20 Millionen Euro beim FC Bayern übrig? Das wäre ein Irrtum
Hoeneß enthüllt internen Ärger nach Eberl-Aussage
Uli Hoeneß lobt die Transferbilanz des FC Bayern: Statt der eingeplanten 50 Millionen Euro Minus waren es am Ende nur rund 30 Millionen. Bedeutet das, dass der Rekordmeister nun 20 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung hat? So einfach ist die Rechnung nicht.
Es klang nach einer durchaus erfreulichen Nachricht für den FC Bayern. Uli Hoeneß erklärte jüngst, dass der Rekordmeister sein vorgegebenes Transferbudget unterschritten habe. Weil durch Spielerverkäufe fast 70 Millionen Euro eingenommen wurden, habe man unterm Strich nur rund 30 Millionen investiert – und damit weniger als die ursprünglich eingeplanten 50 Millionen.
Eine Rechnung, bei der man schnell auf einen Gedanken kommen kann: Dann müssten doch irgendwo noch 20 Millionen Euro übrig sein. Geld, das vielleicht für einen weiteren Transfer verwendet werden könnte. Oder für andere kostspielige Vorhaben wie eine Vertragsverlängerung mit Harry Kane. Doch genau hier wird es komplizierter.
„Es ist nicht so, dass diese 20 Millionen bei irgendwem an der Säbener Straße unterm Kopfkissen liegen. Es kommt natürlich darauf an, was in der Buchhaltung passiert“, erklärt SPORT1-Chefreporter Stefan Kumberger in der neuen Folge der „Bayern-Woche“.
Ablösesummen werden häufig nicht auf einen Schlag bezahlt
Hoeneß‘ Rechnung ist deshalb nicht falsch. Betrachtet man schlicht die Transfers dieses Sommers, haben die Münchner ihre Vorgabe sogar deutlich unterschritten. Vereinfacht gesagt: Rund 100 Millionen Euro wurden ausgegeben, knapp 70 Millionen eingenommen – macht etwa 30 Millionen Minus.
Doch für die finanzielle Bewertung eines Transfers ist eben nicht nur entscheidend, wie viel Geld für einen Spieler überwiesen oder eingenommen wird. „Uli Hoeneß hat Recht. In der Kasse ist mehr als man dachte. Aber in der Gewinn- und Verlustrechnung sieht das Ganze natürlich anders aus“, sagt Kumberger.
Denn gekaufte Spieler werden in der Bilanz mit einem Buchwert geführt. Die Ablösesumme wird über die Vertragslaufzeit abgeschrieben. Verlässt ein Profi den Verein, spielt es deshalb auch eine Rolle, mit welchem Wert er zu diesem Zeitpunkt noch in den Büchern steht. „Die Spieler haben ja einen gewissen Buchwert, die werden ja über die Jahre abgeschrieben. Es ist ein bisschen seltsam, über Fußballer so zu sprechen, als seien sie zum Beispiel Bagger in einem Bauunternehmen, aber so ist es“, erklärt Kumberger.
Hinzu kommt: Ablösesummen werden im internationalen Fußball häufig nicht auf einen Schlag bezahlt. Zahlungen können sich über mehrere Jahre verteilen. Der tatsächliche Geldfluss und das Ergebnis in der Gewinn- und Verlustrechnung sind deshalb zwei unterschiedliche Dinge. Wer Hoeneß‘ Aussagen so verstanden hat, als hätten die Bayern nun plötzlich einen frei verfügbaren 20-Millionen-Euro-Topf, aus dem etwa ein neuer Spieler oder ein Teil eines Kane-Vertrags finanziert werden könnte, greift also zu kurz.
FC Bayern erreicht wirtschaftliche Vorgaben
Die positive Nachricht bleibt dennoch bestehen: Die Verantwortlichen haben die wirtschaftliche Vorgabe für die Transferperiode erreicht – und sogar besser abgeschnitten als ursprünglich geplant. Oder wie Kumberger es zusammenfasst: „Die Millionen liegen nicht ungenutzt irgendwo herum. Vielmehr haben die Bayern eine Punktlandung bei den Transfers hingelegt.“
Die ganze Diskussion sowie alles zu den anderen aktuellen Brennpunkt-Themen rund um den Rekordmeister hören Sie in der neuen Ausgabe des SPORT1-Podcasts „Die Bayern-Woche“ mit Moderatorin Madeleine Etti und Chefreporter Stefan Kumberger.
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