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Floyd Mayweather Jr. v Manny Pacquiao - Mayweather Arrival
Mit Blaskapellle und Cheerleadern trat Floyd Mayweather Jr drei Tage vor seinem Kampf gegen Paquiao in der MGM Grand Arena auf © Getty Images

München - 250 Millionen Dollar Kampfbörse, zwei Ringsprecher und eine lange, irrwitzige Vorgeschichte: Alle wichtigen Informationen zum Kampf Mayweather - Pacquiao.

Den ersten Punktsieg in Las Vegas hat Floyd Mayweather schon einmal gelandet.

500 Fans empfingen ihn am Dienstag in der MGM Grand Arena, wo in der Nacht zum Sonntag (4.30 Uhr LIVETICKER) der große WM-Vereinigungskampf mit Manny Pacquiao stattfindet. 100 mehr, als kurz zuvor seinen Gegner von den Philippinen begrüßten - der aber ohnehin keinen großen Auftritt wollte.

Umso größer war natürlich mal wieder der Mayweathers: Ein Rapper, ein Comedian, ein Trupp Cheerleader und eine Blaskapelle bereiteten dem 38-Jährigen eine standesgemäße Bühne.

Bei Mayweather muss eben alles eine Nummer größer sein. Erst recht, wenn er zum größten Duell seiner Karriere antritt. Das zugleich das größte Duell ist, das der Sport derzeit zu bieten hat.

SPORT1 blickt auf die Zahlen, Fakten und die kuriose Geschichte des "Jahrhundertkampfs".

Meister (fast) aller Klassen

Mayweather und Pacquiao gilt als reizvollstes Duell, das der Sport zu bieten hat: Der in 47 Kämpfen unbesiegte Mayweather führt die Pound-for-Pound-Rangliste des renommierten Ring Magazine an und gilt damit als gewichtsklassenübergreifend bester Boxer der Welt. Pacquiao, einziger Athlet, der in sieben Gewichtsklassen Weltmeister war (Mayweather: fünf), liegt in dem Ranking hinter Wladimir Klitschko auf Platz 3.

Wer den Kampf gewinnt, darf sich folglich als unbestrittener Meister aller Klassen fühlen. Um WM-Titel geht es natürlich auch, Pacquiao hält im Weltergewicht (bis 66,67 kg) den WBO-Titel, Mayweather den der WBA und des WBC. Letzterer hat seinen Gürtel extra für den Kampf mit 3000 Smaragden besetzen lassen. Materialwert: eine Millionen Dollar.

Wer soll das bezahlen?

Überhaupt, das viele Geld: Satte 400 Millionen Dollar Umsatz soll das WM-Duell einbringen, so viel wie kein Boxkampf zuvor. 300 Millionen erhoffen sich die Veranstalter allein durch die Pay-Per-View-Käufe in den USA: 99 Dollar (91 Euro) muss zahlen, wer den Kampf in HD-Qualität auf dem Fernsehbildschirm sehen will. Noch ein paar Dollar mehr (74 Millionen) werden durch den Ticketverkauf im MGM Grand Hotel erwartet. Die wenigen in den freien Verkauf gelangten Eintrittskarten kosten zum Teil 7500 Dollar pro Stück.

Mayweather kassiert eine seinem Kampfnamen "Money" angemessene Rekord-Kampfbörse von 150 Millionen Dollar (141 Millionen Euro), Pacquiao streicht 100 Millionen (92 Millionen Euro) ein.

Ein Nicht-Kampf als Großereignis

Das Geld fließt auch deswegen so reichlich, weil die Erwartungen sechs Jahre lang geschürt wurden. Seit dem 2009, als Pacquiao durch seinen Sieg über Oscar de la Hoya auch in den USA zum Star wurde, erhoffte sich ein größeres Publikum das Duell mit Mayweather. Ende des Jahres liefen Verhandlungen an, die krachend scheiterten und in einer ermüdend langen Schlammschlacht endeten, in der sich beide Lager wechselseitig die Schuld am verfehlten Deal gaben.

