Niedergang eines NFL-Champions: Es wird immer merkwürdiger

Alle denken, das war's - dann das Unfassbare
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Alle denken, das war's - dann das Unfassbare

Die Philadelphia Eagles rutschen mehr und mehr in eine Abwärtsspirale. Ohnehin gibt der Super-Bowl-Sieger von 2025 aktuell ein merkwürdiges Bild ab.

Eigentlich schien doch alles so klar – hätte man zumindest meinen können. In Woche fünf der NFL-Saison 2026 standen sich im London Game die Philadelphia Eagles und die Jacksonville Jaguars gegenüber. In einem engen Spiel eroberten die Jaguars rund dreieinhalb Minuten vor dem Ende die Führung, ehe die Eagles nach Punts auf beiden Seiten bei noch eineinhalb verbleibenden Minuten noch einmal an den Ball kamen.

Philly arbeitete sich nach vorne und nur acht Sekunden vor dem Ablauf der offiziellen Spielzeit sorgte Kicker Jake Elliott für die knappe 17:16-Führung. Der Super-Bowl-Sieger aus dem Jahr 2025 jubelte, beim übertragenden US-Sender ESPN stellte man sich bereits auf einen Sieg der Birds ein.

Für Jalen Hurts und die Philadelphia Eagles geht es in der NFL gerade rapide bergab
Für Jalen Hurts und die Philadelphia Eagles geht es in der NFL gerade rapide bergabFür Jalen Hurts und die Philadelphia Eagles geht es in der NFL gerade rapide bergab© IMAGO/Shutterstock

Als Eagles-Spielmacher Jalen Hurts eingeblendet wurde, hieß es von den Kommentatoren: „Wir haben schon vor dem Spiel über Jalen Hurts gesprochen. Dieser Typ macht nichts anderes, als zu gewinnen.“

Doch dem war nicht so.

Eagles werfen Sieg noch weg! Sirianni nimmt Schuld auf sich

Den Kickoff nach dem Field Goal der Eagles trug Jacksonvilles Returner Ameer Abdullah über 53 Yards hinweg bis an die 35-Yard-Linie, in der letzten Sekunde traf Kicker Cam Little schließlich aus 57 Yards per Field Goal zum Sieg.

Spieler und Trainer der Jags rasteten aus, Kontrahent Philadelphia lag nach dem Verlust des eigentlich sicher geglaubten Sieges am Boden.

DEINE MEINUNG

Und der Schuldige war schnell gefunden. „Ich habe nicht die richtige Entscheidung getroffen. Ich habe uns dieses Spiel gekostet“, gab Head Coach Nick Sirianni auf der Pressekonferenz nach der Partie unumwunden zu: „Daran führt kein Weg vorbei. Dazu gibt es nichts weiter zu sagen. Ich habe meinen Job in dieser Situation nicht gut genug gemacht.“

Heftige Kritik am Cheftrainer

Dem konnte auch Quarterback Hurts nicht widersprechen. Als er von den Journalisten nach dem Spiel gefragt wurde, warum die Eagles bei ihrem letzten Ballbesitz nicht mehr Zeit von der Uhr genommen haben, machte er klar: „Letztendlich ist das nicht meine Aufgabe.“

Neben unzähligen Eagles-Fans, die in den sozialen Netzwerken mal wieder ihre Abneigung gegen Sirianni zum Ausdruck brachten, wählten auch Experten deutliche Worte.

Der frühere Running Back Damien Harris zeigte sich beim US-Sender CBS völlig entsetzt. „Ich kann gar nicht fassen, was ich gerade gesehen habe. Die Tatsache, dass Nick Sirianni die Eagles in eine Lage gebracht hat, in der sie dieses Footballspiel verlieren konnten…“

Und weiter: „Das war nichts weniger als ein Trainer-Fehler. Ich glaube, dass man ihn für einige seiner Entscheidungen nicht genug kritisieren kann. Es war einfach entsetzlich.“

Niedergang eines Super-Bowl-Champions

Für Philly war die Niederlage im London Game die dritte Pleite in Folge. Zwar ist eine Bilanz von 2-3 nach fünf Spielen noch lange keine Katastrophe, dennoch haben sich die Sorgen in der Stadt der brüderlichen Liebe weiter verschärft. Zumal die Franchise aktuell ohnehin ein merkwürdiges Bild abgibt.

20 Monate ist es her, dass die Eagles in einer wahren Machtdemonstration gegen die Kansas City Chiefs den Super Bowl gewannen. Seitdem ist viel passiert.

