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Severin Freund küsst die Kristallkugel nach dem Gesamtweltcup-Sieg
Severin Freund küsst die Kristallkugel nach dem Gesamtweltcup-Sieg © Getty Images

Severin Freund sichert sich im spannendsten Finale der Geschichte den Gesamtweltcup. Für den Weltmeister erfüllt sich ein Traum. Auf der Karriereleiter steht er höher als erwartet.

Severin Freund schlug die Hände vor das Gesicht, dann sank er erleichtert in den Schnee und konnte sein Glück kaum fassen: Im spannendsten Finale der Weltcup-Geschichte hat der Niederbayer als dritter Deutscher den Skisprung-Gesamtweltcup (DATENCENTER: Weltcupstände) gewonnen.

"Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Dieses Ziel war das einzige, das ich für meine Karriere klar definiert hatte", sagte der 26-Jährige und fiel erst seiner Freundin Caren und dann Pechvogel Peter Prevc in die Arme.

Weltmeister Freund reichte beim Krimi im slowenischen Planica ein mäßiger siebter Platz, um sich die große Kristallkugel zu sichern. Der 26-Jährige lag mit 1729 Punkten am Ende in der Gesamtwertung gleichauf mit dem Slowenen Prevc, der ausgerechnet hinter seinem Landsmann Jurij Tepes Tageszweiter wurde.

"Dem Jurij muss ich heute Abend wohl einen ausgeben", sagte Freund und grinste.

Anzahl der Siege entscheidend

Erstmals in der Weltcup-Geschichte musste die Anzahl der Saisonsiege den Ausschlag im Kampf um die große Kristallkugel geben. Freund hatte mit seinen neun Erfolgen gegenüber Prevc mit nur drei klar die Nase von.

"Das ist der absolute Wahnsinn. Der Gesamtweltcup ist das Größte, was man als Skispringer gewinnen kann. Es war nicht mein Ziel, das schon diese Saison zu schaffen", sagte Freund, der erst vor drei Wochen in Falun WM-Gold von der Großschanze geholt hatte.

Lob der Legenden

Vor dem Niederbayern hatten aus deutscher Sicht nur Martin Schmitt (1999 und 2000) und Jens Weißflog (1984) die Gesamtwertung für sich entschieden. Sowohl Weißflog als auch Schmitt gratulierten ihrem Nachfolger dann auch prompt. "Du hast es geschafft, das war ein Riesen-Ding", sagte Weißflog in der ARD.

Der vor einem Jahr zurückgetretene Schmitt sprach von einer "Wahnsinns-Saison" des Rastbüchlers, Sven
Hannawald meinte angesichts des spannenden Finales: "Das bekommt selbst Steven Spielberg nicht hin."

Prevc vom Teamkollegen düpiert

Freund segelte auf der umgebauten Letalnica-Schanze in Planica auf 222,5 und 226 Meter. Für das Podest reichte es zwar nicht, doch ausgerechnet Tepes verhinderte den Triumph seines Landsmannes.

Der Slowene sprang im zweiten Durchgang starke 244 m, erhielt fünfmal die Traumnote 20,0 und fing den bis dahin führenden Prevc noch ab. Trösten durfte sich der 22-Jährige mit dem Gewinn des Skiflug-Weltcups, in dieser Gesamtwertung überholte er Freund noch.

Nächster großer Titel

Freund war das herzlich egal, krönte er doch mit der großen Kugel eine famose Saison. "Ich bin überglücklich, gerade weil es bei der Vierschanzentournee nicht nach Plan lief. Aber ich bin danach richtig in Form gekommen, dann gab es diese großartige WM und jetzt das. Wahnsinn", sagte Freund.

Der Wahl-Münchner hatte in Falun für das erste deutsche Einzel-Gold seit Schmitt 2001 in Lahti gesorgt, einzig bei der Tournee war er in keinem Springen über Rang acht hinausgekommen.

Zusammen mit Gold bei der Skiflug-WM 2014 hat Freund nun drei von fünf großen Titeln geholt, die es im Skispringen zu gewinnen gibt. Nur Einzel-Gold bei Olympia und der Tournee-Triumph fehlen noch in der Sammlung. Alle fünf Titel hat bislang nur der Finne Matti Nykänen gewonnen, sieben weitere Springer stehen bei vier großen Siegen, darunter Weißflog und Hans-Georg Aschenbach.

Deutschland gewinnt Nationenwertung

Die übrigen DSV-Adler zeigten am Sonntag eher mäßige Leistungen: Michael Neumayer, Markus Eisenbichler und Richard Freitag belegten die Ränge 19, 22 und 23. Stephan Leyhe verpasste als 31. den zweiten Durchgang.

Im Kampf um die Nationenwertung reichte es dennoch: Mit 5533 Punkten gewann Deutschland knapp vor Norwegen (5496). Erst einmal in der Weltcup-Geschichte, in der Saison 2001/02, hatten die DSV-Adler zuvor den begehrten Titel des besten Teams geholt.

Und so verabschiedete sich Freund mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht in einen wohlverdienten Kurzurlaub, ehe schon in wenigen Wochen die Vorbereitung auf die kommende Saison beginnt. "Wintersportler werden im Sommer gemacht", sagte Freund und scharrte mit den Hufen: "Ich freue mich schon jetzt auf die kommenden Aufgaben."

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