Wenn zwei Wunderkinder nicht reichen
Das vermisst Ex-NFL Spieler Marcel Dabo besonders
Die Los Angeles Chargers stehen nach einem miesen Start in die Saison bereits unter Druck. Die Kritik gilt dabei vor allem zwei Personen.
Im American Football, speziell in der besten Liga der Welt, gilt eine Weisheit. Je mehr Turnover sich ein Team erlaubt, desto höher ist die Chance des Gegners, die Partie für sich zu entscheiden.
In Woche drei der neuen NFL-Saison unterliefen einer Franchise besonders viele Turnover: Die Buffalo Bills gaben sage und schreibe fünfmal den Ball ab. Zwei Interceptions, drei Fumbles lost – eigentlich schien alles wie gemacht für einen Sieg der Los Angeles Chargers. Eigentlich.
Denn die Chargers brachten es dennoch fertig, die Partie mit 16:24 zu verlieren. Die dritte Pleite im dritten Spiel, Fehlstart perfekt.
McDaniel kann nicht überzeugen
Dabei waren die Erwartungen doch eigentlich ganz andere, vor allem im Hinblick auf eine Verpflichtung. In der Offseason konnten die Verantwortlichen den langjährigen Dolphins-Head-Coach Mike McDaniel als Offensive Coordinator gewinnen.
Nach dessen Entlassung in Florida hatten gleich mehrere NFL-Teams um die Gunst des 43-Jährigen gebuhlt. Als sich dieser schließlich für L.A. entschied, war die Freude groß. Fans wie Experten erwarteten, dass der eigentlich hochtalentierte Quarterback Justin Herbert unter der Führung von McDaniel durch die Decke geht. Die Realität ist allerdings eine andere.
In den ersten drei Saisonspielen hat die Chargers-Offense im Schnitt weniger als 16 Punkte erzielt. Spielmacher Herbert hat dabei nur mickrige drei Touchdown-Pässe bei bereits vier Interceptions zustande gebracht.
Brady mit deutlicher Kritik
Die Kritik an beiden ist entsprechend groß. Quarterback-Legende Tom Brady, der beim Spiel zwischen den Bills und Chargers als Kommentator im Einsatz war, bildet dabei keine Ausnahme.
Zwar ließ sich der siebenmalige Super-Bowl-Sieger nicht zu einer Tirade hinreißen, er wies aber unerbittlich auf das schlechte Play Calling und die schlechte Entscheidungsfindung hin.
Nach der entscheidenden Interception, die Herbert Gegenspieler C.J. Gardner-Johnson förmlich in die Arme warf, konstatierte Brady: „Schlechte Spielübersicht, schlechte Entscheidung.“
Herbert doppelt im Kreuzfeuer
NFL-Insider Jordan Schultz schrieb später bei X, Brady sei über das Playcalling, speziell in der Red Zone, „geradezu verwirrt und verärgert“ gewesen. Ryen Russillo von Barstool ergänzte: „Er hat jedem von uns deutlich gemacht, dass er von der Leistung der Offensive einfach nur angewidert war, aber es wirkte nie bösartig.“
Neben den vielen enttäuschten Stimmen im Hinblick auf McDaniel bekommt vor allem auch Signal Caller Herbert Kritik zu spüren – auch, aber nicht nur sportlich.
Dass die Lage durchaus ernst ist, machte bereits die Aussage von Head Coach Jim Harbaugh deutlich. Als er am Montag auf die Entscheidungsfindung des 28-Jährigen angesprochen wurde, erklärte der Cheftrainer: „Er muss besser sein. Das treibt Justin an, das treibt mich an, das treibt seinen QB-Coach und Offensive Coordinator Mike McDaniel an. Das treibt uns alle an.“
Sherman: „Ich wäre besorgt“
Bemerkenswert: Noch in den Wochen zuvor hatte Harbaugh seinen QB stets vehement verteidigt und die Fehler bei anderen Spielern ausgemacht. Der Trainer ließ sich sogar zu der Aussage hinreißen, man werde sich an Herbert einmal als größten Quarterback der Historie erinnern.
Aussagen, mit denen der langjährige NFL-Profi Richard Sherman so gar nichts anfangen kann. „Wenn ich Jim Harbaugh wäre, wäre ich besorgt, denn alles, was ich von den Männern und Frauen auf verschiedenen großen Plattformen höre, die Justin Herbert verteidigen, ist, dass das Problem alle anderen außer Justin Herbert sind“, konstatierte er in seinem Podcast.
Der langjährige Seahawks-Star räumte zwar ein, dass Herbert durchaus Top-Spielzüge gezeigt habe, diese die Fehler und verpassten Chancen aber nicht aufwiegen.
„Alle anderen spielen nicht gut genug. Es tut mir leid, dass die Verteidigung, die ihm fünf Turnover beschert hat, nicht gut genug spielt“, sagte Sherman voller Sarkasmus. „Es tut mir leid, dass das nicht genug Unterstützung für Justin Herbert ist.“
Herbert-Verlobte als weiterer Kritikpunkt
Neben seiner sportlichen Leistung steht derweil auch das private Leben des Signal Callers im Fokus. So mehren sich vor allem online kritische Stimmen, die die Beziehung des Spielmachers zu Popstar Madison Beer für seine enttäuschenden Leistungen verantwortlich machen.
Die Sängerin, die inzwischen sogar seine Verlobte ist, war unlängst nämlich nicht nur auf der Tribüne im Stadion zu sehen, auch im Trainingslager schaute sie vorbei und zeigte sich küssend mit ihrem zukünftigen Ehemann auf dem Trainingsplatz.
Mangelt es dem Quarterback also am entsprechenden Fokus?
Schwere Gegner in den kommenden Wochen
Gewiss: Drei Pleiten bedeuten in der NFL noch lange nicht das Saisonaus. Die Chargers haben nach wie vor Zeit, die Saison zu drehen. Die Hoffnungen der Fans dürften sich nach den gezeigten Leistungen aber in Grenzen halten.
Zumal der Blick auf die kommenden Gegner nichts Gutes verheißt. Super-Bowl-Sieger Seattle Seahawks, Super-Bowl-Teilnehmer Kansas City Chiefs, dazu die L.A.Rams, die Denver Broncos und die Houston Texans – alles andere als einfache Gegner.
Weitere News
Von den Chargers muss mehr kommen, viel mehr. Angefangen damit, dass sagenhafte fünf Turnover nicht unbelohnt bleiben dürfen.