Deutschland verpasst Medaillencoup

Nach Platz vier: DBB-Star kämpft mit den Tränen
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Nach Platz vier: DBB-Star kämpft mit den Tränen

Eine starke WM endet für die deutschen Basketball-Frauen am Ende ohne eine Medaille. Das DBB-Team unterliegt wie schon zum Auftakt Spanien deutlich. Danach fließen bittere Tränen.

Bei Leonie Fiebich flossen die Tränen, auch Frieda Bühner und Lina Sontag stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Nach der Niederlage im Bronzespiel gegen Spanien trösteten sich die deutschen Basketballerinnen auf dem Berliner Parkett gegenseitig, es war bitter nötig.

Denn am Schlusstag der Heim-WM platzte der Traum von einer Medaille jäh, das Kleine Finale ging 24 Stunden nach der Halbfinalniederlage gegen Frankreich beim 58:81 (36:40) ebenfalls klar verloren. Und dennoch war das Heimturnier ein Erfolg, ein Riesenschritt nach vorn – bei aller Trauer.

Leonie Fiebich brauchte Trost nach der verpassten WM-Medaille mit Deutschland
Leonie Fiebich brauchte Trost nach der verpassten WM-Medaille mit DeutschlandLeonie Fiebich brauchte Trost nach der verpassten WM-Medaille mit Deutschland© IMAGO/DeFodi Images

Fiebich: „Nicht gut genug, um eine Medaille zu gewinnen“

„Es schmerzt einfach gerade, es ist tough“, sagte Fiebich sichtlich angefasst bei MagentaTV, sie spüre „viel Enttäuschung, viel Frust: „Es darf wehtun, es muss auch wehtun, wir müssen den Schmerz mitnehmen, um besser zu werden. Wir haben gesehen, dass wir nicht gut genug sind, um eine Medaille zu gewinnen. Deshalb müssen wir besser werden – als Team, aber auch als Einzelspielerin. Deshalb muss der Schmerz mitgenommen werden.“

Das sah auch Bühner so. Aktuell sei es zwar „scheiße“ und „total enttäuschend“, denn: „Wir hatten die große Chance und haben sie jetzt nicht genutzt.“ Aber sie gab Fiebich recht, was das Mitnehmen des traurigen Gefühls betrifft: „Wir müssen uns an dieses Gefühl erinnern und wissen, wie doof es sich anfühlt, so knapp an einer Medaille vorbeizuschrammen. Vielleicht waren wir diesmal noch nicht so weit, aber vielleicht sind wir es das nächste Mal.“

Es dauere aber wohl noch ein, zwei Wochen, bis sie wieder positiver auf alles zurückblicken können, meinte Bühner. Aktuell bestimmte die Trauer, was auch einige Zeit nach dem Spiel gut zu erkennen war: Fiebich und Bühner weinten auch noch in den Katakomben.

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Bundestrainer Olaf Lange war ebenfalls traurig. „Im Moment fühlt es sich natürlich nicht so gut an, in Bezug auf die absolute Weltspitze sind wir noch ein bisschen hintendran.“ Sein Team sei aber eben „nicht mehr so weit weg, wie wir mal waren. Es war ein großer Erfolg im Halbfinale zu sein. Immer weiter, immer weiter, heißt unser Motto.“

Bei den Verbesserungsmöglichkeiten sah er unter anderem die wieder einmal zu häufigen Ballverluste. Fiebich sah das auf SPORT1-Nachfrage ähnlich: „Es ist kein Geheimnis, die Turnover und auf den Ball aufzupassen. Wir sind ein junges Team und haben nicht so viel Erfahrung wie unsere Gegner. Wir haben über das Turnier hinweg die Euphorie mitgenommen und sind auf einer Welle geschwommen und irgendwann endet die halt.“

In diesem Moment platzt der Medaillen-Traum
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In diesem Moment platzt der Medaillen-Traum

Basketball-WM: Historisch bestes Ergebnis der DBB-Frauen

Das deutsche Team vergab in der erneut ausverkauften Uber Arena vor 12.650 Zuschauern auch die zweite Chance, das Podium zu erklimmen und nach starken Auftritten etwas mitzunehmen. Dennoch ist es das beste WM-Ergebnis der Geschichte für eine Frauen-Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB).

Bei der bislang einzigen Teilnahme 1998 war es nicht einmal bis ins Viertelfinale gegangen, diesmal erlebten die Fans eine Festwoche, sorgten dabei selbst für eine Euphoriewelle.

