Von "grausam" bis "überragend": Büskens über das 4:4 im Revierderby
teilenE-MailKommentare

Gelsenkirchen - Auch ein Jahr nach dem 4:4 im Revierderby ist die Aufholjagd der Schalker noch in den Köpfen aller Fans. Bei SPORT1 erinnert sich Mike Büskens an das legendäre Spiel.

Was sich an jenem 25. November im Signal-Iduna-Park abspielte, ging in die Bundesliga-Geschichte ein. Gerade einmal 25 Minuten sind damals gespielt, als das Dortmunder Stadion zu einem Tollhaus wird.

4:0 steht es zu diesem frühen Zeitpunkt und während sich die BVB-Fans glückselig in den Armen liegen, herrscht auf Schalker Seite ungläubiges Schweigen. Einige Fans machen sich bereits auf die Heimreise, um sich das offenkundige Debakel zu ersparen.

65 Spielminuten Minuten und vier Knappen-Tore später kehren sich die Gefühlslagen der beiden Rivalen komplett um: Die unglaubliche Aufholjagd der Gäste reißt die Dortmunder Anhänger jäh aus ihren Jubelgesängen, während Schalkes Fans eskalieren.

ANZEIGE: Jetzt die Trikots von Schalke 04 oder Borussia Dortmund sicher - hier geht es zum Shop!

Einer, der das Geschehen von der Tribüne verfolgt, ist Mike Büskens. Vor dem neuerlichen Derby (Bundesliga: FC Schalke 04 - Borussia Dortmund, Sa. ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) erinnert sich Schalkes Eurofighter bei SPORT1 an die geschichtsträchtigen 96 Minuten.

Mike Büskens: "Es sah richtig übel aus"

15.30 Uhr: Schiri Deniz Aytekin pfeift die Partie der beiden Erzrivalen an. Die Borussen sind nach ihrem Raketenstart unter Trainer Peter Bosz zuletzt böse abgestürzt, während sich Schalke als erster Bayern-Verfolger etabliert hat. Die Voraussetzungen sind für die Knappen demnach günstig, während der BVB vor der kommenden Jahreshauptversammlung unter gewaltigem Erfolgsdruck steht. 

Wieso tragen einige BVB-Spieler blaue Schuhe, Herr Zorc?

Büskens: "Ich war in der Loge von Veltins. Dort habe ich das Spiel mit zwölf Gewinnern eines Gewinnspiels geschaut. Es begann sehr gut, die Stimmung war ausgelassen und sehr positiv."

15.43 Uhr: Pierre-Emerick Aubameyang macht den Anfang im Dortmunder Scheibenschießen. Die BVB-Führung trübt die Stimmung der Gästefans, die in den folgenden Minuten förmlich in den Keller rauscht.

15.56 Uhr: 13 Minuten später steht es sage und schreibe 4:0 für den BVB. Ein Eigentor von Benjamin Stambouli und die Treffer von Mario Götze und Raphael Guerreiro besiegeln scheinbar bereits Schalkes Niederlage. So jedenfalls die Stimmung im Stadion.

Raphael Guerreiro erzielte das 4:0 © Imago

Büskens: "Zwischendurch war die Stimmung total grausam. 0:4 fühlt sich richtig scheiße an. Jeder Schuss war ein Treffer, es sah richtig übel aus."

Büskens' Scherz bewahrheitet sich

16:17 Uhr: Das 4:0 für die Borussia ist gleichzeitig auch der Halbzeitstand. Während die Südtribüne in Dauerjubel ausbricht, schauen sich die Schalker Anhänger entgeistert an. Manche befinden sich schon auf dem Heimweg. 

Büskens: "Ich dachte mir, 'Ok, um 17.15 Uhr ist das Spiel zu Ende, 17.20 Uhr sitze ich im Auto und wenige Minuten später bin ich zu Hause'. An so ein Ende hat in diesem Moment definitiv keiner gedacht. Hier gab es ein Tippspiel vor Spielbeginn. Und mit dem 0:4 zur Halbzeit war klar, dass keiner mehr als Gewinner rausgehen wird. Die Stimmung war grausam, du hättest Antidepressiva verteilen können. Dann habe ich aus Spaß gesagt, dass man auswärts auch mal mit einem Punkt zufrieden sein muss (lacht). Tja, und ich habe Recht behalten. Aber natürlich hätte davon keiner zu träumen gewagt, als dieser Spruch gefallen ist."

