Eine große Fehleinschätzung des DFB

Nicht der Rekord! Was Bayer-Coach an Schick begeisterte
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Nicht der Rekord! Was Bayer-Coach an Schick begeisterte

Ibrahim Maza scheint in seinem zweiten Jahr bei Bayer Leverkusen immer wichtiger zu werden. Was für die Werkself eine gute Nachricht ist, dürfte beim DFB aber nicht ausnahmslos positive Gedanken entfachen.

Es ist eine besondere Mischung, die Ibrahim Maza bei seinen Auftritten vor den Journalisten auszeichnet. Mal wirkt er verschmitzt, manchmal schüchtern, dann wieder aufgeweckt und humorvoll. Vor allem aber gibt sich der 20-Jährige bescheiden, fast schon demonstrativ zurückhaltend. Die eigenen Leistungen würde er nie größer machen, als sie sind. Selbst dann nicht, wenn er eigentlich allen Grund dazu hätte. So wie beim knappen 2:1 von Bayer Leverkusen gegen den SC Freiburg etwa, als er mit einem Treffer und einer wunderbaren Vorlage maßgeblichen Anteil am Erfolg hatte.

„Manche Dinge habe ich trotzdem noch falsch gemacht. Ich glaube, wenn man keine Fehler macht, ist man nicht mutig genug“, antwortete Maza am Sonntag in der Mixed Zone auf die Frage, ob das eine perfekte Leistung von ihm gewesen sei, und lachte. Natürlich, Kleinigkeiten gibt es immer, die noch besser laufen könnten. Doch dass an diesem Nachmittag vieles für ihn sprach, musste er auch gar nicht eigens betonen. Eine Szene genügte, um zu zeigen, wie viel Klasse in ihm steckt. Und sie weckte Erinnerungen an einen Spieler, mit dem Maza quasi seit seiner Ankunft im Rheinland verglichen wird: Florian Wirtz.

Ibrahim Maza wird für Bayer Leverkusen immer wichtiger
Ibrahim Maza wird für Bayer Leverkusen immer wichtigerIbrahim Maza wird für Bayer Leverkusen immer wichtiger© IMAGO/Uwe Kraft

Bayer Leverkusen: Maza erinnert an Wirtz-Treffer

Die Freiburger werden es noch wissen. Vor fast genau drei Jahren, ebenfalls in der BayArena, ebenfalls vorne rechts, setzte Wirtz zu einem Dribbling an, das sich tief ins Gedächtnis einbrannte. Mit Übersteigern, Haken und einer kaum zu verteidigenden Leichtigkeit ließ er Nicolas Höfler stehen, ehe er den Ball nach 14 Kontakten im Tor unterbrachte. Monate später kürte die Sportschau die Aktion zum „Tor des Jahres“. Nun sorgte Maza für einen Moment, der zumindest in eine sehr ähnliche Richtung ging. Ein Tänzchen auf engstem Raum, bei dem all seine Gegenspieler nur Statisten waren.

Was war passiert? 76. Minute, Maza an der Torauslinie. Ein Ball, den viele längst abgeschrieben hätten, hielt der Leverkusener Spielmacher mit verblüffendem Geschick im Spiel. Erst ließ er Yannik Engelhardt und Niklas Beste stehen, Engelhardt bekam dabei einen Beinschuss verpasst. Anschließend narrte Maza, der schon im ersten Durchgang den zwischenzeitlichen Führungstreffer von Derry Scherhant ausgeglichen hatte, auch noch Jordy Makengo und spielte präzise zu Patrik Schick. Der Tscheche bedankte sich und musste aus sechs Metern nur noch einschieben.

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Schick wusste sofort, wem er diesen Treffer zu verdanken hatte, und zeigte mehrfach auf seinen Vorlagengeber. Teamkollege Aleix Garcia wiederum schlug die Hände vors Gesicht, als könne er kaum glauben, was er da gerade gesehen hatte. Solche Aktionen, in dem Fall die spielentscheidende, habe er einst auf Bolzplätzen gelernt, erklärte Maza später. „Ich bin so aufgewachsen. Man macht mit dem Ball einfach, was man denkt, was einem gerade einfällt“, sagte er und führte weiter aus: „Manchmal klappt es, manchmal nicht. Diesmal hat es zum Glück geklappt.“

Maza hätte auch für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen können

In Leverkusen dürften sie das mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben. Schließlich entwickelt sich Maza immer mehr zu einem Spieler, der Partien alleine entscheiden kann. Zu einem, der den Unterschied macht. Allerdings wirft seine Entwicklung auch eine Frage auf, die beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) inzwischen für einiges Kopfzerbrechen sorgen dürfte: Was wäre, wenn dieser Spieler für Deutschland auflaufen würde? Bundestrainer Jürgen Klopp, der auf der Tribüne saß, konnte sich selbst ein Bild von Mazas Fähigkeiten machen. Für ihn kommt der gebürtige Berliner aber nicht mehr infrage.

