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Severin Freund freut sich über Silber bei der Nordischen Ski-WM in Falun
Severin Freund freut sich über Silber bei der Nordischen Ski-WM in Falun © Getty Images

Dem WM-Silber folgen Superlative des Bundestrainers - und eine Kampfansage von Severin Freund an die "Altvorderen". Doch erst mal greift der Mann der kleinen Schritte auf der Großschanze an.

Weißflog, Schmitt, Hannawald - und jetzt auch Severin Freund. Im schwedischen Falun hat es der frisch gebackene Vizeweltmeister endgültig unter die ganz großen deutschen Skispringer geschafft, auch wenn es mit Einzel-Gold noch nicht klappen wollte.

"Diese Medaille bedeutet mir so viel. Ich bin einfach nur glücklich", sagte der Niederbayer nach einer der knappsten Entscheidungen der WM-Geschichte.

Ganze 0,4 Punkte fehlten Freund auf Überraschungs-Weltmeister Rune Velta aus Norwegen, doch der überragende Springer der vergangenen Wochen feierte Silber wie Gold. "Wenn du Zweiter wirst und einen geilen Wettkampf gemacht hast, ist das genauso viel wert wie ein Sieg", sagte der 26-Jährige, dem eine verpatzte Landung im ersten Durchgang den ganz großen Coup kostete.

Reifer, abgeklärter, nervenstärker

"Klar ärgert man sich einen Moment. Aber Medaille ist Medaille", sagte Freund, dessen zweiter Platz wohl höher einzuschätzen ist als sein Abbruch-Sieg bei der Skiflug-WM im vergangenen Jahr in Harrachov, ebenbürtig mit Team-Gold bei Olympia 2014.

Mit Silber in Falun erreichte der DSV-Adler den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere, und eine Ende des akribisch geplanten Aufstiegs ist noch nicht in Sicht.

Freund ist reifer geworden, abgeklärter, vor allem aber nervenstärker. Nach dem ersten Durchgang lag er auf Rang drei, eine gefährliche Position. Noch vor zwei Jahren hätte der einst als "ewiger Vierter" abgestempelte Freund die Medaille möglicherweise noch verspielt. Nun gab es für ihn nur eine Option: Angriff auf Gold.

Ein Mann der kleinen Schritte

Diese Stärke hat sich Freund hart erarbeitet, Jahr für Jahr ist er ein kleines Stück besser geworden.

"Dieses Silber passt irgendwie zu Severins Karriere. Er ist der Mann der kleinen Schritte, er gibt nie auf. Er macht weiter, und jetzt hat er seine erste Medaille", sagte Bundestrainer Werner Schuster und betonte: "Das ist eine gewonnene Medaille, keine verlorene."

Schon seit Wochen springt Freund wie entfesselt. Wer innerhalb von sechs Tagen das Fliegen auf dem Monsterbakken in Vikersund gewinnt und dann auf der kleinen 90-Meter-Schanze in Falun knapp an WM-Gold vorbeischrammt, gehört zur absoluten Weltklasse.

Schuster verteilt höchstes Lob

"Er ist derzeit der vielseitigste Springer der Welt", sagte Schuster, und auch Freund meinte durchaus stolz: "Das sagt viel über meinen Sprung aus und ist eine große Bestätigung."

Bis zu dieser Bestätigung war es ein langer Weg. Freund ist 26, andere Springer denken in diesem Alter schon fast an Rücktritt, haben bereits mit 16 ihre ersten Weltcup-Siege gefeiert.

Nicht so Freund. Der Wahl-Münchner war nie das Jahrhunderttalent wie Schlierenzauer, und doch ist er in der absoluten Weltspitze angekommen.

Keinen Halt vor großen Namen

Geht der Weg so weiter, ist noch viel möglich. In drei Jahren ist Olympia, Freund ist dann im besten Skisprung-Alter.

Spielt der Rücken mit, ist er dann auf dem Zenit seiner Karriere. Und ganz nebenbei steht ja am Donnerstag noch die WM-Entscheidung von der Großschanze an, auch da ist Freund Favorit.

Vor großen Namen macht der 14-malige Weltcup-Sieger jedenfalls nicht Halt. "Ich habe jetzt schon ein paar der Altvorderen in der Liste der Siege überholt. Martin Schmitt hatte 28, Hanni 18", sagte Severin Freund: "Auch da bin ich nicht mehr so wahnsinnig weit weg."

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