Er wird immer mehr zu Englands Hassfigur

Carrick deutlich: "Dann ist das hier nichts für dich"
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Carrick deutlich: "Dann ist das hier nichts für dich"

Lisandro Martínez rudert nach seinem Rundumschlag gegen die Führung von Manchester United nicht wirklich zurück. Auf der Insel wächst der Unmut über den Argentinier weiter. Dabei reicht die Abneigung über seine jüngsten Aussagen hinaus.

Erst der Rundumschlag gegen die Klubführung von Manchester United, dann die halbherzige Relativierung und letztlich wohl eine Geldstrafe. Lisandro Martínez sorgt einmal mehr für Schlagzeilen in England – und macht sich dort weiter wenig Freunde.

Nach seinen viel diskutierten Aussagen gegen die Verantwortlichen der Red Devils bezog der Argentinier gleich mehrmals – einen vollständigen Rückzieher machte der argentinische Nationalspieler erst im zweiten Schritt. Zunächst räumte er ein, nach der 0:2-Niederlage in der Champions League bei Atlético Madrid aus „Wut und Frustration“ gesprochen zu haben, an seiner grundsätzlichen Forderung nach mehr Ambition im Verein hielt der Innenverteidiger jedoch fest.

Lisandro Martínez sorgte einmal mehr auf der Insel für großes Aufsehen
Lisandro Martínez sorgte einmal mehr auf der Insel für großes AufsehenLisandro Martínez sorgte einmal mehr auf der Insel für großes Aufsehen© IMAGO/Action Plus

Mit seinen Aussagen hatte Martínez unmittelbar nach dem Spiel für erheblichen Wirbel gesorgt. Der 28-Jährige kritisierte die Transferpolitik des Klubs und nahm insbesondere Sportdirektor Jason Wilcox ins Visier.

„Ich erwarte mehr von unserem Sportdirektor“, hatte Martínez erklärt. Zwar müssten die Spieler selbst Verantwortung übernehmen, gleichzeitig sei es aber entscheidend, einen Kader zusammenzustellen, der für solche Aufgaben gerüstet sei.

Der Abwehrspieler verwies zudem auf die starke Vorsaison und machte deutlich, dass Manchester United den eigenen Ansprüchen gerecht werden müsse. „Wir erwarten mehr von der Klubspitze, mehr Spieler, um konkurrenzfähig zu bleiben“, betonte Martínez. Trainer Michael Carrick nahm er dabei ausdrücklich in Schutz.

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Martínez: „Werde meinen Mund nicht halten“

In einem weiteren Interview nach dem Spiel bekräftigte Martínez seine Kritik. Dort erklärte er unter anderem: „Ich werde meinen Mund nicht halten.“ Außerdem stellte er infrage, warum in der Dauerkrise häufig nur über Trainerwechsel gesprochen werde. „Was ist mit anderen Bereichen?“, fragte der argentinische Nationalspieler.

Später bemühte sich Martínez um eine Einordnung seiner Aussagen. In einer Stellungnahme erklärte er, sein Wunsch nach „mehr“ beziehe sich auf den Ehrgeiz, den alle im Verein haben müssten, um wieder auf höchstem Niveau bestehen zu können. Gleichzeitig betonte er, dass die Verantwortung in erster Linie bei den Spielern liege.

„Wir Spieler müssen liefern, und ich nehme mich dabei an die erste Stelle“, stellte Martínez klar. Er glaube an seine Mitspieler, an Carrick und an alle Mitarbeiter des Vereins. Der Weg zurück an die Spitze könne nur gemeinsam gelingen.

Nach Informationen des Journalisten Ben Jacobs wurde Martínez nach einer Aussprache mit der Klubspitze mit einer Geldstrafe belegt. Anschließend entschuldigte er sich auch ausdrücklich: „Unser Verein ist am besten, wenn wir alle vereint sind und ich erkenne an, dass meine Worte in diesem Moment nicht hilfreich waren.“

Wayne Rooney übt deutliche Kritik

Viele Freunde hat er sich in England trotzdem nicht gemacht. Selbst Kritiker der Transferpolitik Uniteds sehen die öffentliche Abrechnung eines Führungsspielers in einer ohnehin angespannten Situation als unnötigen Brandbeschleuniger.

Klublegende Wayne Rooney kritisierte Martínez als TV-Experte für Prime Video scharf: „Ich denke, er ist vielleicht etwas zu weit gegangen. Das hätte intern bleiben müssen.“ Zwar könne er nachvollziehen, dass Martínez mehr Investitionen fordere, doch die Art und Weise, dies zu kommunizieren, sei nicht hilfreich.

Besonders kritisch sieht Rooney die Wirkung auf die Mannschaft. „Das ist den Teamkollegen gegenüber etwas respektlos“, meinte der frühere United-Kapitän. Martínez suggeriere damit, dass die vorhandenen Spieler nicht gut genug seien. Zudem werde das Interview beim kriselnden Rekordmeister nur für zusätzliche Unruhe sorgen.

Martínez sorgt mit Plakat in England für Aufregung

Dass Martínez in England generell eher kritisch gesehen wird, hat Gründe. Den Sieg im WM-Halbfinale gegen England im Sommer feierte er auf dem Platz, indem er mit Teamkollege Giovani Lo Celso ein Plakat präsentierte mit der Aufschrift: „Las Malvinas son argentinas“ („Die Falklandinseln sind argentinisch“).

Mit dem Schriftzug soll Argentiniens Anspruch auf die Falklandinseln untermauert werden, um die Argentinien und Großbritannien 1982 Krieg führten. Damals starben insgesamt 907 Menschen. Heute betrachtet Großbritannien die Inseln im südlichen Atlantik als britisches Überseegebiet.

Das Plakat sorgte in britischen Medien für scharfe Kritik. Einige Stimmen forderten Konsequenzen für Martínez, vereinzelt wurde sogar ein Entzug des Visums gefordert.

Auch auf dem Platz fällt Martínez negativ auf

Doch auch sportlich fiel der Verteidiger bereits negativ auf. Seine extrem aggressive Spielweise überschreitet selbst für englische Verhältnisse teilweise die Grenze des Akzeptablen.

Unter anderem gab es viel Kritik nach seinem brutalen Einsteigen gegen den Ex-Frankfurter Daichi Kamada im Spiel gegen Crystal Palace. Gegnerische Fans werfen ihm immer wieder vor, die Gesundheit anderer Spieler mutwillig aufs Spiel zu setzen.

Mit seiner jüngsten öffentlichen Abrechnung hat Martínez es nun auch geschafft, dass er unter den United-Anhängern für polarisierende Reaktionen sorgt. Einige sehen in Martínez einen echten Anführer, für immer mehr Engländer ist er allerdings auch zu einer Art Hassfigur geworden.