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Koelner Haie v Hamburg Freezers - DEL
Die Kölner Haie spielen seit 1998 in der Lanxess Arena © Getty Images

München und Köln - Die Doppelbelegung der Kölner Lanxess Arena sorgt für Wirbel. Die Haie haben das Vorrecht, die Handballer sind sauer. SPORT1 beantwortet die Fragen zum Hallen-Zoff.

Die Freude der Kölner Haie über den Einzug ins Playoff-Halbfinale währte nicht lange.

Denn mit dem 3:2-Sieg in Berlin sorgten die Kölner für ungewolltes Terminchaos.

Plötzlich war nicht klar, ob das zweite Playoff-Spiel gegen Red Bull München überhaupt am vorgesehenen Termin, Freitag, den 1. April, in der Kölner Lanxess Arena stattfinden kann.

Der Grund: Die Halle ist an diesem Tag bereits für das Länderspiel der deutschen Handballer gegen Dänemark gebucht (LIVE im TV auf SPORT1).

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Haie preschen vor

Die Haie ließen sich davon zunächst nicht beirren, vermeldeten offensiv auf "facebook": "Kein Handball-Spiel in der Arena".

Der DHB reagierte darauf mit Verwunderung und verwies auf seinen bestehenden Vertrag mit dem Betreiber der Lanxess-Arena.

Die Haie haben den Kartenverkauf für Freitag bereits gestartet, der DHB seinerseits hat jedoch schon 13.000 Tickets für die Partie gegen Dänemark abgesetzt.

Doch einer von beiden wird weichen müssen. Die Situation ist verworren. Noch ist keine Lösung gefunden: "Wir gehen davon aus, dass wir im Tagesverlauf eine Lösung präsentieren können", sagte DHB-Generalsekretär Mark Schober bei einer Pressekonferenz in Köln am Dienstagmittag.

Was nun? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Hallen-Zoff.

1. Wie konnte es zu der kuriosen Doppelbelegung kommen?

Die Kölner Lanxess-Arena nahm die Schuld für die peinliche Posse mittlerweile auf sich. "Das ist der Fall", sagte Arena-Chef Stefan Löcher dem sid.

Bereits im Januar hatte er sich die Ausrichtung des Handball-Länderspiels gesichert.

Das DHB-Team löste zu diesem Zeitpunkt mit den begeisternden Auftritten bei der EM in Polen eine neue Handball-Euphorie aus, die Kölner Haie dagegen lagen in der DEL auf Platz zehn und mussten um den Einzug in die Pre-Playoffs zittern.

Dass die Haie wirklich ins DEL-Halbfinale einziehen würden, glaubte damals keiner.

Völlig auszuschließen war es freilich nicht. Löcher riskierte aus Angst, die Halle würde an vielen Abenden im März und April leer stehen, eine Doppelbelegung.

Er handelte also eher nach dem altbekannten Kölner Motto "Et hätt noch immer joot jejange".

2. Wie reagieren die Verantwortlichen?

DHB-Vizepräsident Bob Hanning reagierte sehr verärgert auf die unverschuldete Terminkollision: "Ob das notwendig war, müssen andere beurteilen. Das DHB-Präsidium war darüber jedenfalls nicht informiert". Von der "Unprofessionalität der Lanxess-Betreiber" sei er "schockiert".

Die Kölner Haie sahen die mögliche Terminkollision schon vor dem entscheidenden siebten Spiel gegen Berlin locker.

"Natürlich versuchen wir alles möglich zu machen, aber wenn es keine Lösung gäbe, hätten wir natürlich das Vorrecht“, sagte Haie-Boss Peter Schönberger.

3. Wer muss weichen: Eishockey oder Handball?

Stand Jetzt die Handballer. Die Kölner Haie sind Hauptmieter und langjähriger Partner der Lanxess-Arena, genießen deshalb ein Vorrecht.

Eine Verlegung der Partie gegen München auf Donnerstag oder Samstag ist wegen des engen Playoff-Terminplans nicht möglich. Laut DEL-Reglement müssen mindestens 42 Stunden zwischen zwei Partien liegen. Verschiebt ein Klub ein Spiel, ist eine Strafzahlung an die Liga fällig.

Nach SPORT1-Informationen versicherte sich Kölns Gegner Red Bull München schon am Montag Abend sicherheitshalber bei den Kölnern, ob sie Flüge und Hotel für Freitag buchen können.

Am Dienstag Morgen folgte die definitive Antwort der Kölner: Der Termin steht.

4. Welche Ausweichmöglichkeiten gibt es für die Handballer?

Momentan gibt es zwei realistische Optionen:

"Ich denke wir müssen entweder nach Düsseldorf umziehen oder das Spiel auf den Samstag verlegen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Man suche zurzeit "fieberhaft nach einer Lösung".

Die Verschiebung auf Samstag wird nach SPORT1-Informationen derzeit favorisiert. Im Gespräch ist auch eine Verlegung des Spiels an einen anderen Ort.

Die Betreiber der Lanxess-Arena haben dafür den Düsseldorfer ISS Dome ins Auge gefasst, erste Gespräche fanden bereits statt.

"Wir tauen das Eis schon ab Samstag ab und stehen grundsätzlich zur Verfügung", versicherte Manfred Kirschenstein, Chef des ISS Dome, der Rheinischen Post.

Doch auch eine Absage des Länderspiels steht auf der Agenda. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann nichts ausgeschlossen werden", teilte der DHB am Dienstag Mittag auf einer Pressekonferenz mit.

5. Welche Folgen hat der Hallen-Zoff?

Wie der Hallen-Zoff ausgeht, bleibt spannend. Verlierer sind vor allem die vielen Handball-Fans, die ihre Tickets bereits gekauft haben und nun im Unklaren gelassen werden.

Dem Betreiber der Lanxess-Arena drohen je nach Vertragslage zudem Schadensersatzforderungen.

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