16.44 Uhr: Aubameyang vergibt leichtfertig die große Chance auf das 5:0. Die BVB-Fans raufen sich die Haare, bleiben aber angesichts des Spielstands entspannt.

Büskens: "Dortmund hatte noch eine riesige Chance zum 5:0. Aubameyang war in einer Situation zu eigensinnig und hätte eigentlich nur querpassen müssen. Dann hätte einer seiner Mitspieler den Ball nur ins leere Tor schieben können. So konnte Ralle (Ralf Fährmann, d.R.) ihm den Ball vom Fuß angeln." 

So erlebten die Fans das Jahrhundert-Derby

16.53 Uhr: Mit einem Doppelschlag innerhalb von vier Minuten meldet sich Schalke unverhofft zurück. Die Tore von Guido Burgstaller und Amine Harit lassen bei den königsblauen Anhängern doch noch eine leise Hoffnung aufkommen.

Büskens: "Es war schon deutlich zu spüren, dass der BVB dann ängstlicher wurde. Der BVB war in dieser Phase nicht stabil genug, um mit diesen Rückschlägen umzugehen - obwohl sie ja immer noch 4:2 in Führung lagen."

17.00 Uhr: Aubameyang lässt sich zu einem unnötigen Foul gegen Harit hinreißen und sieht die Gelb-Rote Karte. Auf der Südtribüne macht sich langsam Unbehagen breit - vor allem weil Schalke weiter Gas gibt.

"Da hat man gemerkt, dass der Kopf eine ganz große Rolle spielt"

17.13 Uhr: Daniel Caligiuri trifft nach einem Solo-Lauf in den Torwinkel. Nur noch 4:3 für Dortmund - und während BVB-Fans allmählich Panik bekommen, glauben die Schalker langsam an das Wunder. 

"Er ist die Stellschraube beim BVB" - Tedesco adelt Reus

Büskens: "Die Dortmunder Unsicherheit war bei Caligiuris Tor zu spüren. Der spaziert durch den Sechzehner, er wird begleitet aber nicht verteidigt. Da hat man gemerkt, dass der Kopf eine ganz große Rolle spielt."

Büskens sicher: Schalke hätte den BVB sogar noch besiegt

17.21 Uhr: Wie wild rennen die Gäste auf das Tor von Roman Bürki. Es gibt Eckball - und jeder im Stadion weiß, was jetzt kommt. Der Ball kommt punktgenau auf Naldo, der ihn zum 4:4 in die Maschen köpft. Entsetzen bei den BVB-Fans, Ekstase im Schalke-Block. 

Naldo besorgte in der Nachspielzeit das 4:4 © Getty Images

Büskens: "Aus Sicht eines Trainers ist es eigentlich unerklärlich, was sich in der Nachspielzeit abgespielt hat. Naldo ist im letzten Jahr der Schalker Zielspieler bei Standards gewesen - und sie konnten ihn trotzdem in diesem Moment nicht verteidigen. Es war ja nicht so, dass Naldo große Probleme hatte, diesen Ball einzuköpfen. Für diese Situation, für diesen Spielstand kam er ja relativ frei zum Kopfball. Und das ist etwas, was dich als Trainer verrückt macht."

17.25 Uhr: Der Wahnsinn hat ein Ende. Nach einem 0:4-Rückstand gelingt Schalke das Unvorstellbare - ein 4:4.

Büskens: "Dass so ein Spiel kippt, ist rational gar nicht zu erklären. Nach einem 4:0! In einer Million Fälle passiert das auf diesem Niveau vielleicht ein Mal, dass du so ein Spiel noch drehst. Der BVB ist mit jedem Gegentor passiver geworden. Ich glaube, wenn wir noch einige Minuten länger gespielt hätten, dann wäre das Spiel komplett gekippt."

Nächste Artikel
previous article imagenext article image