Extremsportler Obermair: „Geil zu wissen, wie sich Verdursten anfühlt“

Überlebenskampf: "Geil zu wissen, wie sich verdursten anfühlt"
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Überlebenskampf: "Geil zu wissen, wie sich verdursten anfühlt"

Im SPORT1-Podcast Deep Dive schaut Marinus Obermair alias "MoveLikeG" auf seine bisherige Karriere als Extremsportler zurück. Er spricht über seine Weltreise, Grenzsituationen – und verrät, welche Eigenschaft seine Selbstversuche voraussetzen.

Eine Australien-Querung allein mit dem Fahrrad, ein Ultramarathon durch den wohl tödlichsten Dschungel der Welt oder der Versuch, einen Weltrekord zu brechen: Für Marinus Obermair alias „MoveLikeG“ scheint nichts unmöglich zu sein.

Aus dem Vorhaben, einmal ohne Geld um die Welt zu reisen, ist eine Karriere als Extremsportler und Content-Creator entstanden. Von seiner Community per Livestream begleitet, schreckte er auf seiner Weltreise auch vor natürlichen Todeszonen und unkonventionellen Reisezielen nicht zurück. Im SPORT1-Podcast Deep Dive mit Host Lenny Peteanu erzählt Obermair, wie viel er für den Spaß am Abenteuer auf sich nahm, und blickt auf einige unvergessliche Wagnisse in seiner bisherigen Laufbahn zurück.

Marinus Obermair unternahm eine Weltreise unter extremsten Bedingungen
Marinus Obermair unternahm eine Weltreise unter extremsten BedingungenMarinus Obermair unternahm eine Weltreise unter extremsten Bedingungen

Extremsportler war kurz vor dem Verdursten

Obermairs Weltreise, die er Anfang 2024 antrat, sollte keine „normale“ werden. Von dem Erfolg angetrieben, von der indonesischen Insel Java nach Bali geschwommen zu sein, fasste der Reise-Influencer den Entschluss, seine Route mit einer weiteren sportlichen Extrem fortzusetzen – einer Australien-Querung, allein mit dem Fahrrad. „Es war wie so ein Flow, es hat sich fast schon automatisch ergeben“, berichtet Obermair bei Deep Dive. Die Ideen für neue extreme Selbstversuche würden wie von selbst kommen.

Auch wenn Obermair dieses Vorhaben mehr als andere durchgeplant hatte, die Australien-Querung brachte den Extremsportler sowohl an seine körperlichen als auch mentalen Grenzen. Von purer Hitze, Gegenwind und wilden Tieren begleitet, kämpfte sich Obermair auf dem Weg von Perth nach Sydney durch das australische Outback.

Nach hunderten Kilometern voller Isolation und ohne Möglichkeit, sich mit neuem Proviant auszustatten, ging Obermair dann das Wasser aus – inmitten des australischen Outbacks befand er sich kurz vor dem Verdursten. Was für viele wie eine Horrorvorstellung klingen mag, entpuppte sich für Obermair aber als eine Lektion fürs Leben: „So blöd, wie es sich jetzt anhört, es ist geil, mal zu wissen, wie sich Verdursten anfühlt“.

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„Wir haben Wasser all the time, aber das hat nicht jeder“, erklärt der Extremsportler seinen Hintergedanken. Diese Situation mal erlebt zu haben, sei rückblickend „ein Geschenk“ für ihn gewesen.

„Keiner rettet dich“

Die Reise durch Australien habe Obermair aber auch vor allem eins gelehrt: Zwischen dem Gefühl von Sicherheit an Tankstellen oder Roadtrains, dem Genuss von Sternenhimmeln und großer Einsamkeit liegt ein schmaler Grat.

Gerade in den Momenten, in denen dem Reise-Influencer die Ruhe um sich herum bewusst geworden war, stand er vor großen mentalen Herausforderungen. Fernab von jeglicher Ablenkung wurde „es das erste Mal richtig leise, aber zugleich auch laut in einem“, berichtet Obermair, „weil die Gedanken, die hochkommen, das holt alles hoch“.

Trotz allem fokussierte sich der Extremsportler auf die Vorzüge dieser Erfahrung, genauer gesagt auf das „Learning, sein eigener bester Freund zu sein, sich selber zu helfen“. Denn inmitten des australischen Outbacks sei ihm eines stets klar gewesen: „Keiner rettet dich.“

Freiwillig durch den Dschungel? „Es ist eine grüne Hölle“

Während ihn Australien vor allem mit Einsamkeit und kilometerweiter Leere konfrontiert hatte, wartete auf der anderen Seite der Erde eine natürliche Todeszone auf Obermair: einer der gefährlichsten Dschungelübergänge der Welt, der Darién Gap – berüchtigt für Kriminalität, das Treiben der Narcos und gefährliche Tiere.

Dass Reisen ein großes Privileg ist, zeigte sich Obermair auf dieser Etappe seiner Weltreise. „Es ist eine grüne Hölle nach zwei Tagen, sehr, sehr schwül und sehr, sehr heiß“, beschreibt der Extremsportler diesen „gesetzlosen“ Ort zwischen Panama und Kolumbien, welchen viele Flüchtlinge tagtäglich mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA mithilfe von Schleusern auf sich nehmen.

Genau dieser entscheidende Gegensatz zwischen ihm und den Flüchtlingen veränderte Obermairs Sicht auf die Welt. „Ich habe die Entscheidung, ich gehe da freiwillig rein“, erklärt der Extremsportler den Unterschied: „Andere Leute müssen da aber durch, die kämpfen ums Überleben.“ Er sei im Nachhinein sehr dankbar gewesen, diese kräftezehrende Route und diese natürlichen Widerstände aus freiem Willen auf sich nehmen zu dürfen.

Marinus Obermair versuchte, einen Weltrekord aufzustellen
Marinus Obermair versuchte, einen Weltrekord aufzustellenMarinus Obermair versuchte, einen Weltrekord aufzustellen

Die richtige Balance zwischen Naivität und Mut

Nach fast zwei Jahren, rund 90.000 absolvierten Kilometern und vielen unvergesslichen Erlebnissen kehrte „MoveLikeG“ im September 2025 von seiner Weltreise zurück.

Seine extremen Selbstversuche nahmen mit seiner Rückkehr aber kein Ende – ganz im Gegenteil: Im Juli 2026 wagte der Extremsportler mit Triathlon-Erfahrung den nächsten Schritt und versuchte, rund 350 Kilometer der Donau von Passau bis Bratislava in nur 72 Stunden zu absolvieren. Auch wenn Obermairs Vorhaben, einen Weltrekord aufzustellen, scheiterte, denkt er nach wie vor nicht ans Aufgeben: „Ich will alles probieren, worauf ich Bock habe.“

Doch was braucht es, sich auf der ganzen Welt immer wieder in Ausnahmesituationen zu begeben? „Neugierde hat mich am meisten angetrieben“, meint Obermair. Hinzu kämen Wissbegierde, Abenteuerlust und auch eine gewisse Portion an Naivität. Ganz nach dem Motto: „Wenn ich jetzt alles 10.000 Mal hinterfrage, okay, was ist der Worst Case, was kann passieren, dann mache ich es auch nicht.“

Auf seine besondere Weltreise zurückblickend ist sich der Extremsportler sicher: „Reisen ist die beste Schule, die es gibt.“