verband (DSV) versicherte, eine Ablösung des Bundestrainers stehe nicht zur Debatte.

"Wir haben hier definitiv keine Krisensitzung, was die Position des Bundestrainers Langlauf angeht", sagte Pressesprecher Stefan Schwarzbach. "Wir waren ja auch nicht komplett überrascht, dass es keine Medaille gab, obwohl wir uns sicherlich eine oder zwei erhofft hatten."

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