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London und München - Gary Anderson geht als Favorit ins WM-Finale. Gegen Adrian Lewis (ab 18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) winkt ihm Historisches. In die Erfolgsspur findet er dank seiner Frau.

Schottland und England - das sind zwar britische Geschwister. Doch wirklich gern haben sie sich nicht. Auch im Darts ist das so.

1989 durchbrach ein kleiner, dicklicher und völlig atypisch werfender Highlander namens John Thomas Wilson die Vorherrschaft der stolzen Engländer. Als erster, der nicht aus dem Mutterland des Darts kam, wurde "Jocky" zum zweiten Mal Weltmeister. Er schlug den Sunnyboy der Szene, Eric "The Crafty Corkney" Bristow in einem irren Finale mit 6:5, nach dem er eine 4:0-Führung fast verspielte.

20 Jahre später gab der Publikumsliebling Wilson seinen Spitznamen ab. Er reichte ihn weiter an seinen Landsmann, der bis dahin nur als der unfassbar talentierte "Dreamboy" bekannt war. Der neue "Flying Scotsman" war nun: Gary Anderson.

Und dieser Gary Anderson hat nun im Finale der Darts-WM die Möglichkeit, gleichzuziehen mit der schottischen Legende. Er könnte der zweite Schotte der Darts-Geschichte werden, der zum zweiten Mal Weltmeister wird und erst der vierte, der seinen Titel verteidigt. (Finale ab 18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, ab 19.30 Uhr im TV auf SPORT1+, Livestream und im Liveticker)

Durchbruch 2011

Das war 2009 beileibe nicht abzusehen. Zwar erzählte der heute 45-Jährige immer wieder die Geschichte, wie er vor 20 Jahren das erste Mal Darts in der Hand hatte. Erster Wurf: 60 Punkte. Dann die zweite Aufnahme: 180, das Maximum.

Doch so richtig am Board konnte es Anderson nicht zeigen. Immer wieder versagten ihm auf die Doppelfelder die Nerven.

Zwei Jahre, nachdem er sich umtaufte, schaffte er den Durchbruch. Bei der WM 2011 marschierte er bis ins Finale durch, scheiterte aber einem famosen Adrian "The Jackpot" Lewis, der damals einen Neun-Darter warf.

Danach folgten erst einmal Rückschläge, die auch private Gründe hatten. 2012 verlor der Rechtshänder nach dem Tod seines Vaters und der Trennung von seiner Frau die Lust an Darts. Das Talent, das nur wenig Training für Topleistungen brauchte, ließ es schleifen.

Dank Rachel zum Weltmeister

Erst mit seiner neuen Freundin Rachel, die heute seine Frau ist, fand Anderson wieder in die Spur. 2014, als sein Sohn Tai geboren wurde, stand er in vier Major-Halbfinals und gewann eins. Die anschließende WM gewann er zwar knapp mit 7:6 gegen Phil Taylor, aber hochverdient.

Und wieder fiel die Leistung ab, der "Flying Scotsman" quälte sich durch die Saison 2015 - trotz des Gewinns der Premier League.

Gemeinsam mit Ehefrau Rachel präsentierte Gary Anderson im Vorjahr den WM-Pokal © Getty Images

Aber rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt fing sich das 180er-Wunder. Im Schnitt über 100 Punkte bei der WM, dazu eine Checkout-Quote von über 40 Prozent machten ihn zum absoluten Topfavoriten.

Auch wenn englische Legenden das zunächst ganz anders sahen.

"Wade wird gewinnen", tönte Eric Bristow vor dem Viertelfinale. Anderson, der in der Silvesternacht wegen des Feuerwerks vor seiner Haustür kein Auge zu machte, kitzelte das wach: "Bristow hat bei mir die richtige Schraube gedreht", teilte er mit und schickte "The Machine" deutlich nach Hause.

Auf Wilsons Spuren

Im Halbfinale ließ er Jelle Klaasen nicht den Hauch einer Chance, mit dem ersten 9-Darter des Turniers bewies er seine Ausnahmestellung.

Die kann er nun mit der erfolgreichen Titelverteidigung zementieren.

Ansonsten schafften das neben den erwähnten Wilsow und Bristow nur Phil Taylor und Finalgegner Adrian Lewis, beide aus der englischen Darts-Hochburg Stoke-on-Trent.

Nun hat mit Anderson wieder ein Schotte die Chance, die Vorherrschaft Englands zu durchbrechen.

Für ihn ist das Duell mit Lewis eine Extra-Motivation. Zu SPORT1 sagte er: "Von allen Finals hätte ich mir das ausgesucht."

Den stolzen Engländern droht der nächste Einmarsch.

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