Der deutsche X-Faktor
WM-K.o.-Phase erreicht! Das sagen die DBB-Frauen
Deutschland kämpft bei der Heim-WM gegen Südkorea um den Einzug ins historische erste Viertelfinale. Rechtzeitig in Top-Form präsentiert sich Luisa Geiselsöder. Die WNBA-Spielerin schüttelt den Frust des schwachen Turnierstarts erfolgreich ab.
Die Erleichterung über den Einzug in die nächste Runde und ihr eigenes starkes Spiel stand Luisa Geiselsöder nur so ins Gesicht geschrieben. Mit einem breiten Grinsen stand die WNBA-Spielerin nach dem 83:58-Erfolg gegen Mali in der Mixed Zone.
„Das tut auf jeden Fall sehr gut, speziell wie wir gespielt haben“, freute sich Geiselsöder. Nach ihrem schweren Start ins Turnier fiel eine große Last ab: „Wir haben Geschichte geschrieben. Das ist sehr, sehr cool. Das mit dem Team zu machen, ist ein unbeschreibliches Gefühl.“
Deutschland wendet WM-Aus ab
Bei einer Niederlage gegen Mali hätte die Heim-WM schon nach der Gruppenphase beendet sein können, doch auch wegen der überragend aufgelegten WNBA-Spielerin, die 17 Punkte erzielte, klappte es mit dem Einzug in die Zwischenrunde, wo es am Dienstag (ab 20:45 Uhr im LIVETICKER) gegen Südkorea geht. Mit einem Sieg und dem Einzug ins Viertelfinale würde das deutsche Team Geschichte schreiben. Unter den Top 8 bei einer WM stand Deutschland noch nie.
„Ich wusste schon vor dem Spiel: Das ist Luisas Spiel. Solche Spiele mit extremer Physis kann sie einfach sehr gut. Ich bin stolz auf sie, dass sie sich so ein bisschen aus ihrem Loch rausgespielt hat. Das hat sie phänomenal gemacht“, freute sich auch Mitspielerin Leonie Fiebich.
Geiselsöder erlebte enttäuschenden Start ins Turnier
Die eigentlich so verlässliche Geiselsöder war tatsächlich schwach in die Weltmeisterschaft gestartet. Bei der Auftaktklatsche gegen Spanien gelangen ihr nur vier Pünktchen. Beim Sieg gegen Japan kämpfte sie das gesamte Spiel mit Foulproblemen und erzielte so in nur 14 Minuten fünf Punkte.
Nach zwei WM-Spielen stand die Centerin insgesamt nur bei mickrigen neun Pünktchen. Ein Wert, den sie normal in einem Spiel deutlich übertrifft.
Von ihrer Gala-Form bei der EM 2025, als sie im Schnitt auf 14,3 Punkte, 6,3 Rebounds und 4,5 Assists kam – und sogar ins All Second Team des Turniers gewählt wurde – schien zum Turnierstart nicht viel übrig zu sein.
Das merkte man der selbstkritischen Geiselsöder auch deutlich an. Sie haderte extrem mit sich selbst, bekam dann aber vor dem Spiel gegen Mali nochmal extreme Rückendeckung aus den eigenen Reihen. Ein Schachzug, der schon vor dem Japan-Spiel Frieda Bühner extrem stärkte.
„Ich glaube, nach dem Kommentar von Leo (Leonie Fiebich, Anm. d. Red.) vor dem Spiel und auch nach dem Gespräch mit Marie (Kapitänin Marie Gülich, Anm. d. Red.) gestern, wusste ich, dass es heute besser wird. Deswegen hat Leo nach dem Spiel auch einen Knutscher bekommen. Ich hätte Marie auch gerne einen gegeben. Es ist einfach der Flow gewesen. Wenn der Kopf aus ist, funktioniert es. Bei den ersten beiden Spielen war der Kopf leider ein bisschen zu an“, gab Geiselsöder zu.
Geiselsöder sorgt für „besonderen Moment“
Gegen Mali war die Lockerheit bei Geiselsöder dann direkt von der ersten Sekunde an zu spüren. Zusätzliches Selbstvertrauen holte sie sich mit starken Aktionen unter dem Korb. Hatte sie gegen Spanien und Japan zu oft zu Beginn versucht, Körbe von außen zu erzwingen, erzielte sie gegen die Afrikanerinnen zunächst alle ihre Punkte in der Zone.
Sechs ihrer acht Zweier fanden den Weg in den Korb. Mitte des dritten Viertels fiel dann auch der Dreier. Als der Ball durchs Netz ging, schrie die 26-Jährige vor Erlösung und stachelte das Publikum so richtig an. Die deutschen Fans ließen sich nicht zweimal bitten, sprangen aus ihren Sitzen und jubelten euphorisch. Auch Männer-Kapitän Dennis Schröder, der das Spiel aus der ersten Reihe verfolgte, feierte ausgiebig mit.
„Beim Dreier habe ich mich besonders gefreut. Da hat ja dann auch die ganze Halle gefeiert. Das war ein besonderer Moment und pusht total“, zeigte sich Bühner nach dem Spiel beeindruckt.
Nach diesem besonderen WM-Moment stand Geiselsöder übrigens schon bei 15 Punkten – zwei kamen noch hinzu. Nur weil Cheftrainer Olaf Lange sie beim deutlichen Sieg in der Schlussphase für die Zwischenrunde schonte, erzielte sie nicht noch mehr Punkte. Zur Spielerin des Spiels wurde sie trotzdem gekürt und erhielt die Auszeichnung standesgemäß von Welt- und Europameister Schröder.
Deutschland braucht starke Geiselsöder für WM-Coup
Dass Geiselsöder jetzt voll bei der Weltmeisterschaft angekommen ist, sorgte auch bei ihren Mitspielerinnen für Erleichterung. „Ich bin richtig stolz auf Luisa, dass sie heute rausgekommen ist und solch ein Spiel geliefert hat“, sagte Kapitänin Marie Gülich.
Bühner, die mit 21 Punkten erneut stark aufspielte, ergänzte: „Ihr Spiel war mega heute. Ich glaube, Lusia war mit ihrem Turnier bisher nicht so zufrieden. Deswegen gönne ich es ihr total. So wie heute spielt sie eigentlich immer. Genau so brauchen wir sie.“
Auch ihre Mitspielerinnen wissen, wie wichtig Geiselsöder speziell jetzt in der K.o.-Phase ist. Mit ihrer Physis unter dem Korb wird sie von den kleinen Koreanerinnen kaum zu stoppen sein. Fast noch wichtiger könnte sie aber in einem möglichen Viertelfinale gegen Belgien werden. Der amtierende Europameister verfügt über zahlreiche große und physisch starke Spielerinnen.
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Zum Glück ist Geiselsöder rechtzeitig für die entscheidende Phase der WM in absoluter Top-Form und kann so zum X-Faktor werden, um noch mehr WM-Geschichte zu schreiben. Sie selbst hat auf jeden Fall noch lange nicht genug: „Wir sind noch lange nicht fertig.“