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Iserlohns Team Canada 1c - mit den Deutsch-Kanadiern Brad Ross (l.), Chad Bassen (r.) und dem Kanadier  Cody Sylvester
Iserlohns Team Canada 1c - mit den Deutsch-Kanadiern Brad Ross (l.), Chad Bassen (r.) und dem Kanadier Cody Sylvester © SPORT1-Grafik Philipp Heinemann / DPA Picture-Alliance und roosters.de

Die Wutrede von DEB-Crack Moritz Müller bringt den Iserlohn Roosters Zusammenhalt und Kapital. An ihrer umstrittenen Transferpraxis halten sie trotz neuem Spott fest.

Die roten Trikots mit dem Ahornblatt und der Aufschrift "Canada 1c" sind allgegenwärtig.

Seit Nationalspieler Moritz Müller in einem Wutausbruch die Iserlohn Roosters als kanadische 1c-Mannschaft betitelte, tragen die Fans des Überraschungsteams der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit Stolz und einem Augenzwinkern ihre ungewöhnliche Kluft. "Wir sind alle noch enger zusammengerückt", stellte Trainer Jari Pasanen fest.

Die Sauerländer, wegen ihrer zahlreichen Deutsch-Kanadier nicht nur vom Kölner Kapitän kritisiert, gehen am Mittwoch (19.30 Uhr im LIVETICKER) als Tabellendritte ins Playoff-Viertelfinale gegen die Nürnberg Ice Tigers - mit großer Euphorie und einer Wagenburg-Mentalität.

Sturm nickt die Praxis ab

Dass nur vier in Deutschland geborene, aber zwölf eingebürgerte Spieler im Kader stehen - zusätzlich zu den zehn regulären Ausländern aus den USA und Kanada, verstoße gegen keinerlei Regeln, betonen sie am Seilersee immer wieder.

Und sogar Bundestrainer Marco Sturm stimmt zu. "Was Iserlohn macht, ist schließlich legal", sagte der ehemalige NHL-Profi dem kicker: "Es gibt Regeln, und die halten sie ein."

Müller indes steht weiter zu seiner Meinung. Als der Fernsehsender ServusTV ein "Canada 1c"-Trikot zugunsten der Iserlohner Nachwuchsabteilung versteigerte, merkte er süffisant an: "Jetzt weiß man wenigstens, dass sie eine haben." Sie richtet sogar am Wochenende die deutsche U16-Meisterschaft aus.

Nun dominiert das Ahorn-Rot 

Aus der Kritik des Nationalspielers haben die geschäftstüchtigen Sauerländer Kapital geschlagen. 700 rote Trikots verkaufte der Fanshop, zudem Schals mit derselben Aufschrift.

Weil viele Anhänger außerdem Kanada-Flaggen schwenken, verdrängte zuletzt die Farbe Rot in der 14-mal in Folge ausverkauften Arena am Seilersee immer mehr das traditionelle Blau-Weiß. 

Die kreative Einkaufspolitik von Manager Karsten Mende ist das wichtigste Kapitel der Iserlohner Erfolgsgeschichte. Deutsche Nationalspieler seien zu teuer, gibt der Sportchef zu, deshalb sucht er vorwiegend in Kanada nach Spielern mit deutschen Wurzeln.

"Wir sind keine Gallier"

Doch um mit einem Mini-Etat von 5,4 Millionen Euro die Branchengrößen Kölner Haie (11,0), Adler Mannheim (10,8) und Hamburg Freezers (10,5) hinter sich zu lassen, reicht dieser "Iserlohner Weg" (Pasanen) alleine nicht.

Dazu waren auch akribische Arbeit auf dem Eis und ein Trainer, der sich aus den Niederungen des deutschen Eishockeys nach oben arbeitete, notwendig.

"Wir sind keine Gallier und haben auch keinen Zaubertrank", merkte Pasanen, der einst in Wedemark, Wilhelmshaven oder Schweinfurt spielte und in Essen trainierte, an.

Ice Tigers trotz Heatley Außenseiter?

"Die beste und erfolgreichste Zeit des Iserlohner Eishockeys", so Klubboss Wolfgang Brück, führte den Außenseiter zum fünften Mal ins Viertelfinale.  Der Halbfinaleinzug wäre ein Novum, ist aber aufgrund der Heimstärke nicht unrealistisch.

Nürnbergs Klubchef Thomas Sabo sieht sein Team - mit dem früheren NHL-Star Dany Heatley - als "krassen Außenseiter". Das sei, konterte Pasanen, "eine schöne Lüge. Die Nürnberger Mannschaft kostet das Doppelte".

Sie hat allerdings auch 17 in Deutschland geborene Spieler - darunter Weltmeister und Olympiasieger Heatley, der in Freiburg zur Welt kam.

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