Tiefpunkt des Zwists, der vom Ring Magazine vor allen tatsächlich stattgefunden Kämpfen zum "Boxereignis des Jahres" gekürt wurde: Ein YouTube-Video, in dem Mayweather Pacquiao als "Zwerg" und "Tunte" beleidigte, die "ihm ein paar Sushi rollen könne". Am Tag darauf entschuldigte sich der US-Amerikaner: "Ich habe nur Spaß gemacht."

Basketball-Diplomatie

Pacquiao bekundete auch nach den geplatzten Gesprächen 2010 immer wieder seinen Kampfeswillen, und gab dabei auch mehrere seiner vorherigen Forderungen auf. Mayweather stellte sich derweil öffentlich auf den Standpunkt, dass der Pacquiao "nicht auf meinem Niveau ist", der Kampf daher letztlich unnötig.

Erst Ende 2014 schwenkte Mayweather um, vermutlich aus der Einsicht heraus, dass das Nicht-Zustandekommen des Duells niemandem mehr zu vermitteln war. Ende Januar trafen sich die beiden bei einem NBA-Spiel erstmals persönlich und tauschten ihre Handy-Nummern aus, drei Wochen später hatten die Hintermänner den Rest erledigt.

Der Kampf zwischen Floyd Mayweather Jr. (l.) und Manny Pacquiao (r.) findet statt
Mayweather und Pacquiao trafen sich am 27. Januar am Rande des Spiels Milwaukee Bucks - Miami Heat © Getty Images

Die Dopingfrage

Mayweather und Pacquiao fanden 2009/10 vor allem deshalb nicht zusammen, weil sie sich nicht auf die Anti-Doping-Bestimmungen für den Kampf einigen konnten. Pacquiao weigerte sich, sich kurz vor dem Kampf noch Bluttests zu unterziehen. Das fragwürdige Argument, dass Promoter Bob Arum dafür anführte: "Manny flippt aus, wenn ihm Blut abgenommen wird. Er hat das Gefühl, dass ihn das schwächt." Mayweather werte dies öffentlich als Doping-Eingeständnis, Pacquiao zog dagegen vor Gericht.

Diesmal konnte der Punkt geklärt werden: Die US-Agentur USADA darf bis kurz vor dem Kampf und danach Blut- und Urintests durchführen, beide Kämpfer müssen ihr stets ihren Aufenthaltsort übermitteln. Bei Verstößen drohen mindestens vier Jahre Sperre.

Mayweather - Pacquiao, bitte!

Seine bessere Verhandlungsposition als Zugpferd des US-Markts hat Mayweather gut ausgenutzt: Er steckt nicht nur die größere Kampfbörse ein, seine Promotionfirma hatte bei der Planung des Kampfes auch in allen Details das letzte Wort, Mayweather konnte seine Ringecke ebenso wählen wie seine Umkleidekabine. Auch, dass der Kampf "Mayweather - Pacquiao" statt "Pacquiao - Mayweather" heißt, ist vertraglich fixiert.

Jamie Foxx singt bei Floyd Mayweather - Manny Pacquiao
Jamie Foxx wird beim Kampf am Sonntag die US-Hymne singen © Getty Images

Die Nationalhymne der Philippinen wird übrigens von der filipino-amerikanischen Sängerin Gail Banawis vorgetragen, unterstützt von einem Kirchenchor aus Pacquiaos Heimat. Für die USA sing der eher als Schauspieler bekannte Jamie Foxx  - gewiss auch um seinen kommenden Mike-Tyson-Film mit ihm in der Hauptrolle zu promoten. Weitere Promis werden erwartet, Mayweather-Intimus Justin Bieber wird am wenigsten geneigt sein, den Kampf zu verpassen.

Ein Ringsprecher ist nicht genug

Ein weiterer Punkt, an dem der Kampf scheiterte: Die beiden Protagonisten stehen in den USA bei unterschiedlichen TV-Sendern unter Vertrag, Pacquiao bei HBO, Mayweather bei Showtime. Lösung des Konflikts: ein gemeinsam veranstalteter Pay Per View mit einem gemischten Kommentatorenteam und je einem eigenen Reporter, der in die Umkleidekabinen geschickt wird.

Auch bei den Ringansagern herrscht Arbeitsteilung: Michael Buffer ruft für HBO "Let's get ready to rumble", Jimmy Lennon Jr. ergänzt für die Konkurrenz: "It's Showtime."

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