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Svetislav Pesic beim Spiel des FC Bayern im Eurocup gegen Valencia
Ernüchterung nach dem Eurocup-Aus bei Svetislav Pesic und den Bayern © Imago

München - Nach dem Eurocup-Aus spricht Trainer Svetislav Pesic den Basketballern des FC Bayern die europäische Klasse ab. Die sportliche Leitung hat eine Verstärkung in Sicht.

5056 Zuschauer waren zu den Basketballern des FC Bayern in den Audi Dome gekommen.

Gemessen daran, dass gleichzeitig das Champions-League-Achtelfinale der Fußballer in der Allianz Arena und im Free-TV stattfand, ist das ein ordentlicher Zuspruch.

Dass die Bayern-Basketballer mittlerweile auf eine solide Fanbasis bauen können, war aber für sie auch die einzige gute Nachricht an diesem Abend.

Denn das Rückspiel im Eurocup-Achtelfinale gegen Valencia geriet sportlich zu einem kompletten Desaster.

Ideenlos und überfordert

Mit 23 Punkten Vorsprung hätten die Bayern nach der bitteren 58:80-Hinspiel-Pleite gewinnen müssen. Tatsächlich vergrößerten sie die Differenz durch das mehr als enttäuschende 60:94 auf minus 56.

Nach wenigen Minuten schon gaben die ideenlosen und überforderten Bayern, die nach dem Spiel mit leeren Gesichtern und glasigen Augen vom Parkett schlichen, das Spiel aus der Hand und erlaubten den Spaniern, die Führung weiter und weiter auszubauen.

"Der Hauptgrund ist, dass der Mannschaft die Klasse fehlt", sagte Trainer Svetislav Pesic - über den Kader den er mit Sohn und Geschäftsführer Marko selbst zusammengestellt hat.

Niederlagen in den wichtigen Spielen

Damit sind die Bayern nun nach der Euroleague und dem Pokal schon aus dem dritten Wettbewerb ausgeschieden.

In den wichtigsten Spielen zeigt Pesics Team eine besorgniserregende Tendenz, auseinanderzubrechen. Das war in der Liga im Spitzenspiel gegen Bamberg so, auch im Pokal-Viertelfinale in Berlin.

"Der Pokal war nie mein Ziel", erklärte Svetislav Pesic. "Dieses Ziel ist von außen bestimmt worden. Und gegen Berlin in einem Auswärtsspiel auszuscheiden ist kein Misserfolg."

"Internationale Erfahrung fehlt"

Zuvor konnte die offizielle Pressekonferenz nur mit erheblicher Verspätung stattfinden, weil er seiner Mannschaft eine mehr als halbstündige Ansprache in der Kabine gehalten hatte.

Später in der Nacht stellte er dann schlichtweg fest: "Wir hatten uns vor dem Spiel viel vorgenommen. Aber Valencia hat mehr Qualität als unsere Mannschaft."

Unter anderem "internationale Erfahrung" fehle seinem Kader. Dorthin führe nur "Zeit und Geduld". Oder auch, das ist offensichtlich, sagte Pesic aber nicht: Geld - um die internationale Erfahrung mit den passenden Spielern kaufen zu können.

Pesics Ziel: Euroleague-reif 2017

"Wir müssen die Realität erkennen", sagte Pesic mehrmals und es schien, als ob er diese Aussage bewusst vage an verschiedene Adressaten richtete.

An die Öffentlichkeit und die - seiner Meinung nach - zu hohen Erwartung an die Bayern, die international eben erst in der Entwicklungsphase sind.

Und an die Verantwortlichen im Verein: Doch bitte zur kommenden Saison den Etat von 12-13 Millionen Euro noch weiter zu erhöhen.

Schließlich hatte Pesic selbst als Ziel definiert, dass Bayern zum Ende seiner Vertragslaufzeit 2017 darauf vorbereitet sein soll, "dass er an einen europäischen Titelgewinn denken kann." Bevorzugt natürlich in der Euroleague, nicht im Eurocup.

Valencias Architekt als Berater

Eine Maßnahme auf dem Weg dorthin ist der Ausbau der Scouting-Abteilung, noch intensivere Beobachtung und Kontakte von und zu Spielern auf der ganzen Welt.

Nach SPORT1-Informationen wird die sportliche Leitung der Bayern um Marko Pesic in dieser Hinsicht schon jetzt von Toni Muedra beraten.

Der 38-jährige Spanier, mittlerweile häufiger Gast in München, war als Sportdirektor in Valencia 2014 der Architekt des Eurocup-Triumphs und ist seit Svetislav Pesics Trainerzeit dort in der Saison 2010/11 ein Freund der Familie.

Denkbar wäre zur kommenden Saison eine Funktion ähnlich der von Michael Reschke bei den Fußballern, als technischer Direktor. Muedra wird ein erstklassiges Netzwerk und Feingefühl bei der Spielerakquise nachgesagt.

Es bleibt der BBL-Titel

Während die Bayern also, nach Pesics Worten "auf Augenhöhe mit Bamberg und Berlin", immerhin noch aussichtsreich in der Beko BBL um die Meisterschaft kämpfen, könnte Muedra im Hintergrund den Kader für die kommende Saison mitformen.

Ob dieser dann die gewünschte europäische Klasse hat und die entsprechenden Ergebnisse liefert, daran werden sich die Verantwortlichen beim FC Bayern messen lassen müssen.

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