„Wir haben auf jeden Fall eine Chance“, sagte der Chefcoach vor den letzten 40 Minuten, es gelte auch, „etwas gutzumachen“. Im ersten Vorrundenspiel gegen Spanien war das DBB-Team chancenlos gewesen (53:83), hatte dann aber mit vier aufeinanderfolgenden klaren Siegen das Halbfinale erreicht.

Spanien legt stark los – das deutsche Team schlägt zurück

Es galt, Schlüsse aus dem missglückten Gruppenspiel zu ziehen, doch die spanische Offense kam wie neun Tage zuvor schnell auf Touren. 

Früh war der Rückstand zweistellig (9:20/7.), es gab erneut viel zu viele Ballverluste, auch beim Rebounding hakte es. Spanien, das am späten Samstagabend nach einer starken Leistung im Halbfinale an Rekordchampion USA gescheitert war (66:76), dominierte das Geschehen.

Bei der deutschen Mannschaft lief im ersten Viertel wenig zusammen. Die Wende gelang noch vor der Pause, die DBB-Frauen legten zu, arbeiteten sich Schritt für Schritt heran. Luisa Geiselsöder sorgte für den Ausgleich (33:33/16.).

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Deutschland verschläft Start in die zweite Hälfte

Das Publikum peitschte die deutschen Spielerinnen nach vorn, aber auch zu Beginn des zweiten Durchgangs gab zunächst Spanien den Ton an. Lange nahm beim Stand von 39:49 (34.) früh eine Auszeit, Wirkung hatte die Maßnahme nicht.

Spanien um die in dieser Phase bärenstarke Raquel Carrera gelang ein 15:0-Lauf. Wie im Frankreich-Spiel (64:86) kämpfte das deutsche Team, schaffte einen Run. Ein Comeback ließen die Spanierinnen nicht zu, antworteten mit einem 11:0-Start ins letzte Viertel – die Entscheidung.

Vor allem Spaniens Spielmacherin Iyana Martin bekam das deutsche Team nie in den Griff. Mit 22 Punkten und neun Assists trug sie entscheidend zum Sieg bei – das sah auch Magenta-Experte Per Günther so: „Deutschland hat gegen eine Spielerin verloren. Iyana Martín hat ihre 30 Minuten Spielzeit mit 30 Punkten gewonnen. Das ist beeindruckend.“

Doch er sah auch klare Verbesserungsmöglichkeiten bei der deutschen Defensive: „Es sind Dinge dabei gewesen, die kannst du unmöglich verteidigen – aber es waren auch Dinge dabei, die du auf jeden Fall besser verteidigen kannst. Sie einzuladen zu ihrer starken linken Hand durch die Zone zu penetrieren durch eine super softe Pick and roll-Verteidigung ist für mich ein Stück weit Berufsvergehen.“ Dennoch war er sich sicher: „Wenn sie sie (Martín) wiedersehen, werden sie versuchen, ihre Kreise einzuengen – aber sie war heute auch von einem anderen Planeten.“

Auch Lange sprach auf SPORT1-Nachfrage die Probleme mit dem gegnerischen Guard an: „Wir sehen in den Matchups gegen die Top-Nationen nicht gut aus speziell im Guard-Play. Wir müssen über Zeit hinbekommen in solchen Spiel mehr Offensive zu kreieren. Für uns ist es gegen so Top-Teams wie Spanien und Frankreich echt schwer. Da müssen wir mehr Vorteile schaffen.“

Nowitzki und Schröder auch beim Duell mit Spanien vor Ort

Zum Turnier war die versammelte deutsche Basketballprominenz zur Unterstützung gekommen. Ob Idol Dirk Nowitzki oder Weltmeisterkapitän Dennis Schröder, alle wollten dabei sein – auch am Sonntag.

Berlin erlebe mal wieder „ein kleines Märchen“, sagte Nowitzki, Schröder genoss die „geile Atmosphäre“. Nur der glänzende Abschluss fehlte eben.

Auch wenn es am Finalwochenende zwei Enttäuschungen gab: Die Zukunft ist rosig. Unter Lange, seit Herbst im Amt und für Fiebich das bislang „fehlende Puzzlestück“, hat das Team eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt, ist für die EM 2027 in Belgien, Finnland, Litauen, und Schweden ein Medaillenkandidat.

Nach den Männern, deren Aufschwung mit EM-Bronze 2022 ebenfalls in Berlin begonnen hatte, sind auch die Frauen oben angekommen. Ziemlich weit oben.


Mit Sport-Informations-Dienst (SID)