Denn dem DFB ging Maza durch die Lappen – ein wohl großer Fehler. Etwa zwei Jahre ist es her, als Hannes Wolf, damals Nachwuchs-Sportdirektor und U20-Trainer, in der SPORT1-Sendung Doppelpass über den früheren Profi von Hertha BSC sprach: „Er hat die Nummer 10 bei Hertha, schießt Tore, war zuletzt bei uns und wird sich jetzt trotzdem für Algerien entscheiden.“ Als offensiver Spieler im Mittelfeld müsse sich Maza mit Wirtz, Jamal Musiala und Paul Wanner messen: „Das heißt, er hat das Gefühl: Die Position ist zu.“

Wolf machte damit live im Fernsehen öffentlich, dass Maza künftig für das Heimatland seines Vaters antreten werde. Von der U17 bis zur U21 hatte er zuvor sämtliche Nachwuchsauswahlen des DFB durchlaufen. Was damals noch nicht unbedingt wie ein schmerzhafter Verlust gewirkt haben mag, könnte die Verantwortlichen längst deutlich mehr beschäftigen. Klopp hätte einen solchen Dribbler aller Voraussicht nach mit Kusshand genommen. Immerhin hat Maza seither einen erstaunlichen Reifeprozess durchlaufen.

Eine wichtige Rolle spielte dabei Xabi Alonso. Der Ex-Bayer-Trainer überzeugte Maza im vergangenen Jahr davon, den Schritt aus der 2. Bundesliga von Hertha BSC nach Leverkusen zu wagen. Alonso traute Maza zu, eines Tages zur Weltspitze zu gehören, und scheute dabei auch den Vergleich mit eben jenen Musiala und Wirtz nicht. Das Vorhaben: den jungen Spielmacher behutsam an das höchste Niveau heranführen, ihm aber zugleich Matchpraxis und Pflichtspiele zu ermöglichen. Bislang geht die Rechnung auf.

Bayer Leverkusen: Maza wird immer mehr zum Unterschiedsspieler

Maza hat sich in Leverkusen fest etabliert, absolvierte in gut einem Jahr mehr als 50 Pflichtspiele, machte auch auf der Champions-League-Bühne auf sich aufmerksam und setzte für Algerien bei der vergangenen Weltmeisterschaft ebenfalls Akzente. Mittlerweile stehen 21 Länderspiele für ihn zu Buche. Und der Aufstieg des Edeltechnikers ist so rasant, dass er zuletzt sogar für den Nachwuchspreis des Ballon d’Or nominiert wurde. Zu den Mitbewerbern zählen unter anderem Lamine Yamal sowie Lennart Karl. 

All das hilft Klopp – anders als Bayer – nicht mehr.  Ob dem Bundestrainer Mazas Auftritt gegen Freiburg dennoch gefallen habe? „Ich weiß nicht, was er sich gedacht hat. Ich hoffe, er findet mich gut als Spieler. Aber klar, ich bin ja jetzt algerischer Nationalspieler und stolz darauf“, betonte der Matchwinner selbst und machte ganz nebenbei noch schnell Werbung für einen alten Bekannten aus Berliner Zeiten: „Ich glaube, Deutschland hat auch einen super Spieler mit Derry Scherhant. Ein alter Teamkollege. Der hat es auch super gemacht. Ich hoffe, er wird ein großer deutscher Nationalspieler.“

Die Rheinländer haben derweil wenig Grund zur Klage. Schon in der vergangenen Saison ließ Maza sein außergewöhnliches Potenzial immer wieder aufblitzen, blieb in seinen Leistungen aber mitunter zu wechselhaft. Für die neue Spielzeit hatte er sich deshalb einiges vorgenommen. Bessere Entscheidungen auf dem Platz, mehr Zug zum Tor und mehr Präzision beim Abschluss. Stand jetzt? Ist der richtige Weg eingeschlagen. Bleibt er weiterhin auf diesem Kurs, dürften die Vergleiche mit Wirtz nicht so bald verstummen.

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