Sorgen um Quarterback Hurts

Zuletzt kamen auch noch ernste Sorgen um Quarterback Hurts hinzu: Der 28-Jährige fällt wegen eines oberflächlichen Blutgerinnsels in der Wade für das Spiel gegen die Carolina Panthers am Sonntag aus.

Während der Niederlage gegen die Los Angeles Rams (20:24) in Woche vier  war ihm ein Gegenspieler auf die Wade getreten. Hurts wurde behandelt, obwohl noch vor der Partie in London ein oberflächliches Blutgerinnsel festgestellt wurde, sahen die Ärzte aber zunächst kein Risiko und ihn für das Duell mit den Jags frei.

Eine Nachuntersuchung am Mittwoch ergab jedoch, dass sich das kleine Blutgerinnsel bewegt hatte. Hurts wurde deshalb für das Duell mit Carolina aus dem Verkehr gezogen. Die Ärzte sollen nun über die geeignete Behandlung entscheiden. „Seine Gesundheit und Sicherheit haben für uns oberste Priorität“, erklärte der Klub.

Verletztenmisere bei den Philadelphia Eagles immer schlimmer

Der Hurts-Ausfall kommt zur Unzeit, mitten in der Krise muss jetzt Ersatzmann Tanner McKee ran – der 26-Jährige ist erst im 3. NFL-Jahr und hat gerade einmal sechs Spiele gemacht (54 von 88 Pässen angebracht, fünf Touchdowns bei einer Interception).

Andererseits fügt sich die Hiobsbotschaft bei Hurts ins große Bild bei den Eagles. Star-Receiver Devonta Smith verpasste die vergangenen zwei Spieler mit einer Oberschenkelverletzung, Running Back Saquon Barkley schleppt plagt sich ebenfalls mit einer Oberschenkelverletzung herum und verpasste das Duell mit den Jags und wackelt auch fürs Spiel gegen die Panthers.

Überraschender Trade und sofortiges Karriereende

Zusätzlich sorgen aber auch Entscheidungen der Eagles-Bosse für Stirnrunzeln. Erst vor wenigen Tagen wurde mit Cam Jurgens der Starting-Center völlig überraschend zu den Baltimore Ravens getradet. 2

022 wurde er in der zweiten Runde von den Eagles gedraftet und trat im Anschluss die Nachfolge von Franchise-Legende Jason Kelce an. Jurgens gehört zu den besten Spielern seiner Position und schaffte es in den zurückliegenden beiden Jahren in den Pro Bowl.

Was General Manager Howie Roseman zu dieser Entscheidung veranlasste, erschloss sich den meisten Experten und Fans bisher nicht. Zumal die Eagles damit innerhalb kürzester Zeit den dritten Starter ihrer O-Line verloren haben.

Neben der Verletzung von Left Guard Landon Dickerson hatte am Tag des Jurgens-Trades – und damit mitten in der laufenden Saison – Right Tackle Lane Johnson sein sofortiges Karriereende verkündet.

Wollen die Eagles tanken?

Eigentlich alles Anzeichen dafür, dass ein Team „Tanking“ betreiben will – also so schlecht wie möglich abschneiden, um im kommenden NFL-Draft einen Pick weit vorne zu bekommen. In einer derartigen Situation sollten die Eagles mit Hurts und Barkley aber nicht sein. Und dennoch: Die Skepsis in Richtung der Eagles ist nicht wegzudiskutieren.

Ex-Tackle und TV-Analyst Terron Armstead vertrat jüngst bei CBS eine klare Meinung. „Für die Eagles ist die Saison vorbei. Man tradet nicht seinen Pro-Bowl-Center am selben Tag, an dem man seinen überragenden Tackle verliert, wenn man nicht vorhat, etwas grundlegend anders zu machen.“

Die Aussagen von GM Roseman lassen diesen Schluss aber zumindest öffentlich nicht zu. So erklärte er, man wolle in dieser Saison „das letzte Spiel“ gewinnen. Gemeint war damit der Super Bowl.

Vor dem Duell mit den Carolina Panthers in Woche sechs stehen die Eagles nun an einem Wendepunkt. Geht die Pleitenserie weiter? Oder findet die Franchise wieder in die Spur?

Gut für Philly: Auch die drei anderen Teams aus der NFC East konnten in Woche fünf keinen Sieg einfahren. Das Rennen bleibt also eng.